Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 18 (4.3.1886)
- Date
- 1886-03-04
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449619--23883-2513570- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3t- XX VlL Jahrgang. % i •1 I $ - JL' -Sb' ZeitsLgSrrachrLchte« tasb Correfposverrzes. De stsch l a « Würzburg. Das „Fränkische' VolksblaLL" schreibt vom 16. b. M.: „(Jüdischer Fanatismus,) Fanatismus uou plus vltiL ist, daß nämlich in der Israel. - Volksschule in Neutra Zufolge eines Beschlusses der jüdischen Cultusgemeinde das -s--Zeichen beim Äddiren und das X - Zeichen beim AKrltipli- Ziren nicht gebraucht werden dürfe, denn das erste ist ein stehendes und das letztere ein liegendes Kreuz!" — Daß das Ganze eine böswillige Erfindung ist, lag auf flacher Hand: um jedoch sicher zu gehen, wandten wir uns sofort an die Borstandschaft der Kultusgenieinde zu Neutra (Ungarn) betreffs dieser verleumderischen Behauptung. Wir erhielten heute Antwort, aus der wir folgenden Passus entnehmen : „Selbstverständlich ist von der ganzen lächerlichen Anschuldigung kein Wort wahr." Außerdem wurde im „Neuen Pcfthcr Journal", das uns vorliegt, im Namen des Kultus- und Schulvorstandes eine Erklärung abgegeben dahin gehend, „daß diese erwähnte aus der Luft gegriffene Behauptung als böswillige Erfindung hiemit zurückzuweisen fei, weil es ganz einfach nicht wahr.ist, Haß. in -unserer Gemeinde ein derartiger Beschluß je gefaßt wurde." Dies zur Steuer der Wahrheit. Oesterr.-Ungar.Monarchie. Budapest. Auf Anfrage des Ministers wurde demselben das nachstehende Gutachten gegen die projectirte. Pesther Israel. Rcformgemeinde überreicht: „Die Satzungen und Principien des von Seiner Exceüenz, dem königlich ungarischen Cultusminister, dem Profefforenkörper der kön.- ung. Landesrabbinerschulc behufs Begutachtung vorgclegten Programmes der in Bildung begriffenen Budapester israelitischen Reformgemeinde sind mit den Satzungen und Principien der jüdischen Religion so wenig vereinbar, daß die auf solcher Grundlage entstehende Gemeinde keinen Anspruch darauf hat „israelitisch" genannt zu werden, nach allem was man in der Wissenschaft und Tradition unter dem Begriff „israelitisch" zu verstehen pflegt. „Es ist nicht richtig — was der erste Paragraph des uns vorgelegten Programmcs behauptet, — daß die Grundlage dieser neuen Religion auf der Lehre Moses beruht, denn sie setzt wichtige Grundlehren der Bücher Moses außer K ra ft, Grundlehren, die das Judenthum überall und zu allen Zeiten als unveränderlich betrachtet hat. - Ja, mit der in dem vielen Paragraphen des Programmcs enthaltenen Abschaffung des Sabbats vergeht sich die neue Religion gegen das erste und wichtigste Glaubensprinzip des Judenthums: Gegen die zehn Gebote. „Die in den fünf Büchern Mosesurthaltenen... Bestimmungen bezüglich des Sabbats und der Feiertage, ebenso wie Speise- und Ehegesetze, die aber der vierte Paragraph der neuen. Religion ebenfalls außer Kraft setzt, hat laut der seit dem Bestände des Judenthums überall und ungethellt herrschenden Auffassung Niemand , das Recht außer Kraft zu setzen . oder abzuändern. „Es ist eine durchaus neue Lehre, die uns hier vorlicgt. Es ist also gerade das Gegentheil wahr von dem, was im siebenten Punkte des ersten Pa- . ragraphen behauptet wird; denn die aus den Büchern Moses willkürlich und ohne leitendes Princip zusammengcstelltcn Lehren verleugnen den dogmatischen Grundstein des Judenthums, können also, indem sie jeder historischen Grundlage entbehren, nicht einmal-darauf Anspruch erheben, den Charakter einer positiven" Religion Zu besitzen. - V . „Ferner ist. es nicht wahr, was — der siebente Punkt des ersten Paragraphen behauptet, daß die neue Religion an das Princip der historischen Entwickelung anknüpst. Im Gcgentheile. Schon durch die . eine Thatsache, daß der dritte Punkt des vierten Paragraphen den Talmud und die ganze spätere rabbinische Literatur bei Seite schiebt, schon durch diese Thatsache allein reißt sich die neue Religion von jedem Zusanminehange mit dem historischen Jndenthume los. Die in den Büchern Moses medcrgelegten geschriebenen Lehren stehen im Schoße des Judenthums in engster und unzertrennbarer Verbindung mit der mündlichen Lehre: mit der lebenden und den Buchstaben der heiligen Schrift - einzig und allein Leben verleihenden Tradition, bic- , für uns in jenen Büchern (Talmud und rabbinische' Lilcratnr) nicdcrgclegt ist. Das Jndenthnm ist bezüglich der yciligcn Schrift einzig und allein auf die Tradition angewiesen. Jndetz nun die neue