Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 84 (28.10.1886)
- Date
- 1886-10-28
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XXVII. Jahrgang. leitender' Artikel. Literarischer Bericht. R. Josef Kara und sein Eommcntar zuKohclet. Aus dem Ms. der Bibliothek des jüdisch - theologischen Seminars zn Breslau zum ersten Male hcrausgegeben von Dr. B e r t h o l d Ein st e i n. Berlin, Ad. Mampe. 1886. Ter Verfasser hat sich nicht damit begnügt, den in der Unterschrift genannten, werthvollcn Comineutar zum Abdrucke zu bringen-, er gibt auch wichtige Daten über Josef Kara und die nordfranzösische Exegctenschule, welcher derselbe angehörte. Der Verfasser gibt dieser Schule in gewisser Beziehung den Vorzug vor der spanisch-arabische», welche sich vielfach von äußeren Verhältnissen, von der griechischen Philosophie und der Polemik gegen die Karäer, becinflnpcn ließ. Die nordfranzösische Exegeten lebten ganz und voll dem Smdimn der talmndischen Literatur, deren Inhalt sie unbefangen, in ungekünstelter und unverdorbener Werse in sich aufnahmen. Ihre talmndischen Studien richteten ihren Blick auch auf die Bibel, deren Erklärung sie mit der ganzen ihnen eigenen Einfachheit und natürlichen Frische betrieben. Für sie war nicht das Bedürfnis, nicht die Nothwendigkeit vorhanden, die -Worte-der-yeiligcn-Schrift mit dem darnaligcn Zeitgeiste in Einklang zu bringen und denselben oft gewaltsam eine fremde Deutung zu geben, um allen Anfechtungen von philosophischer und karäischer Seite begegnen zu können. Sie gingen vorurtheilslos, ohne vorgefaßte Meinung, ohne die bewußte Absicht, in dem Schrifttext bestimmte Probleme gelöst, bestimmte Anschauungen ausgesprochen zu finden, an die Erklärung der heiligen Schrift. Rabbi Joseph Kara war der Sohn des Rabbi SimonKara, der vielfach für den Verfasser des großen Sammelwerkes 'rycr vryr gehalten wird. Rabbi Simon Kara war der Sohn eines Rabbi Ehelbo und der Bruder des Rabbi Menachem bar Ehelbo, des ersten, ans seiner exegetischen Thärigkeit uns bekannten Schrifterklärers in Frankreich, der sich die Erforschung des einfachen Schriftsiunes. zur Aufgabe gestellt hatte. _ Rabbi Joseph Kara war ein jüngerer Zeitgenosse Raschi's; es fällt demnach seine Blürhczcit in die erste Hälfte des zwölften Jahrhunderts der gewöhnlichen Zeitrechnung. An zahlreichen Stellen citirt Rabbi Joseph Kara die Erklärungen Raschi's; oft führt er diese mr Bestätigung und Bekräftigung seiner Erklärungen an; oft weist er Raschi's Deutung ab, manchmal, ohne daß er ausdrücklich bemerkt, wem seine Polemik gilt. Mit Rabbi Samuel bar Mckr, D":«y"-i, dem Enkel Raschi's, war Rabbi Joseph Kara befreundet, und Beide beziehen sich in ihren Schriften aufeinander. Das vom Verfasser ebirtc Manuscript ist von einer gelehrten Frau Namens Paula, Tochter des Rabbi Abraham, >'m Jahre 1288 Der gewöhnlichen Zeitrechnung in Nom geschrieben. Die Schrift ist eine sehr schöne. Wie die Schreiberin mittheilt, gehörte sie einer Familie an, die ihren Ursprung auf den Vater des berühmten Verfassers des Aruch, Rabbi Nathan aus Rom, zurückführte. Die vorliegende Abhandlung ist mir Fleiß und Gründlichkeit geschrieben; wir hoffen, dem jungen Gelehrten auf ähnlichen Gebieten noch häufig zu begegnen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Gailingen. (Baden.) Ein jklcines Fest, das vergangenen 'ree* iiu hiesigen Orte in bescheidenem Rahmen begangen wurde, dürfte seiner Seltenheit halber wohl werrh sein, durch Ihr geschätztes Blatt verbreitet zu werden, da wir aunehmen, daß sich auch ein entfernteres Publikum für ocrurtigc, echt jüdische Anlässe inrerefsiren durste. Unser Mitbürger, Herr Sal. S. Wolf, hat nämlich am genannten Tage sein 5<ssährigcs Jubiläum als l. Vorstand der Bruderschaft 2^ 127 (Verein zur Ausübung guter Werke) durch Abhalhaltung eines durch die Mitglieder dieser Bruderschaft im Eaf« Biedermann hier veranstalteten Bankett, gefeiert. Dem Jubilar, welcher mit Pflichttreue seit dem Jahre 1880 als 1. Vorstand dieses der örtlichen Wohltbäligkeir gewidmeten Vereines wirkt, wurde von Seiten der Mitglieder des Vereins ein pancndes Geschenk überreicht, und demselben im Verlaufe des Festes von einem Mitglicde des Ver-