Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1886)
- Date
- 1886-03-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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LLVÜ. Jahrgang. Iweitr Brilsge )A Ar. 22 des Israelit: ZeitmrgSuachrichte« arrd Correfporrderrzeu. Deutschland. Fürth, 11. März. Den hiesigen ctcj von rarar px war es möglich, bereits heute 500 M. an das Eentral-Comitö in Amsterdam zu avisiren als Erfolg einer Eollecte, welche dieselben veranlaßt durch Ihren Aufruf in Nr. 18 veranstalt haben. — Es ist dies ein erneuter Beweis für die große Lpferwilligkeit der hiesigen Zionsfrennde, nachdem die Gemeinde in jüngster Zeit ohnehin in ungewöhnlich siarter Wch'e für mildthätige Zwecke in Anspruch genommen wurde und hofft man, da die Sammlung noch nicht abgeschloffen ist, daß dieselbe noch ein günstigeres Endresultat ergeben wird. Leipzig. Die Vorlesung eines 'Abschnittes der „Thora" (des Pentateuchs) vor versammelter jüdischer Gemeinde, im Anschluß an vorausgehendes und nachfolgendes Gebet, ist, wenn die betr. Gemeinde thatsächlich die Thoravorlesung als einen Beftandtheil ihres Gottesdienstes auffaßt, nach einem Unheil des Reichsgerichts, 3. Straff., vom 7. Januar 1886, auch rechtlich als ein Theil des jüdischen Gottesdienstes zu erachten und eine Störung dieser Thoravorlcsung als Störung des Gottesdienstes uns tz. 167 des Str.-G.-B. Zu bestrafen. Oefterr.-Ungar.Monarchie. Wien. Der gestrige „Polizei-Anzeiger" meldet: „Zerboni Karl, v. gewesener Redacteur des „G'radaus", zu Verona gebürtig, 43 Jahre alt, verheirathet, zuletzt Wieden, .Klagbaumgasse Nr. 12 wohnhaft gewesen, ist wegen Veruntreuung von 100 Gulden znm Nachtheile des bei ihm als Expeditor beschäftigt gewesenen Schuhmach'ergehilfen I o s e f Aatanschek, Ottakring, Abel gaffe Nr. 3* wohnhaft, auszusorschen." Karl v. Zerboni di Spose^tti, nach dessen Ausforschung der gestrige „Polizei-Anzeiger" verlangen tragt, ist ein bekannter antisemitischer Agitator, der schon vielfach nktt dem Strafgesetze m Konflikt geratben ist/ Bor ciirtflcii Jahren gründete Zerboni in Wien den „Bolksfrcnnd", ein antiscMtffche.s Wochenblatt, und gerirtc sich eine zcitlang als der berufenste Vertreter anirsemitifchcr Tendenz. > Aach einiger Zeit schied er ans der Nedaetion des genannten Blattes nnd gründete rin neues antise- | mitisches Wochenblatt, dm „G'radaus", dm er das „Organ der antisemitischen Partei in Oesterreich" nannte. Es gelang ihm nicht, das Blatt zu irgend welcher Prosperität zu bringen und in der letztm Zeit wuchsen ihm die SchuÜen dermaßen über dm Kopf, daß er es vorzog, eine „Luftveränderung" vorznnehmm und der Stadt Wien den Rücken zu kehren. Zerboni hatte seit einem Vierteljahre im vierten Bezirk eine Parterre-Wohnung inne und dort befand sich auch die Redaction und Administration des „G'radaus". Als seine Gläubiger Anfangs vorigen Monats immer drängender wurden und ungestüm auf Zahlung bestanden, bestellte er sämmtliche Leute, denen er größere oder kleinere Beträge schuldete, auf dm 12. Feber in seine Wohnung, an welchem Tage, wie er sagte, die Begleichung aller Forderungen erfolgen werde. Diese Prolongation war jedoch nur eine Finte, um Zeit zn gewinnen, denn als die Gläubiger am 12. Feber in der Wohnung Zerboni's erschienen, würde ihnen die Auskunft zu Theil, daß derselbe bereits zwei Tage früher ausgezogen sei; Zerboni hatte in aller Eile, den größten Theil seiner Wohnungseinrichtimg verkauft. und den Rest mit einem Handwägelchen nach ' einem Hause in der Zentagasse transportirm lassen, wo seine Frau sich einlogirte, während Zerboni selbst sich aus dem Staube machte und nach Ungam flüchtete. Zur Flucht hatte Zerboni vollste Veranlassung, da ihm seitens des obcrwähnten Matauschek Kantionsschwindelei zur Last gelegt wird. Matauschek mußte uämlich, als er bei Zerboni als Zeitungs- (^peditor eintrat, eine Kaution von 100 fl. erlegen. Da Zerboni dem Matauschek das Gehalt schuldig blieb, so forderte dieser seine Entlassung und verlangte gleichzeitig auch die Rückgabe der Kaution, welchem Begehr Zerboni jedoch nicht entsprechen konnte, da er die Kaution mittlerweile zu Privatzwecken verwendet hatte. Als Zerboni am 10. Feber die Wohnung in der Klagbaumgasse räumte, ließ er in derselben zwei alte Küchenkastcn zurück mit dem Bedeuten, Matauschek möge dieselben als „Deckung" für die Kaution von nur fl. behalten. Der ZeitnngS- Erpeditor erstattete beim Kommissariate Wieden gegen Zerboni die Anzeige; dieser war jedoch aus StUrn flüchtig geworden und hat sich, wie schon er. wähnt, nach Ungarn geflüchtet, von wo er anck, In den letzten Tagen Briese nach Wien gesendet bat, darunter einen an die Pvstdireetlon mit der Bitte,