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Der Israelit · 1886-09-09 · Heft 72 (9.9.1886) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 72 (9.9.1886)
Date
1886-09-09
Page
– (sequence 17)
Language
German
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X! XXVII. Jahrgang. ZeitmrgSnachrichLe» und borrefpoirdcttzrtt. Deutschland. Vom Niederrhcirr. Ter erste Ncchenschaftsbericht des israelitischen Waisen Hans es zu Dinslaken am Nicdcrrhein ist soeben erschienen. Wie der Lorbericht erwähnt hat die Anstalt das erste Jahr ihres Bestehens glücklich .zurückgelegt. Es kostete große Opfer und viele Mühe bis die Anstalt eröffnet werden konnte, denn nicht, wie sonst das gewöhnlich der Fall, war hier ein großer Wohlthatcr da, der ein Grundkapital zu Verfügung stellte, sondern das Kapital mußte erst durch mühevolles Sammeln znsammengebracht werden und man kann hier sehen, was das Zusammenwirken vieler zu erreichen vermag. Eine Hauptstütze für die Anstalt waren die Edlen, welche durch eine einmalige Kapitalspende von 300 M., sich oder lieben Angehörigen eine Kadisch - Stiftung errichtet haben. Der Bericht wendet sich au Wohlthäter um Zuwendung solcher Stiftungen. Können diejenigen, denen Gott das Glück männliche Nachkommenschaft versagt, ein bestercs Kadisch sich nachsagen laffen, als das von den Lippen armer Wülseukinder gesprochen? Jeden Morgen und jeden Abend wird mit ps gebetet und das Kadisch sowohl während des Trauerjahres als auch an den Jahrzeitstageu gesagt. Aber auch diejenigen, denen derAllgüligc männliche Nachkommenschaft gewährt hat, wer sichert ihnen bei dem leider immer mehr überhandnehmenden Jndifferenrismus zu, daß das Jahrzelt immer in unserer bisherigen tradirten Weise begangen werden wird? Heute kann leider Niemand mehr selbst für sein eigenes Kind in Bezug auf Neligiöfität einstehen.— Im Laufe des Jahres find der Anstalt circa 30 Stiftungen zugcslopcn! Ter Easscnabschlnß weift 35,513 M. i» Einnahmen und Ausgabe ans. Aus dem Anstaltsgebäude lastet noch eine Hypothek von 9000 M. btrxr p^x x? Tie Verwaltung gibt sich der Hoffnung hin, daß auch für diese Anstalt noch ein Wohlthäter erstehen wird, der durch Stiftung eines größeren Kapitals unfern Waisen beistehenwird. - Ausgenommen wurden im Laufe des Jahres 13 Kinder, entlassen kein's. Leider mußten sehr viele Gesuche um Aufnahme wegen der Finanzlage abschläglich bcfchieden werden. Dankend sind die isr. Hoteliers zu erwähnen, von denen etwa 100 Almosenkasten in ihren Räumen ausgenommen Hanen und zwar in allen Gegenden Deutschland; es möge hiermlt die iMiifiiieifjmiifüt dcs Publikums besonders für festliche Gelegenheiten auf dieselbe gelenkt werden. Hoteliers, welche solche uafteil noch nicht besitzen, erhalten dieselben franko von der Waiscnhansverwaltnug zugesandt. Der Bericht schließt mit der Bitie, auch ferner dem Institute treu zur Seite zu stehen und so mit beizntragcn, daß dasselbe auch ferner auf der Basis unserer traditionellen Glaubens segensreich weircrwirke» kann rfro px. Posen, im August. (Verspätet.) Der Gedenktag des Todes des unvergeßlichen Sir Moses Montcsiore ist hier nicht unbeachtet vorübergegangen. Schon an dem diesem Tage vorhergehenden Sabbat, dem iLm nmymiljm der Herr Rabbiner Tr. Feilchenseld Veranlassung, ans diesen Tag hiuzuweisc», indem er an den icxs anknüpfte: xt>i dtidnd ab 'di D’:*r »bd dtisss x> 'di n'rby:. „So wie", führte der Redner aus, „die göttliche Vorsehung in jedem Zeitalter für Israel Männer erstehen ließ, die Scffcir Wohlfahrt zu fördern und es vor Widerwärtigkeiten zu schützen strebten, so habe sie auch in unserer Zeit ein halbes Jahrhundert hindurch Sir Moses Montcsiore erhalten, der überall, wo es galt, für Juden uud Zudenthnm zn wirken, mit dem Gewichte seiner Persönlichkeit und uni Aufwand von Geldmitteln und Zeit kräftig und meist erfolgreich anstrat. Es sei daher Pflicht Israels, das Andenken dieses großen Mannes stets in Ehren zu halten. An dem JahrMstage selbst wurde in der alten Detschnle die übliche Gedächtnißfeier abgehalten, die hoffentlich alljährlich, gleich der, für die Märtyrer aus hiesiger Gemeinde, stattsinden wird. Oesterr.-Ungar.Monarchie. Pesth. In der Vorhalle des hiesigen KunstpavillonS spielte sich am 31. August folgende Scene ab, von welcher das zahlreich versammelte Publikum tief ergriffen war. König Franz Joseph, welcher die Ausstellung besuchte, wollte dieselbe eben verlassen, als die beiden orthodoxen Rabbinen Simon Soscr aus Erlau und Salomo» Sofer ans Bercgsaß in der Nähe Sr. Majestät stehen blieben, die Hände erhoben und mit klangvoller Stimme den Segensspruch sagten miss j&r.» -pa (Gelobt sei Gott, der den Menschen von seiner Herrlichkeit gegeben). Der Kaiser verweilte vor den Rabbinen einige Momente, bis der Segensspruch zu Ende war, neigte leicht sein Haupt, sprach „Amen" und drückte den Herren seinen Dank aus. Die tiefgcrührre Menge brach in stürmische „Eljcnrufc" aus.

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