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Der Israelit · 1885-09-03 · Heft 70 (3.9.1885) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 70 (3.9.1885)
Date
1885-09-03
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Meile Beilage zu Nr. 70 ües Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 30. August. Die Proteste wirklicher und angeblicher Obmänner des Antisemitenbundes gegen die Veröffentlichung ihrer Namen wollen noch immer nicht aufhören. Heute meldet sich ein Laternenanzünder N. Pinske, Bellevuestraße 2, der den Antisemiten ein Licht darüber anffteckt, das; er nichts mit ihnen zu schaffen haben will. Er schreibt uns: „In der Liste der antisemitischen Obmänner ist mein Name ansgcführt. Da ich davon nichts weiß, so ist mein Name ohne mein Wissen und ohne meine Erlaubnis veröffentlicht worden, und bitte ich um Berichtigung." Brav, edler Laternenanzünder! Wer die Verbreitung von Licht zu seinen! Lcbcnsberufc gewählt hat, der soll die dunklen Wege fanatischer Glaubens- Hetzer meiden. Berlin, 31. August. Bekanntlich haben die hiesigen städtischen Behörden vor einigen Monaten ein Verbot ertasten, die Lungen des geschlachteten Viehs aufzublasen, weil seitens betrügerischer Verkäufer die aufgeblasenen Lungen auf de» Märkten für einen höheren Preis verkauft wurden. Diesem Verbote gegenüber hatte das hiesige Rabbinat sowie Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer als der geistliche Vertreter der Gemeinde Adaß Jisroel dem Magistrat ein längeres Gutachten unterbreitet, in welchem die Nothwendigkcit des Anfblascus der Lunge aus den jüdischen Religiousqucllen dctaillirt nachgewiesen und um die Zurücknahme des betr. Verbotes gebeten wurde. Am letzten Freitag lagen in der Magistratssitzung diese Petitionen „israelitischer Rcligionsgenosscnschaftcn" zur Berathung vor. Vom Köuigl. Polizeipräsidium war ein Schreiben cingegangen, welches die Ablehnung der Eingaben dringend forderte, da „das Aufblasen der Lunge gar nicht rituell vor ge sch rieben sei und man dieselbe auch unaufgcblasen vollständig untersuchen könne!!" Demzufolge lehnte der Magistrat die Eingaben der jüdischen Gemeinden ab. Nur eine Frage möchten wir uns an das hohe Polizeipräsidium zu richten erlauben: von wannen kommt ihm die Wissenschaft, daß inan die Lunge rituell gar nicht aufzublasen brauche und die Untersuchung derselben auch ohnedies leicht statthaben könne? Wer ist der talmndische Berather der hohen Behörde? Sollte es etwa derselbe famose „Staattzrabbincr" sein, der das Schreiben am Sonnabend gestattet! „Wir wären lüstern, ein Wort mit diesem Geist zu reden." Es steht zu erwarten, das; die Rabbiner ganz energisch gegen diese unbegreifliche Jgnorirung ihrer Autorität und gegen die irrthümliche Ansicht des Polizeipräsidiums 'Protest erheben werden. Vorläufig können wir den Schächtern nur rathen, in zweifelhaften Fällen die Lungen auzukanfen, um die rituelle Brauchbarkeit des Rindes festzustellen; denn vorläufig wollen wir uns noch nach unserem Schnlchan Arnch richten. Berlin, 31. August. Der Fall des Oberprimaners G., welcher vom Abiturientenexamen zurnckzutreteu sich gcnöthigt sah, weil eine schriftliche Arbeit auf Sonnabend angesetzt war, hat hier in vielen, auch nicht orthodoxen Kreisen großes Aufsehen erregt. Die „Staatsbürger-Zeitung", deren sittliches Niveau die gcsch. Leser kennen, ist natürlich in ein lautes Triumphgcschrei ausgebrocheu und bedeckt den „zudringlichen" Primaner, die jüdischen Blätter und die Inden überhaupt mit einer Hochflnth von Schimpfrvörtern. Die Wurde unserer Leser steht uns viel zu hoch und die Tendenz des Hetzartikcls viel zu niedrig, als daß wir demselben die Ehre einer Erwiderung angedeihen lasten sollten. Nur einen Satz sei cs uns gestattet, hier mitzutheilen. Das edle Blatt schreibt: „Die Juden haben ja Geld genug; mögen sie doch also auch jüdische Gymnasien gründen, an denen ihre Jugend nach Belieben und ohne mit den „unreinen Gojim" in Berührung zu kommen, sich heranbilden kann." Das Hetzblatt irrt; man darf nicht von sich auf andere schließen, das ist nicht schön. Wenn irgend ein Antisemitenblättlei» „unrein" ist, so brauchen cs durchaus noch nicht alle Gojim zu sein. Damit das Blättlein aber noch mehr juble und frohlocke, so wollen wir es .ihm auch nicht vorcnthalten, das; der Gymnasialdirektor dem „echt jüdisch zudringlichen" Primaner G. beim Abschiede wörtlich sagte: „Ich bedanrc es tiefinnig, daß' mich äußere Verhältnisse zwange», den deutschen Aufsatz nicht verlegen zu können. Ihre religiöse Standhaftigkeit hat mir Bewunternug cingcflößt, und wenn Sie einmal im Leben meines Schutzes

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