Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-08-19 · Heft 66 (19.8.1886) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 66 (19.8.1886)
Date
1886-08-19
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449663--24865-2514271
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I XXVII. Jahrgang. Iweitr i’i'ilagi' ju Jlr. Oß dks Israelit. <V r unfrei d). Zeitttttgsuachrichte» und D e u t s ch L a n d. Berlin, 11. August. Zu Nutz und frommen Mer, die noch nicht Har barüDer sind, wie die konr scrvaüve Partei zur Antisemilenbewegnng steht, thcilen wir au« einem Artikel der „itreuzzeltung", der sich liebevoll mit dem aulisemilischeu Pamphlet res Franzosen Drummond beschäftigt, folgen- : den Satz mit: „Was bei uns in Deutschland gegeil die Jndenwirchschaft rcaairt. ist (von einigen - . Ausnahmen abgesehen) doch "vor allen! noÄ die ' Aristokratie. In die erste Gesellschaft dringt kein -- Jude ein, wenigstens nicht ungcdcmüthigt: und wenn die konservativen allein das Heft irr Händen 1 hätten, so wurde auch in Sachen der politischen; GmancipaLion die Gesetzgebung längst eingeschrittcn; sein." Das ist doch einmal ehrlich. Was das „Eindringen in die erste Gesellschaft" betrifft, so haben wir nicht gehört, das; sich Herr Stronßberg - seiner Zeit, als lfm die pommerscheu und preußische!! Granden als Äitgrüudcr, die Konservativen des Reichstags als Fraktionsgenonen aumahmen, irgendwie gedcmmhigr habe, im Gegentheil haben Interne des Palais Stronßberg versichert, die Temnthignng fei auf einer anderen Seite gewesen. Minden. Tie „Mind. Ztg." schreibt unterm 5. August: „Ter Stöcker-Prozeß der Mkndener Zeiwng kommt wieder an die Oberfläche! Mehrere Wochen vor Beilegung dieses Prozesses verlangte der Vertreter des geistlichen Klägers von dem verantwortlichen Redakteur dieses Blattes die Aufnahme einer Berichtigung über Behauptungeu seitens der Redaktion, die rhatsächlich weil über den : Rahmen des vom Preßgesetz zngestandenen Bcrichrignugsrechres hiuausging. Die Radakrion verwei- - gwe die Aufnahme dieser Berichtigung, längere - Zeit nach Beilegung des Prozesses empfingen wir eine Auttordcrnng der Amrsanwalifchaft, die por-r tesrum Berichtigung zu veröffentlichen und 15» Mk. Geldstrafe zu zahlen, gegen welches Ansinnen rvir richterlichen Entscheid provozirren. — Bei der heute stangehabten Verhandlung vor dem Schöffengerichte wurde der Inhalt der anlignirien Berichtigung in keiner Weise dahin geprüft, ob er den Anwrdernn- - gen des Hreßgeseses entspreche, sondern die gegen uns ' verhängte Geldstrafe wurde einfach bestätigt. — Gegen das Unheil ist die Berufung angemeldet." Paris, io. August. Vor bei! Geschworenen des Seiue-Departemcuts stand gestern ein russischer Jude, Namens Felnstein, Schuh-Macher und Schwindler dazu, unter der Anklage der Bigamie. Gr hatte sich im Jahre 1870 in Rußland verheirachet und war 1882 nach Paris gekommen, ohne sich weiter um seine Frau und vier Kinder zu kümmern. Zuerst ließ er sich als Taschendieb ertappen und wurde dafür zu dreizehn Monaten Gefängnis; vernrtheilt. Als er sich wieder ans freien! Fas; sah, zog er es, statt dem Ausweisungserlaß Folge, zu leisten, vor, den Namen zu wechseln, und als Herr Herzfcld eine neue Lebensgefährtin zu suchen. Gr gab sich für einen Junggesellen aus und warf zuerst seine Schlingen nach einer Wittwe, deren Manu neben ihm im Gefängnis; gestorben war. Frau Meyer, die einiges Vermögen besaß, schöpfte aber im letzten Augenblick Verdacht und schickte den- Freier spazieren. Glücklicher war er mit einer Landsmännin, Rachel Galinsky, die 400 Franken Ersparnisse aufzuweisen hatte, welche wenige Tage stach der. Hochzeit mit dem Ehemann verschwanden. Ta er die nöthigeu Ausweis-Papiere nicht hatte beibringen können, war er gezwungen gewesen, sieben Zeugen anfznrreiben, welche vor dein Friedensrichter beihcncrrcn, Hcrzfcld sei ihr langjähriger Freund und ledig. In Nancy machte er dann die Bekanntschaft einer Anna Jarewsky, welche sich bereit erklärte, Madame Hcrzfcld zu werden und ihm ihre zweiodcr dreitausend Franken auzuverrrauen. Hier war es schwer, die sieben unerläßlichen Zeugen zu finden, und so erlitt die Trauung einen Verzug. Schließlich waren aber die Sieben beisammen und wieder erklärten sic vor dem-Friedensrichter, der Bräutigam wäre ihr langjähriger Bekannter. Jetzt ging man auf die Mairie: aber, o weh, hier war von Paris ans eine Klage gegen H-'rzselo eingelanfen und er wurde statt nach dem Tempel nach'dem Gcfänguiß abgcsührr. Gestern war er höchlich entrüstet, der Bigamiebezichtigt zu werden. Gr halte, sagte er, seiner russischen Frau einen richtigen Scheidebrief geschrieben und war ihr nichts mehr schuldig.- Rachel Galinsky haue ihn hintcrgangen, indem ne ihm nur 400 statt 1000 Frcs. in die Ehe brachte. Die Scheidung schien ihm also auch hier selbstverständlich. Tie Geschworenen waren aber anderer Meinung und vernnheilrcn ihn zu sechsjähriger Zwangsarbeit.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.