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Der Israelit · 1886-02-11 · Heft 12 (11.2.1886) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 12 (11.2.1886)
Date
1886-02-11
Page
– (sequence 17)
Language
German
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ZcrtsrrgssLchrrchtes «sd Sorrespovdenzea. D euLfchla a b. Pose», im Februar. Nachdem jetzt veröffentlichten Ergednjß der jüngsten Volkszählung beträgt die Zahl der jüdischen Bevölkerung in unserer Stadt 6677 unter 68318 Einwohner. Im Jahre 1846 betrug die jüdische Bevölkerung rund 12060 unter 45,060 Einwohnern. Diese Verminderung ist lediglich dem Umstande znzuschreiben, daß. seit jener Zeit den Juden der Provinz Posen die Uebersiedelung in andere Provinzen gestattet ist, während bis zum Jahre 1848 dieselben an die Scholle gebunden waren. Auch hat seitdem die Auswanderung nach Amerika bedeutend zugenommen. Seit, mehreren Jahren, ist dahier die Bevölkerungszahl der Juden in unserer Provinz in stetigem Rückgänge begriffen. - Es darf mit Befriedigung constarirt werden, daß nun schon seit zwei Jahren vor dem Schwurgerichte des hiesigen Bezirks kein Jude als Angeklagter erscheint und so viel bekannt geworden, auch in.der Provinz nur sporadisch Vorkommen. Hiermit wird freilich den antisemitischen Statistikern einigermaßen das Material geschmälert. Bei den vor Kurzem in der Auswcisnngsangclegenheit stattgesundenen. Rcichstagsverhandlungen hat ein Redner geäußert, „daß jüdische Gemeinden, die Tausende und aber Tausende für die Ausgewicsenen aufgebracht, sich dennoch in der Angelegenheit zustimmcnd ausgesprochen hätten^" Da dies sich nm auf größere Gemeinden beziehen kann, so ist cs^ wohl nicht überflüssig zu bemerken, daß der betreffende Redner die hiesige Gemeinde keineswegs im Sinne gehabt haben kann; diese hat zwar allerdings mehrere Tausende aufgebracht, aber von einer die Ausweisung bllligenden Aeußerung ist absolut nichts bekannt. Vor einigen Tagen traf hier eine aus Breslau ausgewiesene, nach der Angabe ihres Begleiters l 06jährige Frau, Namens Sara Mcndlowitsch ein, die auf der Reise in ihre polnische Heimath, wahrscheinlich in Folge der Reisestrapazen, hier erkrankte. Ein Arzt, Herr Dr. Friedländer erbat nun mittelst Zeitungsannonce milde Beiträge für die bedaueruswerthe hilf- und mittellose Greisin, und -obwohl Dr. Fr. größere Beträge zurückwics, so erreichten die eingelaufenen Spenden die Höhe von 260 Mark. Hierauf suchten ewige Zeitungen, uämlich die „Post", „Schlesische Zeitung" den Eindruck dieses Falles dadurch" äbzuschwächen, daß sie die Mitthellung I brachten, die betreffende Sara Mcndlowitsch sei wahrscmliÄ identisch mit der aus Breslau ausgervicsencn 63;Lhrigcn Wittwe eines Drchorgelspielers und prosessionirten Bettlerin Mcndlowitsch (Mendelsohn). Dem entgegen erklärte Dr. Fr. in der Posener Zeitung, daß ihm zwar die Details der Vergangenheit der S. M. nicht bekannt seien, er könne aber als Arzt confiatiren, daß isie an Körper und Geist alle Anzeichen der höchsten Greisenhaftigkeit und Hilflosigkeit aufweise und es unmöglich scheine, daß sie in der letzten Zeit „profcssionirte Bettlerin" gewesen sei. Er halte sich auch vollkommen berechtigt, das Alter der Frau auf mindestens 100 Jahre anzunehmen, wie es auch ihr Begleiter ihm rnirgcthcilt habe. Ucbrigens stelle er es seinen ärztlichen Kollegen anheim, das einer Mumie gleichende, gänzlich hilflose und schwachsinnige Geschöpf in Augenschein zu nehmen. Inzwischen hat diese Angelegenheit einen unerwarteten Abschluß dadurch genommen, daß höheren Otts die Weisung .hier, eintraf, ijic M. aus Staatskosten zu verpflegen und sobald sie ttanspottabel sei, ihr anheimzustellen, nach Breslau, ihrem bisherigen Aufenthaltsorte zurückzukehren. Dieser Umstand wird jedoch wohl schwerlich emtreten, da die Greisin so hinfällig ist, daß ihre Auflösung in kurzer Zeit bevorfteht. Immerhin ist die Hu- . manität der Behörde 'anzuerkennen. - '* Eng l a n d. London. Gegen die beabsichtigte Demolirung der alt-ehrwürdigen portugiesischen Synagoge hat sich eine allgemeine Agitation erhoben. Eine vorige Woche stattgehabte Versammlung von Mitgliedern dieses Gotteshauses hat ein Eomite ernannt, welches geeignete Schritte unternehmen soll, um dieses Gebäude, welches ein Stück Geschichte der englischen Juden repräsentitt, vor dem Untergänge zu retten. Türkei. Konftantinopel. Die schottische Missionsgesellschaft unterhält dahier ein Missionshaus, in welchem sie Kranke unentgeltlich verpflegt. Auch viele jüdische Armen strömen dahin, obgleich sie daselbst große Seclenpein zu erdulden haben, indem sie die Missionspredigtcn des Missionärs (eines getauf-

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