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Der Israelit · 1886-11-04 · Heft 86 (4.11.1886) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 86 (4.11.1886)
Date
1886-11-04
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXVII. Mirflaufl. weile Keilnge jullr. HO ües Hsrnclit. Zcrtringsnachrichteu und (^orrespondtttzen. D e u t schla n d. Fraukfnrt a. M. Durch den Wohlthätigkcirssinn der Freifrau Rt at!) i l de von :H oi lisch! ld, öicmalUiu de» Freiherr» Wilhelm v. Rothschild, ist in schönster Lage bcs Ciiciib* (lllöderbergweg UM) ein Siinberljoäpital errichtet worden. Arme franfe israelitische .Linder, deren Eltern in unserer Stadt oder deren nächster-Umgebung ihren UnrerstützmigSwohnsitz haben, sollen darin Aufnahme finden und zwar vom angetretenen vierten Lebensjahre an: .Luabcn bis zum Älter von l‘> Jahren und Mädchen bis zum Alter von 12 Jahren. Mit ansteckenden .Lrankheitcn behaftete .Linder find von der Aufnahme auSgefchtoyen. Tie Stiftung führt den Namen „M a t h i t d e v o n R 0 t h f ch i 1 d'f ch e Z Israelilisch cs .Linde r - H 0 s p i t a l" und _ ist Herr Tr. med. Elicser Rosen bäum mit der ärztlichen Leitung betraut, au welchen man sich auch wegen der event. Aufnahme zu wenden hat. Türkei. . Adriarropel, im Oktober. Als die Türken im 14. Iahrhunderr unter Sultan Murad 1. nach Europa hernbcrkamen, da fanden sie auf der Thrazischen oder wie man sie jetzt nennt/ der Balkannalbinscl, nur wenige große und angesehene jüdische Gemeinden vor. Tie byzantinischen Laiser, die nach Julian dem Apostat (Abtrünnigen von der Lirchc,) der ein großer Gönner und Freund unseres Volkes und unserer heiligen Schriften war,") den von Konstantin dem Großen in zronstanrinopel errichteten .Laiserrhron bestiegen hatten, waren größtenthcils bigotte, von fanatischen Priestern geleitete oder vielmehr verleitete Herrscher, die gerne alle ihre Unterrbanen, unter denen sich wenigstens bis zum tr. Jahrhundert unserer Zeitrechnung auch Milliouen von Heiden, arabischer, persischer und slavischer Zunge befanden, zur Lirche bekehrt hätten, und *) ^ekcrmiUich gehr von diesem juderrireundlicherr Kaiser auch -:e Tage, das: er aus Hax gegen die Kircbe den J:rd:n -e:r ^'icderaurbau des Tempels irr Jerusalem genauer dade. wo rau "c iedoä durch den Ausbruch umcrirüsicher .Zeuer gräö-rr wur- ••s. Ja den turannni'chea r^erSsLroniken sinder sia, jedoch keine Meldung über diesen Tempewau vor. und so dürsie die | 'in;« Tache eher eine Mnrhe, als eine geichrchUiche Thar-! 'iche reiu. ' ' * denen daher auch die Inden ein Torn im Auge waren. Ja, Letztere waren am byzantinischen.L'aiserhofe noch mehr verhaßt als die Heiden, weil sie, ungeachtet dessen, daß das Griechische ihre Muttersprache war, in der auch in der Synagoge gepredigt wurde, und auch iu der alten griechischen Literatur bewanden waren, dennoch dem Studium der Thora und des Talmud mit allem Eifer anhingcu, um so ihre ererbten religiösen Lehren und Gebote nicht vergessen zu müssen. Auch iu Betreff ihrer Eheschließungen waren die Juden rigoroser als die in dieser Angelegenheit höchst leichtfertigen Heiden, da sie sich entschieden weigerte», Griechinnen als Gattinnen heimznführen oder ihre Töchter an Ehristen zu verheirathen, und sogar keine Lust zeigten, ihre Rationalitüt anszngeberr und im Griechenthnm gänzlich aufzngchen. ^ie wurden daher von der Geistlichkeit aufs heftigste angefeindet und von den Laiscru wieder aufs grausamste verfolgt. Besonders im Innern des byzantinischen Reiches, wo die Statthalter (Hegemouell, daher das -im Talmud) sich jede Erpressung erlaubten, da sie ihren Raub nur mit de» Ministern in Eonstantinopel zu theilen brauchten, waren Verfolgungen gegen die Inden fortwährend an der Tagesordnung. Biele Inden flüchteten daher aus dem Innern des Gleiches nach den See- und Hafenftädlen, da sic hier schon des Handels wegen, der damals fast ausschließlich in ihren Händen war, auf einen größeren Schurz rechnen dursten, und dann konnten sie von hier aus leichter mir ihren Glaubcusbrüderu in Palästina, Babylon und Rordaftika verkehren und correfpondireu. Tie großen damals bestandenen jüdischen Gemeinden iu den Binneustädleu der Balkauhalbinse!, so in Sardiea (heule: Sophia), Raissus (heute: Risch), dann iu Philwpopel, Larista, Adrianopel :c. lösten sich nun langsam ans oder verringerten sich sehr und an deren Stelle entstanden dann blühende Gemeinden in Skodra (heute: Skurari) Vallona. Eorfu, Patras, Parga, Bnrgas, Varna, Rnstschnk und anderen Hasenorlen mehr. — Als die Türken nach Europa kamen, fanden Jic im Innern des bvzanliniichen Reiches nur mehr wenige Juden vor und selbst hier in Adrianopel, das Sultan Murad l. zu seiner Residenz erkoren harre, bestand nur noch eine kleine jüdische Gemeinde, die noch dazu, da die reichen jüdischen rlanstente und Fabrikanten in die Lüstenstädte gezogen, sehr arm war. Als nun der ge-

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