Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-10-28 · Heft 84 (28.10.1886) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 84 (28.10.1886)
Date
1886-10-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449678--25223-2515048
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

l.'Us Ccftcvv. * Ungar. Monarchie. Wien. Tie Assaire Kachel Stieglitz, welche so viel Stand answlrbette, hat endlich durch die Eutscheidnng des obersten Gerichtshofes ihreu Abschluß gesunden. Derselbe hat entgegen dem Anssprnchc der unteren Instanzen ln Lrafait entschieden, das; man dem Vater Jechiel Stieglitz die väterliche Rechte über seine Tochter nicht vorenthalten kann. Was die Rückstellung derselben betrisst, so kann dieselbe in Rücksicht darauf, das; sie schon ein entsprechendes Alter erreichte mib demzufolge bereits eine selbstständige Meinung hat, nicht dazu gezwungen werden. Trotzdem gelang es dem Vater, das; das Ministerium des Aenstern das österr. Konsulat in Breslau, wo sich bekanntlich Rachel Stieglitz im Kloster befindet, beauftragte, bei der dortigen Regierung zu erwirken, das; die Behörde alle möglichen moralischen Mittel auwende, um die Stieglitz zur Rückkehr ins väterliche Haus zu bewegen. Ob dieser Schritt von Erfolg sein wird, ist sehr fraglich. R n m a n I c n. Bukarest. In einer Beleidigungsklage des Exkapitäns Moroin gegen den Redacteur des „Revista Jsraelita," Dr. Beck, welcher Rabbiner und Prediger der deutschen Gemeinde dahier ist, hatte der. Gerichtshof den Termin der Verhandlung ans den 9. Oktober, also ans cv angesetzt. Diese schreiende Intoleranz widerlegt die Behauptung der rumänischen Antisemiten, das; sie die Inden, _nur. in ökonomischer Hinsicht bekämpfen, ihre Religion aber respectiren. Bukarest. In der zweiten Reujahrsnacht sind in die hiesige Synagoge Diebe eingedrungen und haben die heilige Lade erbrochen. Ta sie in ihrer Arbeit gestört wurden, musttcn sie eiligst die Flucht ergreifen, ohne irgend einen Gegenstand mitnehmeu zu können. S p a u t c «. Madrid. Die vom antisemitischen Eongresse in Bukarest gefaßten Beschlüsse haben selbst in Spanien Entrüstung Hervorgerufe». In dem „Madrider Liberal" vom 2-t. v. M. protestirt Senor Ruiz de Pcnarandn unter der Neberschrift „Barbarei im 19. Jahrhundert" gegen dieselben. Gin Jude hätte, keine kräftigere Bertheidigung der Inden schreiben können, als die, welche ans der Feder des spanischen Tenors geflossen ist, welcher den guten Eigenschaften der jüdischen Race volle Gerechtigkeit widerfahre» läßt und die Absurdität der Verlern,!, düngen, deren Opfer sie ist, klar vor Augen stellt. Diese Vert.heidignng der Inden ist um so be merkelwwerther. als sie von einem hervorragenden Manne eines Landes stannnt, ln welchen! die Juden in früheren Jahrhunderten den bittersten Verfolgungen ansgesevt waren. R u ß l a n d. Petersburg. Seit zwei Jahren nn'rd dahier an einer neuen Synagoge gebaut, deren.Losten ans eine Million Rubel berechnet sind. Ans die verflossenen Feiertage hat man einen bereits fertig gestellten Thcil derselben eingewciht und während der Festtage zur Abhaltung des Gottesdienstes benützt. Warschau. Der „Courier Warschawsly" erzählt folgende Geschichte: Bor einigen Monaten lief bei dem Staatsprocurator eine Dcnnnckarion ein, das; ein in Warschau als Protestant verzcichncter Einwohner nicht nur in seinen! Hause alle Gebräuche und Gesetze der jüdischen Religion streng halte, sondern auch öffentlich ulkt seiner Frau den jüdischen Gottesdienst besuche. Bekanntlich verbietet aber das russische Gesetz den Uebertritt zum Judenthum, und der Mann wurde zur Verantwortung vorgeladen. Scheinbar begnügte sich der Procurator mit der Bertheidigung, die jener vorbrachte, daß er nicht Jude geworden sei und den Tempel der Juden nur besuche, nut daselbst mit den Verwandten seiner Frau, einer ehemaligen Jüdin, znsammenzntreffen. Im Geheimen ließ er den Beschuldigten beobachten, und es stellte sich heraus, daß er thatsächlich seiner Frau zu Gefallen, die, um ihn zu heirathe», nur zum Scheine Christin geworden war, sein ganzes Hauswesen nach jüdischem Ritus gestaltet, namentlich den Sabbat streng gehalten und seine Kinder, die zwar Christen sind, in der Religion ihrer Mutter erzogen habe. In der That war auch das älteste Kind, ein achtjähriges Mädchen, mit den Satzungen der jüdische» Religion vertrant, ohne von der christlichen Religion auch nur die geringste Kenntnis Z» besitze». Auf Betreiben der Verwandten des Mannes wurden nun die Kinder dem väterlichen Hanse entzogen und Sorge für ihre Erziehung als Christen getragen. Die Mutter hat sich der ihr drohenden Strafe durch die Flucht entzogen und ist spurlos verschwunden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.