Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 84 (29.10.1885)
- Date
- 1885-10-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XXVI. Jahrgang. Imeitr Beilage;« Nr. 84 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Berlin, 23. Oct. Der Proceß Simon May contra Hermann Strack, über welchen ich Ihne» unmittelbar nach Schluß der Gerichtsverhandlung einen Eilbericht sandte, hat hier ungeheures Aufsehen erregt und zwar weniger wegen der Verurtheilung des ehemaligen Hutmachers, als wegen der gegen Herrn Stöcker gerichteten sensationellen Erklärung des Herrn Prof. Strack. Dieselbe macht die Runde durch die gesammte ausländische Presse und dürste von weittragendster Bedeutung werden. Die Erklärung, deren Schlußsatz Sie bereits mittheilten, hat, soweit sie verlesen und nicht mündlich fortgesetzt wurde, folgenden Wortlaut: „Durch die theils direct, theils indirekt bis in die unmittelbare Gegenwart, ja bis in die Gcrichtssäle hinein, fortdauernden Angriffe von Anhängern des Herrn Hofpredigers Stöcker, insonderheit durch die Angriffe des „Neichsboten," werde ich seit 51/2 Monaten in meiner Ehre als positiv christlicher Theologe gekränkt, in meinem akademischen Wirken, wie in meiner Thätigkeit für die Judenmission geschädigt, und in mir wird der zu wissenschaftlichen Arbeiten erforderliche Friede gestört. Da ich mich sonach für mich selbst und den von. Gott mir gegebenen Beruf im Stande der Nothwehr befinde, erkläre ich zwar mit schmerzlichem Bedauern, aber mit gutem Gewissen öffentlich und feierlich wie folgt: In meinem ganzen Verhalten zu dem Herrn Hofprediger Stöcker habe ich bis zum Aeußersten, so weit, daß ich sogar in der Oeffentlichkeit den Schein gegen mich sein ließ, dem Frieden und der Vermeidung öffentlichen Aergerniffes nachgejagt. Der Herr Hofprediger Stöcker aber hat sich mir gegenüber derartig benommen, daß das königliche Landgericht I., wenn ihm bei dem Prozesse gegen die „Freie Zeitung" diejenigen Acnßernngen Stöckers, welche ich beweisen kann, bekannt gewesen wäre — daß, sage ich, das königliche Landgericht I dann die Art, in der der Hofprediger Stöcker mit seinem Wort umgegangen ist, mit einem schärferen Ausdruck als dem der „Leichtfertigkeit" belegt haben würde." Der „Neichsbote" geberdet sich ganz unsinnig ob dieser „feierlich ausgesprochenen" Beleidigung und wünscht Herrn Prof. Strack Glück, daß der Vorsitzende noch etwaigen gröberen Ausfällen vorgebeugt hätte. Hofprediger Stöcker hat inzwischen, wie verschiedene Blätter berichten, seinen Anwalt beauftragt, gegen Prof. Strack den Strafan- 1 r a g wegen öffentlicher Beleidigung zu stellen. Herr Prof. Strack ist, wie mir hören, bereit, den Beweis der Wahrheit an zu treten und —gelingt derselbe, daun dürfte die Stöcker'sche Herrlichkeit ein Ende mit Schrecken nehmen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie», 23. Okt. Die weitere Durchforschung der Sammlung „Papyrus Erzherzog Rainer," hat wieder eine Fülle wichtiger Ergebnisse in literarischer und antiquarischer Beziehung auf dem Gesammtgebiete des elfsprachigen Urknnden-Materials zu Tage gefördert. Unter den hebräischen Papyri nimmt nunmehr eilt großer in Quadratlettern geschriebener arabischer Brief ans dem Beginne des neunten Jahrhunderts unstreitig den ersten Rang ein. Er ist das älteste bis jetzt bekannte arabische Schriftstück eines Inden. Obwohl geschäftlichen Inhalts, ist er doch sprachlich werthvoll für die Bestimmung der arabischen Laute in jener Zeit, da bicfelbei* nach dem Ohre wiedergegeben sind. Die Transcription der dem hebräischen Alphabete fehlenden arabischen Zeichen ist sehr primitiv und von der später auf gelehrtem Wege eingeführten Umschreibung vielfach abweichend. Der Gebrauch hebräischer Lettern steht aber in diesem Falle wohl in historischem Zusammenhänge mit dem zeitweise erneuerten Verbote des Khalifen Omar, zufolge dessen sich die Juden und Christen der arabischen Schrift nicht bedienen dursten. In Lenrberg wurden drei Personen verhaftet, welche seit längerer Zeit mit dem Mädchenhandel nach Amerika sich beschäftigt haben. Neulich wurde ein I7jühriges jüdisches Mädchen entführt und bei dieser Gelegenheit wurde das Treiben dieser schändlichen Menfchenhändlcr entdeckt. Pefth. Die Gnadengesuche des wegen Wechselfälschung vernrtheilten antisemitischen Windisch und zweier Frauen, die im Prozesse der antisemitischen