Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 62 (5.8.1886)
- Date
- 1886-08-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1070 Hm fl des Pompejus «ach Jerusalem, wollen wir in folgendem darstellcn, indem wir ausgehend von den damaligen Verhält,rissen des indischen Staates einerseits das Eingreifen des römischen Führers in dieselben, anderseits die Eindrücke, welche das Judenthum auf ihn machen muffte, schildern. Noch war kein halbes Jahrhundert verflossen, seitdem die Priesterhelden aus Modim die zehnfach überlegenen Syrerschaaren in denkwürdigen Kämpfen überwunden hatten, und schon standen die blnterkanften Nationalgüter, der von heidnischen Elementen gereinigte Väterglaube und die zu seiner Erhaltung uothwendige Freiheit abermals in Gefahr. Dicsnial kam der Angriff nicht aus Syrien oder einem andern Nachbarstaate. Die asiatischen Reiche waren in sich morsch uud größtentheilv schon den Römern unterworfen, und Rom selbst hatte nach dem Siege der Maccabäer die Juden als Freunde und Ll'mdeZgenossen anerkannt. Aber umso unheilvoller sollte eine innere Spaltung in die Geschicke des jüdischen Volkes eingreifcn. Lange schon war in den aristokratischen Kreisen, der jüdischen Gesellschaft das Streben nach größerer Annäherung an die Nachbarvölker zur Erlangung der asiatischen Hegemonie erwacht. Da sie sich in diesen diplomatischen Mauoven, durch die mosaischen Ehe- und Speisegesetze beengt sahen, wandten sic sich den Sadducäern zu, die ihnen darin weit freier,, Spielraum ließen. Sie gewannen eine mächtige Stütze an Jochanan Hyrcan L Dieser Fürst nämlich trat, weil er sich durch das Synhedrion in seiner Familicnehre verletzt glaubte, öffentlich der sadduccäischcn Sekte bei. Der größte Theil des Volkes hielts dagegen mit den Vertretern der unverfälschten Lehre, den Pe- Nlschim oder wie sie bei griechischen und römischen Zeitgenossen hießen, den Pharisäern. Jochanan selbst bereute auf dem Todtcnbette seine Verirrung und empfahl seiner Gattin Salane Alexandra, sich und ihre Kinder dem Schutze der Pharisäer zu vertrauen. In der That regierte sie 9 Jahre lang im engen Zlnschluß an die Schriftgelehrten mit Umsicht und Milde; allein ihre Herrschsucht verleitete sie dazu, ihren jünger» Sohn Aristobul, einen ehrgeizigen, energischen Jüngling von der Regierung fern zu halten, während sie dem altern gutniüthigen Hyrkan die Hohepriesterwürde übertrug. Dadurch schlich sich in das Herz des troe seiner Korpcrschonheit und geistigen Begabung zurückgcsctzren Prinzen ein tiefer Haß gegen seine Mutter ein, und frühe schon mag er sich die Rolle eines zweiten Absalon vorgezcichnet haben. Tie Sadducäer waren zunächst feine natürlichen Verbündeten. Er wußte die Soldatm für sich zu gewinnen und that überhaupt alles, was feinen höchsliegenden Pläne,, dienen konnte. AnS diesen Vorbereitungen heraus riß ihn die plötzliche Erkrankung seiner Mutter zu entschlossencm Handeln. Aristobul stand mit einem wohlgerüstcten Heere an der Grenze Syriens, wohin er zur Bekämpfung des Ptolemaeus Mcnaeus abgesandt war, alS man ihm von' der Krankheit der Salome berichtete. Sofort kehrte er um, begeisterte das anvertraute Heer für seine Pläne und eroberte, nachdem er sich einiger in sadducäischcn Händen befindlichen Festungen versichert hatte, in 15 Tagen 22 schwach oder gar nicht besetzte Kastelle. Viele Städte öffneten dem jungen Empörer ohne ernstlichen Widerstand die Thore. Inzwischen war die Königin gestorben. Aristobul konnte es sich nicht verhehlen, daß die Pharisäer große Anstrengungen machen würden, um den ihnen ergebenen Hyrkan auf den Thron zu setzen und beschloß durch rasches Zuvorkommen ihre Rüstungen abzuschneidcn. Nachdem er also sein Heer ans den kriegerischen Bergsiämmen des Libanon und den einstigen Söldlingen seines Vaters ergänzt hatte, eilte er gegen seinen Bruder und schlug ihn vor Jericho aufs Haupt. Durch diese Niederlage entmuthigt und vom größten Theil seiner Truppen in, Stiche gelassen, verzichtete Hyrkan ans die ihm gebührende Krone und zog sich, da ihm ein Hang zur Beschaulichkeit cigenthümlich war, ins Privatleben zurück. Dieser Friedeusvcrtrag wurde im Tempel zu Jerusalem selbst geschloffen und.un, die Aufrichtigkeit ihrer Gesinnungen dem Volke darzuthun, uniarmten sich die bisher feindlichen Brüder im Angesichte desselben. Aber nur kurze Zeit sollte der jüdischen Nation das Glück der wiedercrlangtcn Ruhe gegönnt sein. Antipater nämlich, ein listiger Jdumäer, der sich die Gunst des schwachen Hyrkan zu verschaffen gewußt hatte in der Hoffnung , durch die Thronbesteigung de,selben seine ehrgeizigen Wünsche befriedigen zu können, sah sich durch den erfolgten Friedcnsschluß in seinen Erwartungen getäuscht und bemühte sich dcßhalb beide Parteien möglichst bald wieder in Krieg mit einander zu verwickeln. Bei seinem großen Einflüsse auf Hyrkan war es ihm nicht schwer Mißtrauen gegen den Bruder in das Herz des leicht lenkbare» Mannes zu senken; mit boshafter Klugheit wußte er ihn unter dem Eindrücke einer steten Angst zu erhalten vor Nachstellungen, welche angeblich von Aristobul, in der That aber von dem schlauen Jdumäer selbst ausgingen. So vermochte er den schon von Statur Acngstlichen dazu, zu Arctas, König der Araber, zu fliehen, un, seinen Schutz gegen Aristobul nachzusuchen. Da dieser bei dem Unternehmen Borchcile für sich zu erreichen hoffte, zog