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Der Israelit · 1886-10-06 · Heft 79-80 (6.10.1886) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 79-80 (6.10.1886)
Date
1886-10-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVu. Jahrgang. J\i ’J’O & SO, Ein KenLrat - Hrgan für das orfßobiu'e Iudenthum. Heransgcgcben von L-». Lehmann in Mainz. Mittwoch, den«. Oktober 5047 (1286). Die nächste Nummer (wiederum eine Doppelnummer) erscheint Dienstag den 12. Oktober. Leitender Artikel. Zum MrMmlngslage. Mainz, 3. Oktober. Andersgestaltet als die übrigen Festtage des Jahres ist das hohe Fest, welchem wir nunmehr entgegen gehen. Während es zur Feier der übrigen Feste gehört, daß wir sie anszcichnen durch Speise und Trank, legt der Bcrsöhnungsrag uns die Pflicht auf, uns dieser und noch anderer Genüsse ganz zn enthalten. Wir sollen an diesem Tage ein rein geistiges Leben führen und uns ganz ungestört dem Dienste unseres Gottes weihen. Es ist ein Fest der Entbehrungen und zugleich der höchsten geistigen Freude. Der Versöhmmgstag ist in dieser Beziehung ein Symbol des Lebens des israelitischen Volkes. Gott hat uns viele Entbehrungen auferlcgt, dafür aber zur höchsten geistigen und sittlichen Entwicklung berufen. Wenn wir die Geschichte Israels betrachten, von Anbeginn bis auf den heutigen Tag, so wird uns die merkwürdige Erscheinung nicht entgehen, daß unser Volk stets mit den ersten und bedeutendsten Enltnrvölkcrn in nähere Berührung gekommen ist. Im grauen Altcrrhume waren zwei Stationen die Hanptträger der höchsten damaligen (5imlnanoir. Aegypter und Phönizier, beide hochentwickelt, dabei die größten Gegensätze bildend. Das wunderbare Land am Nil war die Wiege unseres Volkes. Hier harre ein hochbegabter Menschcnstamm eine bedeutende Eivilisation erreicht. Nach den Aufzeichnungen der alten ägyptischen Priester zählte das Land unter den Pharaonen gegen sieben Millionen Einwohner, welche m mehr als 18,000 Städten und größeren Orten vcnheilr waren. Tie merkwürdige Eigenrhümlichkeit Aegyptens, das regelmäßige Steigen und Fallen des Nils, veranlaßte schon in der ältesten Zeit die Aegypter, durch künstliche Kanalbauten diesen Umstand für die Fruchtbarkeit des Landes ansznrnwcii. Im Frühjahre sängt das Wasser an zn steigen und erreicht Ende September seinen höchsten Stand. Tann werden die Dämme durchschnitten, um das Wasser auf die Fluren zn leiten. Das Land trocknet im Laufe des Oktober ab; es wird besäet und bedeckt sich bald überall mit grünen Saaten. Die Zeit des Wachsrhnms dauert bis Ende Februar. Mit Anfang März tritt die Ernte ein, und der Fluß nimmt immer mehr ab, bis er im Juni den neuen Kreislauf beginnt. — Unter den Künsten war es vorzüglich die Baukunst, welche die Aegypter früh zn einer jederzeit bewunderten Höhe mrsbildeten. Die Pyramiden von Memphis zeigen eine durch die neuen Untersuchungen immer deutlicher hervortretcnde, überaus hohe Meisterschaft in der Technik und die Lösung der verschiedenartigsten und schwierigsten Probleme im Einzelnen. In gleichem Verhältnisse entwickelte sich, die Skulptur zn großartigen und rcickicn Kompositionen von Landnnd Seeschlachten, Triumphen, Fcstzügen, Opsercernronien, auf den Tempelwänden und in den unterirdischen Hallen der thebaischen Königsgräber. Die Aegypter waren die ersten, welche die erhabene Kunst erfanden, dem gesprochenen Worte, dem sich verflüchtigenden Gedanken durch Schrmzcichen, Dauer zn verleihen. Ihnen verdankt die Welt die Wissenschaften der Astronomie und der Ehronologie. Der wolkenlose Himmel erleichterte die Beobachtung jeder Bewegung der Gestirne und das regelmäßige Eintreten der für das ganze ^Land so wichtigen Nllrchwelle, welches mit der Lommcrsonucnwende beginnt, gab ihnen den natürlichen Anfang eines

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