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Der Israelit · 1886-03-22 · Heft 23 (22.3.1886) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 23 (22.3.1886)
Date
1886-03-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVUL Jahrgang. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. nm: nrDD ,pp n:rc. Die dcscriptive und . topographische Anatourie des Menschen, von Dr. Benjamin Schcrschewski; sprachlich durchgeschen von Michael Pinnes. Jerusalem, 5640. Wer die hebräische Sprache für eine tobte Sprache halt, wie etwa das Griechische oder Lateinische, der ist in einem großen Jrrthume befangen. Die heilige Sprache ist heute lebendig wie ehedem; sie dient Hnnderttanscnden, ja vielleicht Millionen als Verkehrssprache, als Geschäfts- und Handclsvermittelimg. Zahlreiche Zeitungen und Jahrbücher erscheinen in ihr und besprechen die Politik, sowie alle Erscheinungen des öffentlichen Lebens, und die hebräische Literatur ist gerade jetzt eine so lebendige, eine so lebhafte, wie sie vielleicht noch niemals gewesen. Täglich erscheinen Werke der mannigfachsten Art: theologische, philosophische, naturwissenschaftliche, mathematische, medicinischc, juridische, Romane, Novellen, Dramen, lyrische, epische und didactffche Gedichte, Biographien rc., re. Alte, vergilbte Manuscripte, die viele Jahrhunderte in den Bibliotheken geruht haben, werden hervorgcsncht und durch den Truck veröffentlicht; kurz, cs herrscht auf dein Gebiete der hebräischen Literatur ein so reges Leben wie vielleicht nie zuvor. Es ist das eilte Mal, daß in der heiligen Sprache cm ausführliches Handbuch der Anatomie veröffentlicht wird, und wir begrüßen das Werkchen mit um so größerer Freude, da dasselbe als. ein für das Talmudstudium ' außerordentlich nützliches Hilssbuch betrachtet werden kann, namentlich in Bezug ans die Tractate Ehulin und Nidah. Hciu? Pinues hebt in der Vorrede hervor, w.elch helles Licht diese beschreibende Anatomie ans die bekanntlich so schwierige Abhandlung über die rvmo (Ehnlin 4s) wirst, ebenso in Bezug ans die Mischna in Nidah 'in nrt*:: rrccn ’Oi'ü Wohl scheinen manchmal die Ergebnisse der heurigen Anatomie den Angaben des Talmuds zu widersprechen; allein dieser Widerspruch ist stets nur ein scheinbarer. Im Talmud ivird bekanntlich die Zahl der menschlichen Glieder ans 248 angegeben, während die heutige Wissenschaft deren nur 2t 1 zählt. Die DiiZerenz hängt jedoch lediglich voll den verschiedenen Priucipreu der Zahlung ab, indem die heutige Anatomie mehrere Glieder als zusammengehörig betrachtet,^ welche die Talmudisten auseinandergehalten wineu wollten, und umgekehrt. Ein besonderer Vorzug des Werkchens ist, daß unter dem Texte stets die in der Wissenschaft gebräuchlichen Namen für die oben gewählten hebräischen Ausdrücke angegeben sind, wodurch man sich leicht orieutircn kann; so: mnan anatomia, "17*^ Skelet, p7j?n “iiy epidermis, Ttim musculus etc. Wir empfehlen das Büchlein allen Freunden der hcbr. Sprache und der anatomischen Wissenschaft. Dasselbe ist um den Preis von eurem Rubel (2 M.) vom Verfasser zu beziehen. Es wäre zu wünschen, wenn derselbe einige europäische Buchhandlungen mit dein Vertriebe des Werkchens beauftragen würde. ~ Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. 7 De u t sch lau d. . Berlin, 18. März. Leopold Zunz ist n i ch t m e h r! „Der 82jährige Mann ist Sonnabend Mittag in seinem -Zimmer ausgcglitten und hingeftürzt; ob dieser Sturz die Todesursache ist, weiß, man noch nicht; Montag zwang ihn eine außergewöhnliche Schwäche, das Bett zu hüten, das Allgemeinbefinden nahm täglich einen ernsteren Charakter all, und gestern Mittag schlief er ein, üm nicht wieder zu erwachen! Am 10. August 1794 (15. Aw 5554) in Detmold geboren, war er zu 26 Jahren Prediger m Berlin (1.$20—22), vier Jahre hindurch (1825—1829) Director der jüdischenGemeindeschule in Berlin; 1835—36 Prediger in Prag, von 1840 an Leiter des hiesigen Lehrerseminars. Von seinen zahllosen Werken, die einen sicheren kritischen Btick, wie eine geistvolle Auffassung der Geschichte bekunden, mögen hier'Erwähnung sinden: „Die gotlesdicnstlichcn Vorträge der Juden" (1832), „die Namen der Juden" (1837). „Zur Geschichte und Literatur" st.845), „Dre Synagogale Poesie des Mittelalters", (l.855), „Die Ritus des synagogalcn Gottesdienstes" (1859), „Literaturgeschichte der sw nagognteil Poesie" (1.865). Außerdem redigirte er die'bekannte in (ttrmrbifdjnfl mit Arnheim, Fürst y ineatw»’—1Mg*1!99SP*

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