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Der Israelit · 1886-07-22 · Heft 58 (22.7.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 58 (22.7.1886)
Date
1886-07-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Bart, dann stülpte er dessen oberstes Ende empor und nahm es zwischen seine noch immer vollständige,» Zähne, endlich sprach er mit leicht verschleierter Stimme, in einem sanften, einschmcichelttden Tone, der gegen seine gewöhnliche entschiedene Weise \n spreche», sonderbar contastirte. „Moral weraboßai!') Ich habe nicht das Recht, Euch Jemanden als meinen Nachfolger anfzndrängcn; allein, da ich hierzn allseitig aufgefordcrt werde, und ich die Gemeinde, deren Vorsteher seil undenklichen Zeiten meiner Familie angehörten, liebe, halte ich eS für meine Pflicht, den Mann zu nennen, der mir für dieses Amt als der Geeigneteste erscheint. Ihr werdet wahrscheinlich überrascht sein. Ich werde keinen reichen, keinen alten, ich werde einen Mann nennen, an den Ihr vielleicht am allerwenigsten - gedacht haben werdet. Es wird mir gewiß mancher darob grollen, daß ich nicht ihn vorgeschlagen; aber," jetzt erhob sich Reb Joffes Singers Stimme zu ihrer vollen Kraft: „Ko Jiheje Elokim becsroßi-), es Leitet mich bei «reiner Wahl weder persönliche Zunoch Abneigung, viel weniger noch irgend ein Interesse, ich fasse nur towas haklalls) in'S Auge. Ich wähle und empfehle dringend zum Vorsteher — Reb Aron Brack!" Josef Singer war ein kluger' Man», er hatte richtig vorausgesehen, an den wenigbemittelten, bescheidenen, anspruchslosen Brack hatte Niemand gedacht und die allgeineine Ueberraschung gab sich in deutlichster Weise, durch das tiefe Schweigen, das Singers Worten folgte, kund — allein die Durchschnittsmenschen sind, ohne es zu wissen, noch weniger es zu wollen, dem Einfluge der Geistcskrästigeren unterworfen; und plötzlich verdeutlichte sich das Bild des vortrefflichen Menschen, Aron Brack, das Allen unerfaßt, vorgeschwebt zu voller, schöner Klarheit. „Auch ich gebe Neb Aron Brack meine Stimme," sprach Reb Zodok, „und.wir werden die Sache kurz abmachen .... Reb Aron seid mochel1 * * 4), gebt auf eine kleine Weile in die Schul5) hinüber." Brack erhob sich, er wollte Einsprache dagegen erheben, daß man ihn wähle; aber der bescheidene Mann glaubte, daß nur seine Anwesenheit es verhindere, daß man offen gegen Singer's Vorschlag spreche, es erschien ihm voreilig und selbst überhebend, gegen eine Ehre zu protestiren, die ihm vielleicht nicht zngedacht wurde und er entfernte sich schweigend. 1) Meine Lehrer und Weisen! — eine damals übliche Ansprache. < . 2) So wahr mir Gott helfe. 3) Das allgemeine Loh!. 4) Derreihr. 2) Synagoge. „Nun braucht sich Niklnand eine»» Zwang auf* .»»legen," sprach Singer, „NM Aron Brack ist nicht anwesend, wer ihn »licht zum Vorsteher haben will, spreche sich deutlich ans, nenne jenen, de»» erwählt!" Auch diese,» Worten folgte eine tiefe Stille, Niemand ergriff das Wort. Singer lvartete etwa zivei, drei Minuten, dann frng er: „Es ist also nicht ei» Einziger gegen Uw?" und als auch auf diese Frage keine Antwort erfolgte. sprach er zu seinem Sohne, der gleichfalls am Tische saß: „Reb Jekußiel, sei so gilt und rufe Reb Aron Lrack herein," und als dieser wicder in die Gemeindcstnbe trat, »vinkte ihn Reb Jossef Singer zu sich, reichte ihm die Hand und sprach: „Masel tow!") Ihr seid Kuloin peh echod^) zum Roschhakohol getvählt »vorden, es soll Euch und der Kehilla zu Masel, ubroche *) gereichen!" Und Alle riefen stürmisch durcheinander „Masel tow" und die ihnl Nachstehenden drückten kräftig seine Hände. Einen Augenblick stand Brack unschlüssig da, endlich ergriff er belvegt das Wort. „Morai veraboßai! Ich danke Euch viel tausendmal für die Kowed^), den Ihr mir durch Eure Wahl erwiesen, für das Vertrauen, das Ihr in mich setzt; aber ich glaube nicht, daß ich Eure WahU annehme» darf, ich glaube nicht, daß Ihr den rechten Mann gewählt. Ich stelle mir als Noschhakohol einen ganz andern Mann vor, als ich es bin." „Wie stellt Ihr Euch den Mann vor?" frug Neb Zodok lächelnd, und der alte Mann, der schon bei Bracks Geburt ergraut gewesen, und alle jüngeren Leute in der Gemeinde dutzte, sprach ihn heute: das Ersteninal „Ihr" an. „Das will ich Euch offen, hier vor allen Balebattim sagen," erwiderte Brack ruhig. „Ein Roschhakohol soll ein reicher Mann sei», das verleiht ihm in der Geineinde, in der ganzen Stadt, sogar bei den Behörden Ansehen, ein Roschhakohol soll aber auch deshalb reich sein, damit er, wenn die Zdoko 'O) erschöpft ist, er die Armen aus seinen Mitteln unterstützen kann, ein Roschhakohol sott ein reicher Mann sein, damit er in harten Zeiten, den Mittelleuten mit dem Kehilla-Maß") nachwarten kann, und die Gemeindebcdürfnisse, die Gehalte für den Row, Dajon, Schachet, Kore"), Schammes und so fort, aus seinen eigenen Mitteln vorstrecken und mit der Rückzahlung an ihn warten 6) Gür Glück. 7) Einstimmig. 8) Glück und Segen. 9) Die Ehre. 10) Armenkasse. 1!) Gemeinde-Steuer. 12) Rabbiner, Rabbinatsassessor, Schächter, Bibelvorleser.

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