Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 75-76 (22.9.1885)
- Date
- 1885-09-22
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. Weite Brilnge m Ur. 75 & 76 des Israelit. Leite»der Artike!. Aufforderung zur Bildung einer „Freien Vereinigung für die Interessen -es orthodoxen Judenthnms." Der Geist der Association, nnan, der freien Vereinigung Gleichgesinnter für gemeinsame Interessen, der in der Gegenwart überall so bedeutsam hervortritt, war und ist in jüdischen Kreisen, insbesondere für Zwecke der geistigen und sittlichen Bildung und der wohlthuendcn Menschenliebe seit unvordenklichen Zeiten lebendig wirksam. Die über den weiten Erdenrund verbreiteten jüdischen Lehr- und Wohlthätigkeits - Vereine, auf welche unsere Gegenwart mit befriedigender Genugthuung hinznblicken berechtigt ist, sind nichts als die Erbschaft einer großen Vergangenheit, deren trübste Zeiten eben dem Geiste solcher nron, dem Geiste solcher freien Vereinigungen die Gelegenheit boten, seine für eine heiter glückliche Lösung aller GeschO- und Pflichtaufgaben aufrecht haltende, kräftigende und begeisternde Macht glänzend zu bewähren. Ja, eine solche Bedeutung erkannte das jüdische Alterthum für die Losung unserer großen heiligen Aufgabe diesem Geiste freier Vereinigungen zu, daß wir in ihm eine alle Schichten unseres Volkes durchreichende freie Vereinigung, nrcn, in höchst bedeutsamer Wirksamkeit verbreitet sinden, die nicht sowohl in einer zusamenwirkenden Vereins-Thätigkeit, als vielmehr in einer zusainmcnstimmenden Gelobung einer zunächst von jedem im eigenen Leben zu bethätigenden höheren Gewissenhaftigkeit sich kennzeichnete. Dieser freie Verein für höhere jüdische Gewissenhaftigkeit, der ein durchaus offener, öffentlicher, ungeschloffencr war, denen Mitglieder durch den Namen -an, Genosse, schlichtweg bezeichnet waren, in welchen Jedem mit Ablegung des Vereins- Gelübdes der Eintritt offen stand, der bereits durch bisherigen Wandel den Charakter der Zuverlässigkeit bewährt hatte, diese älteste jüdische Association, diese uralte ivn-Jnstitution war der wirksamste Factor für die Erhaltung der religiösen Gesetzcskunde und der religiösen Gesetzlichkeit. Ein solcher Hinblick auf die von je im jüdischen Kreise mit großartigem Erfolge vorhanden gewesene Wirksamkeit freier Vereinigungen für geistige und sittliche Bildungs- und Wohlthätigkeitszwecke, wie überhaupt für die Verwirklichung der großen Aufgabe des Judenthums, hat die Erwägung nahe gelegt, ob nicht für die nach der besonderen Zeitlage der Gegenwart sich eigenartig gestaltenden Bedürfnisse und Aufgaben des gesetzlichen, unter dem Namen „orthodox,, begriffenen Judcnthums eine wünschenswerthe Erhaltung und Förderung auf dem Wege einer freien Vereinigung aller den Grundsätzen des alten überlieferten gesetzcstreuen Judenthums unverbrüchlich anhängcnden, und in dieser Gemeinsamkeit der lleberzeugungen sich als Genossen fühlenden jüdischen Brüder zu erreichen, mindestens mit vollster Hingebung anzustreben wäre. Eine solche auf dem Standpunkt des orthodoxen Judenthums stehende und dessen Interessen vertretende allgemeine Vereinigung ist in der Gegenwart nicht vorhanden, und aufrichtige Bekenner und Freunde des orthodoxen Judenthums finden bis jetzt keine gemeinsame Vertretung ihrer lleberzeugungen und kein gemeinsames Anftrebcn alles dessen, was sie für die Verwirklichung eines gewissenhaften Pflichtlcbens in Erkeuntniß und Erfüllung in der Gegenwart schmerzlich vermissen. Und doch gibt es eine ganze Reihe für die Interessen des orthodoxen Judenthums wichtiger Anliegen, deren genügende Verwirklichung in der Gegenwart nur int Vereine möglichst vieler Gesinnungsgenossen augestrebt werden könnte. Wir heben aus der großen Mannigfaltigkeit derselben einige hervor, die nach der gegenwärtigen Zeitlage eine vereinigtes Zusammenwirken gleichgesinnter Genossen besonders wünfcheuswerth erscheinen lassen dürften: Pflege cchtjüdischer, Hand in Hand mit echter allgemeiner Bildung durch Lehre und Erziehung: Stiftung und Unterstützung jüdisch-orthodoxer Lehranstalten, Schulen, nw, tmo td, sowie Unterstützung hülssbedürftiger Lehrer derselben. Stipendien für orthodox-jüdische Jünglinge zum Besuche dieser Anstalten. Orthodoxe Pensionen und Waisenhäuser. Wanderlehrer und Prediger für lehrbedürftige kleine Gemeinden. Förderung der Herausgabe und Verbreitung orthodoxjüdischer Schriften. Förderung jüdisch-orthodoxen Pflichtlebens und Beseitigung entgegenstehender Hindernisse: Errichtung und llnterhaltnng guter orthodoxer Hotels und Speifewirthschasten kn Bädern, Kurorten und sonstiger Orten großer jüdischer Frequenz. Zuverlässige Auskunftsmitlel für orthodoxe gewissenhafte Reisende. Unterstützung von rw-po und nDinip tu unbemittelten Gemeinden und