Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1886)
- Date
- 1886-01-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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47 Juden ihre Verehrung für den neuen Papst aus. und die jüdische Gemeinde Roms widmete ihm ein werthvolles Album. Allmählich erleichterte Pius IX. das Loos der Juden, fühlte bei einer großen Ueberschwemmung, wo das Wasser im Ghetto bis zum ersten Stock drang, Rührung und erlaubte ihnen, bis das Wasser sich verlaufen haben würde, außerhalb des Ghetto zu wohnen. Er schaffte den unwürdigen Gebrauch ab, daß am Earneval die Vorsteher der jüdischen Gemeinde auf dem Capitol gleichzeitig mit der Ucberreichung von 800 Scudi dcmüchig um die Gnade bitten müßten, weiter in Rom wohnen zu dürfen, die ihnen dann, nachdem der oberste Senator ihnen den üblichen Fußtritt versetzt hatte, immer wieder auf's Neue gewährt wurde. Endlich an jenem denkwürdigen 17. April 1848, am Peßachabend um 10 Uhr „einem Peßachabend, wie es seit dem Auszug aus Mizraim keinen mehr gegeben hatte," erfolgten die ersten Hammerschläge gegen die Mauern des Ghetto. Als mit dem Rückkehr des Papstes aus Gaäta, wohin er wegen der Revolution geflohen war, die Reaktion begann, trat auch für die Juden ein unheilvoller Rückschlag ein, und das Ghetto wurde wieder ihr ausschließlicher Wohnsitz für die nächsten 22 Jahre. Die Qualen der Juden waren in dieser Zeit auf's Höchste gestiegen. Auf den engen Raum znsammengedrängt, mußte die dichte Bevölkerung sich 'in der schrecklichsten Weise behelfen. Zwei Zimmer bildeten in der Regel die ganze Wohnung einer oft zahlreichen Familie, woraus die verderblichsten Folgen in gesundheitlicher, in socialer, selbst in moralischer Beziehung entsprangen. Die meisten Bewohner des Ghetto waren Trödler, Packträger, handelten mit Lumpen, alten Sohlen u. dergl. da ihnen jeder andere Erwerbszwcig verboten war. Die Vertreter der jüdischen Gemeinde rafften sich endlich zu einer Denkschrift an den Pavst ans. In derselben schilderten sie ihm die Leiden ihrer Brüder, der 4800 jüdischen llntcrthanen des Pappes, erinnerten ihn durch eine historische Darstellung der vorausgegangenen Jahrhunderte an die milde Behandlung der Juden durch frühere Päpste, an die Zeit, von der ein Benjamin Tudela erzählen konnte, daß er eine Elite von Juden in Rom angetroffen, wo Päpste jüdische Beamte angestellt hatten , wo Aerzte ihr Wissen in den Dienst von Päpsten stellten, an die Zeiten, wo große jüdische Gelehrte, wie ein Kaloninios, ein Nathan den Jechiel, der Dersasser des Aruch, rin Dichter Emannel, Freund des Dichters Dante. Alleghieri, Zarfais, Arzt bei Julius III., gleichzeitig berühmter Philosoph und mit einer seltenen Beredsamkeit begabt, ein Siporno ii. A. in Rom geachtet und geehrt wurden, und sichten endlich den Papst an, den römischen Juden größere Freiheiten zu gewähren. Dieses denkwürdige Schriftstück wurde im Archiv der jüdischen Gemeinde Rouis aufbewahrt Und ist jetzt in den Händen des Redners, der einen großen Theil des überaus interessanten Inhalts desselben verlas. Den Juden Roms sollte bald die Erlösung kommen, wenn auch nicht durch den Papst. Der 20. September 1S70 war hereingebrochen; Victor Emanuel hielt seinen Einzug in Rom, und die Bewohner des Ghetto wurden als Bürger des Königreichs Italien erklärt. Schon am 23. September überreichten die Juden dem König eine Dankadresse, in der sie ihm Treue gelobten als Italiener, als Römer und als Juden. Die Einschränkungen waren nun plötzlich alle gefallen, nicht aber das lokale Ghetto, das erst vor wenigen Monaten abgebrochen worden ist und an dessen Stelle jetzt glänzendeGebäude und Sttaßen der Weltstadt entstehen. Die Zeitungen haben in den letzten Jahren oft die Nachricht gebracht, daß die Juden das Ghetto nicht räumen wollten, aber in Wahrheit konnten sie nicht/ ohne einen großen Theil ihres Vermögens zu verlieren, der auf der sogenannten Ehasaka (npin) beruhte, d. h. auf dem auch von christlichen Gerichten anerkannten Rechte, gewisse Grundstücke zu einem genau limitirten Preise zu miethen, und es mußte dcßhalb ein Prozeß geführt werden, der erst vor zwei Jahren zu Gunsten der Juden entschieden, worden ist. Die römischen Juden werden noch lange', die Folgen des Aufenthaltes im Ghetto empfinden, aber die größten Anstrengungen werden gemacht, um ans den Ruinen neues Leben erblühen zu lassen, und nicht weniger als 26, thcils religiösen, theils wohlthätigen Zwecken dienende Vereine bestehen heute in der jüdischen Gemeinde Roms, denn bei alleni Druck haben die römischen Inden nicht die Sorge um die religiöse Pflicht, nicht die solidarische Brüderlichteit vergessen. Unter diesen Anstalten nimmt den ersten Platz ein die Talmud-Thora- Schule, wo alle Zweige des hebräischen Wissens, von den Elementen bis znm Talmudunterrichb, gepflegt werden; dann das 5t lein-Kinder-Asyl, wo Kinder im Alter 3—4 Jahren nach Fröbel'S Methode beschäftigt, auch am Mittag mit Suppe gespeist werden. Redner sprach mit Entzücken von dem An? blick, den diese armen, überans sauber und nett aussehenden Kinder gewährten, die ihre Sprüchlein hersagten und ninnfliriitHef) an den Vers erinnerten: ry p.iv' c'iw c^Hy ts. Zntn Schlüsse wandte Redner anf die Inden Roms den herrlichen Midrasch an von dem kostbaren Edelstein, der einst nach