Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 82 (22.10.1885)
- Date
- 1885-10-22
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XXVI. Jahrgang. Zweite Seitllge zu Nr. 82 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. I Deutschland. Gailingen, 14. Oktober. Ein Akt echt jüdischer Wohlthätigkeit, der sich in jüngster Zeit vollzogen, ist so erhebend, daß die gesch. Leser dieses Blattes sich gewiß mit dem Einsender dieses freuen, von demselben Kenntnis; zu. erhalten. Die hiesige Gemeinde erhielt nämlich für das hier projektiere isr. Krankenhaus von Frau Isidor B ä r Ww e. in Bruchsal zu Ehren ihres verstorbenen Gatten die hochherzige Gabe von fünftausend Mark. Dieses edle Geschenk, das ganz aus eigener Initiative der hochherzigen Gcbcrin hervorgegangcn, wird hierdurch sowohl, wie durch das rührende Motiv, das demselben zu Grund liegt, ein doppelt werthvolles. Wir sprechen daher hiermit wiederholt dieser würdigen Frau öffentlich unfern Tank aus und wünschen derselben Gottes Lohn für solche wahrhaft jüdische That. Solche Frauen ehren sich und die jüdische Gesammtheit or nnrc». Der von uns bis jetzt gesammelte Grundstock für das beabsichtigte Krankenhaus beträgt 20,000 M., woran die hiesige Gemeinde mit ca. 12,000 M. participirt. Wir bitten edle Glaubensgenossen um fernere Unterstützung, um mit Gottes Hilfe recht bald zur Ausführung unseres Projekts schreiten zu können. Poln. Wartenberg, im Oktober. Anl 31. v. M. als m» "n rcr begeht der in diesem Blatte schon oft rühmend erwähnte Herr Moritz Ucko das seltene Fest des 25jährigen Vorsteher- Jubiläums. Fast sämmtliche Gemeinde-Mitglieder wetteifern,, um diesen Tag durch Festlichkeiten und andere Ehrenbezeugungen würdig zu begehen, und werde ich nicht verfehlen, s. Z. darüber ausführlich zu berichten. M. L. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien. Es gehört gewiß zu den Seltenheiten, daß in einem Lande der Wunsch nach jüdischer Einwanderung in einer Zeit ausgesprochen wird, in der viele jüdische Bürger aus ihrem Baterlande vertrieben oder zu Auswanderungen geuöthigt werden. Einen solchen Wunsch hat der berühmte Kliniker Dr. Hardy, einem Bericht der „Wiener rncdicinischen Presse" zufolge, geäußert. Gelegentlich einer Besprechung über die sich stetig vermindernde Anzahl der französischen Bevölkerung behauptet nämlich der französische Arzt, daß diese Abnahme nicht nur in dem nationalökonomischen Principe des Malthusianismus, sondern auch in einer physischen Eigenschaft der Franzosen ihren Grund habe. Wenn dem Staate an der Vergrößerung der Bcvölkernngszahl gelegen sei, so wisse er nur das eine Mittel, jüdische Männer in's Land zu ziehen, welche diesem Nebel abhelfen würden. Dieselben würden um so bereitwilliger einem solchen Rufe folgen, als sie sich in den Ländern, in denen sie verfolgt werden, nicht heimisch fühlen können. Wien. Der Verein zur Unterstützung mittelloser isr. Stndirender hat im verflossenen Studienjahre 1884/85 305 Studirendcn, und zwar 165 Medicinern, 67 Juristen, 4 Philosophen, 45 Technikern, 7 Pharmaccutcn und 17 Veterinären, Beiträge zu den Rigorosen, Promotions-Taxen re. und Unterstützungen gewährt. Die Ausgaben zu diesem Zwecke betrugen 3365 fl., die Einnahme aus den jährlichen Beiträgen der Mitglieder war blos 1474 fl.; das Deficit wurde durch besondere Spenden 2c. gedeckt. Daher kam es, das; 220 Gesuche nicht berücksichtigt werden konnten, und der Verein hofft, daß wohlwollende Menschen, denen die Mittel zur Verfügung stehen, diesen herein in Zukunft bedenken mögen. Rußland. Der jüdische Arzt Dr. Tschernichow in Strara- Siniawo wollte seinen bisheriges Domicil mehr in die Nähe der etwas entfernt liegenden Fabriken legen, um den Fabrikarbeiten schnellere Hilfe leisten zu können. Auf Grund der neuen Maigesetze verbot ihm dies der Gouverneur, obwohl Dr. Tschernichow die gesetzlichen Studien gemacht und demgemäß nach den früheren Gesetzen in seinem Wohnsitz nicht beschränkt werden durfte. Selbst eine Petition der Fabrikbesitzer und Fabrikarbeiter an den Gouverneur konnte eine Aenderung des Verbots nicht bewirken. Petersburg, 15. Oktober. Am 23. September a. St. begann in dem hiesigen Bezirksgerichte die Revision des Prozesses gegen den Major Mironowitsch, welcher in erster Instanz bekanntlich der Ermordung der Sarah Becker schuldig erkannt worden war. Die Revision endete gestern mit Freisprechung des Mironowitsch durch die Geschwornen.