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Der Israelit · 1886-12-23 · Heft 100 (23.12.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 100 (23.12.1886)
Date
1886-12-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seine apostolische Majestät der Kaiser attergnädigst geruht habe, den Oberlieuteuant (Grafen Kurt Alt- Heim zum Rittmeister und beu Fähnrich Prinzen Heinrich Kaltern-Meggeudorf zum Lieutenant beide im 26. Uhlancnregimente zu ernennen. Der Oberst beglückwünschte Beide, freute ihnen über ihr Verhalten im Regimente das beste Zeugniß aus, gab dem Bedauern Wort, sie ans dem Regimente scheiden zu sehen und sprach schließlich die Hoffnung aus, die beiden Regimenter, jenes welches sie verließen, und jenes in welches sie eintreten, würden, in mancher Schlack c, vereint gegen die Franzosen kämpfend, — sich neue Lorbeeren erringen. — Da Gras Altheim und Prinz Kalrern jeden Augenblick die Einberufung zu ihrem neuen Regimente erwarteten, hatten die Offiziere iu einer im Weinhauje abgehalteuen Versammlung den Beschluß gefaßt, den scheidenden, allgemein beliebten Kameraden, noch heute Abend ein Abschiedsfest zu geben. Das aber bot in W. und in so kurzer Frist keine kleine Schwierigkeiten. Es gab hier keinen Raum, der groß genug und passend wäre, in ganz W. war kein Koch anfzutreiben, welcher fähig gewesen, ein, für eine solche Gelegenheit würdiges Mahl" zu bereiten, und die feinen Weine, in welchen bei solchen Anlässen die Toaste ausgebracht werden, hätten direkt aus Wien verschrieben werden müssen, und Koch und Weine konnten nicht rasch hergezaubert werben, was, wie Oberlieutenant Graf Dondcrn in der Hitze der Debatte bemerkte, „ein großes Elend und rein zum Tcufelholen feit" — Nach diesen Worten, welche wie der witzige und lustige Rittmeister der vierten Escadron, Graf Philipp Pachta behauptete, ^vollkommen geeignet waren, der geehrten anwesenden Versammlung die traurige Situation in ihrer vollen Fürchterlichkeit vor die Seele zu führen," war eine längere Pause totaler Rathlosigkcit eingetreten, bis sich der dreiundzwanzigjahrige Oberlieuteuant der zweiten Escadron Fürst Moritz, Josef von Lichtenstein zu einer „prächtigen Idee" zum Worte meldete und die mit allgemeinen Jubel acclamirte Proposition stellte, das Fest auf einem der W. naheliegenden Schlösser seines Vaters (welcher der größte Grundbesitzer in Mähren war) zu feiern. Tort wären, wie er, ohne Widerspruch zu erfahren, versicherte, große Räume genug, dort im Keller lägen die exquisitesten und ältesten Weine und die Beschließerin, die alte Gundcla, könne fast noch bester als der fürstliche Leibkoch in Wien kochen. Der Fesrgeber Rittmeister Prinz Lichtenstein erbat sich sofort Urlaub vom Regimentskounnandantcn, ui« unverzüglich nach Posewitz zu fahren, um dort die zn einem so glänzenden Bankette nothwendigen Vorkehrungen zu treffen. Die Andern sollten, wie Prinz Lichtenstein meinte, „zu Wagen, zu Pferd, zu Fuß, oder per Montgolficrs') hinkonunen. auf welche Weise sie kämen', wäre ihm tont egale, wenn sich nur alle lieben Freunde, zu denen er alle Waffengefährte» im Regimente zähle, eiiifäitben." Der Oberst ercheilte die Bewilligung zn dem Feste, aber er forderte, daß der Offizier du jour pünktlich zur Visitirrunde eintreffe, was Lieutenant Baron Horneck, den heute die Reihe traf, mit seinem Ehrenworte versprach. Samstag Abend gleich nach dem Maariwgebete hatte Reb Aron Brack Hawdolo-) verrichtet, Sara hatte sich zur Fahrt nach Neuhof bereit gemacht, und sie und Michael erwarteten die Ankunft des alten Nikolauer mit seinem Einspänner, allein statt dessen kam Frau Brigitte Nikolauer, um ihren Gatten, der, wie sie hoch und theuer schwur, sicher um 9 Uhr eintreffen werde, wegen seines unpünktlichen Erscheinens zu entschuldigen, und Gründe, die sie für diese Verspätung anführte, hätten auch vor der strengsten Kritik zu bestehen vermocht: Der reiche Prinz Lichtenstein gäbe heute Abend aus seinem zwei Stunden von W. gelegenen Schlöffe Posewitz dem Offizierskorps ein Fest und da viele der Herren Offiziere den Weg zu Wagen machen wollten, wären alle Fuhrwerke in der Stadt vergriffen worden. Ihr Mann müffe um 5 Uhr Abend den Lieutenant Baron Horneck, den leiblichen Sohn des gestrengen Hern: Bürgermeisters hlnausfahren. Frau Brigitte versichere mit den heiligsten Eiden, daß sich ihr Mann trotz des ihm von Lieutenant angebotenen höheren Anbotes nicht zu einem Wortbrnche hätte verleiten lassen, aber der „gnädige Herr Lieutenant" wäre, als ihr Mann ihm gesagt, daß er sich schon früher verpflichtet habe, zu dieser Zeit die Jungfer Sara Brack mit ihrem Verlobten nach Neuhof zu fahren, „fuchsteufelswild" und „sackgrob" geworden und hätte gewettert und geflucht, daß ihr schier Horen und Sehen vergangen und hatte die ihrem Gatten höchst bedenkenswerth erscheinende Erklärung abgegeben; daß wenn er sich 1) 3o wurden die erste Zerr dir 1783 erfundenen Luftballons nach dem Erfinder genannt. L) Eine Ienedikrion beim Scheiden des Sabbats über Lein, eine gestochrene L-achskerze und Gewürze.

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