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Der Israelit · 1885-10-08 · Heft 78 (8.10.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 78 (8.10.1885)
Date
1885-10-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1327 «Was ist Dir Kind?" fragte die Mutter zärtlich besorgt, „Du hast sehr unruhig geschlafen, scheinst sehr schwer geträumt zu haben. —" „Geträumt? —" Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn. „Du meinst, ich hätte geträumt? —" „Es schien so," erwiderte sie. „Lege Dich noch ein wenig nieder und versuche zu schlafen. Du scheinst Dich nicht wohl zu fühlen!" „O nicht doch, ich fühle mich ganz wohl," entgegnete er matt, „und es wird auch bald Zeit sein, daß ich in's Comptoir gehe." „Heute nicht, liebes Kind, Papa war vorhin, che er in's Büreau gegangen, hier an Deinem Bette und hat auch die Bemerkung gemacht, daß Du Dich nicht wohl zu fühlen scheinst, er hat daher im Vorübcrgehen Dich bei Oehler entschuldigt." „Papa ist sehr besorgt —" sagte Eduard leise und in seinem bleichen Angesichte zückte es seltsam. „Lege Dich nieder, liebes Kind," bat Frau .Kornfeld „Dir ist in Wirklichkeit nicht wohl." „Durchaus nicht, liebe Mama," entgegnete Eduard, indem er sich rasch erhob, „Du siehst, ich bin schon wieder ganz frisch." „Fühlst Du Dich wirklich wohl? — Du siehst doch noch recht bleich aus." „Das ist der Katzenjammer nach dem gestrigen Fest," entgegnete er, ein Lächeln erzwingend, „laß mich nur mich umkleiden, dann wird mein krankes Aussehen rasch verschwunden sein." „Dn hast Dich gestern gar nicht entkleidet," bemerkte sie kopfschüttelnd, mit einem Blick auf seine derangirte Toilette. „Ich war allzu sehr ermüdet —" Sie schüttelte abermals den Kopf. „Nun so kleide Dich um und dann komme hinunter zum Frühstück. Oder soll ich es' vielleicht heraufschicken?" „Ich danke, liebe Mama, ich tverde hinunterkommen; nur muß ich zuvor noch beten." „So will ich Dich nicht aufhalteu. Aber beeile Dich ein wenig mit Deiner Toilette, es erwartet Dich eine kleine Ueberraschung — Du hast wohl noch gar nicht daran gedacht, daß heute Dein Geburtstag ist? — Mein liebes, liebes, theures Kind! — nimm meine innigste, herzinnigste Gratulation! —" Sie schlang den Arm um den Sohn und drückte ihn fest an sich. „Mein liebes, liebes, theures Kind!" Er erwiderte innig ihre Umarmnng, aber er brachte kein Wort über die Lippen. . „Und Du bist gar nicht neugierig auf die Ueberraschung?" fragte sie lächelnd. „Doch, doch — ich werbe mich beeilen — ich komme sehr bald hinunter." „So will ich Dich nicht aufhalten." Sie nickte ihm zärtlich lächelnd zu und entfernte sich. Wenige Minuten darauf ward die Thür abermals geöffnet, ein kleiner .Knabe steckte das blonde Krausköpfchen in's Zimmer. „Jetzt bist Du erst aufgestandeu?" fragte er verwundert, als er sah, daß sein Bruder das Antlitz in einer vollen Waschschüssel badete. „Mama hat gesagt, ich soll Dir dieses bringen," fuhr er fort, indem er ein kleines Packetchen auf den Tisch legte, „und komme nur bald herunter, eine große Torte steht aus dem Tisch und Mama hat gesagt, Du wirst sie anschneiden und mir gibst Du auch davon, nicht wahr? Du kannst sie doch nicht allein aufessen, sie ist sehr groß. Und Mama hat Dir eine seidene Geldbörse gehäkelt und hat goldene Pfennige hineingegeben und Bertha hat Dir einen Tabaksbeutel gestickt mit ganz vielen Pfeifen darauf." Eduard trocknete sich das Antlitz, er hatte dem kleine» Plauderer schwerlich zngehört. „Was hast Du, Fritzchen?" fragteer. „Ich habe Dir das da gebracht, Mama hat gesagt, es wäre für Dich." „Ah!" rief Eduard, indem er danach griff. Er hatte die Handschrift auf der Adresse erkannt, hastig entfernte er die Enveloppe. „Herzliche» Glückwunsch von Deiner Adele," auf veilchenblauem Grunde glänzten diese Worte golden, und als er das Portefeuille öffnete, lächelte das holde Antlitz der Geliebten ihm entgegen. Er stieß einen Freudenschrei aus und drückte das reizende Geschenk au seine Lippen. Doch plötzlich überkam ihn wiederum das Volte Bewußtsein seines Unglückes, Thränen entstürzten seinen Augen, laut schluchzend barg er das Antlitz in den Händen. „Eduard!" rief sein kleiner Bruder ängstlich, „lieber Eduard, warum weinst Du?" Und als ihm keine Antwort ward, eilte er hinunter, der Mutter zu berichten, was er gesehen. Frau Kornfeld war jedoch in der Wirthschaft beschäftigt, achtete daher nicht auf den etwas confusen Bericht des Kindes. Eduard war es indessen gelungen, sich in so weit zu beherrschen, um wenigstens äußerlich ruhig zu erscheinen. Er begab sich hinunter in das Familienzimmer, umarmte Mutter und Schwester mit freundlichem Dank für die ihm überreichten Geschenke. Er zwang sich sogar, auf der Mutter Bitte «

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