Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 68 (27.8.1885)
- Date
- 1885-08-27
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. Zweite Beilage zu Nr. 88 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Wegen Beleidigung der Staatsanwaltschaft des Berliner Landgerichts I ist gegen die „Freie Zeitung", wie sie selbst mittheilt, die Untersuchung eingeleitet worden. Das Blatt hatte in den Nummern vom 23. und 24. Juli d. I. unter dem Titel „Stöckeriana" die Thatsache kritisirt, daß „Reichsbote" und „Kreuzzeitung" das bekannte konftszirte Flugblatt der „Freien Ztg." abgedruckt hatten, und daran die Frage geknüpft, was wohl einem liberalen Blatte geschehen wäre, wenn es den Abdruck eines konfiszirten Artikels gewagt hätte. In verschiedenen Redewendungen glaubt die Staatsanwaltschaft den Vorwurf einer parteiischen Handhabung ihrer Funktionen erblicken zu sollen und hat deshalb die Untersuchung veranlaßt. Am 18. d. M. hat der erste Termin im Voruntersuchnngs - Verfahren stattgcftlnden. Frankreich. Paris. Monatsbericht (I u l i) der „Alliance Jsr. Univ." (Die Israeliten Marocco's.) Man wird sich daran erinnern, das; in Folge von Eingaben der Vertteter der europäischen Mächte in Marocco bei dem Kaiser, zu Gunsten der Israeliten in Demnat, Se. Majestät eine Commission ernannte, an welcher auch 2 oder 3 marokkanische Israeliten theilnchmen sollten, und die damit beauftragt war, die Eonsuln in Zukunft zu unterrichten, was den Juden dieser Stadt etwa künftig an Mißhandlungen widerfahren sollte. Anbei ein Brief eines Mitgliedes dieser Commission, David Aman, der im RGveil du Maroc vom 15. Juli publicirt wurde: Demnat, 24. Juni. „Wir langen soeben in Demnat an. An den Thoren der Stadt begegneten wir den Soldaten des Gouverneurs und circa 100 Arabern, die mit Stöcken, Messern und Steinen bewaffnet waren. Bei unserm Herannahen warfen sie uns mit Steinen, schlugen auf uns und beschimpften die europäischen Nationen und deren Fahnen. Fast ein Dutzend der Unsrigen ist ernstlich verwundet, unter Anderm eine arme Frau, die wir auf unserm Wege in einem Dorfe anttafen. Wir sahen uns gezwungen, unsere Pferde uud Bagagen in Stich zu lassen und uns in ein Dorf zu rette», das unter ein :• andern Gerichtsbarkeit steht. So werden die befehle Sr. Majestät beachtet uud befolgt. S. - der Obcr- Vezir versicherte uns, daß uns, gleü bei unserer Ankunft, Gerechtigkeit werden würde. >.:m S. Ma- jestät hatte es so befohlen. Der Soldat des Sultans, welcher uns begleitete, hat sich zum Gouverneur begeben, der ihn bezahlt uud entlassen hat. Sidi Boubeker hat verweigert, uns zu begleiten, unter dem Vorwände, daß er keinen Brief vom Sultan habe und der Gouverneur ihm gesagt, daß er nicht kommen solle. Einer von uns, David Fdida mit Namen, der sich über die erlitt-'n-'n Mißhandlungen beklagt hatte, wurde vom Gouverneur festgenonnnen und iu's Gesängniß gesteckt. Man hat uns gesagt, der Gouverneur habe seinen Leuten Vorwürfe darüber gemacht, daß sie sich darauf beschränkt hätten uns zu schlagen, anstatt uns zu tüdten. Wir schreiben midi Tanger und erwarten die Erwiderung, um zu wissen, wie wir handeln sollen." Anbei über den Vorfall der Brief eines englischen Unterthanen; derselbe stand gleichfalls im Reveil du Maroc vom 18. Juli: „Ich schrieb Ihnen bereits bezüglich der armen Juden zu Demnat. Sie kamen ganz vergnügt an, mit den Briefen, welche ihnen die fremden Minister verschafft hatten und mau glaubte, daß eine neue Aera für sie.anbrechen müsse. Bei ihrer Ankunft in die Nähe der Stadt, gingen ihnen die in der Stadt verbliebenen Mitglieder ihrer Familie entgegen, aber im Augenblick, wo sie durch die Th'ore schreiten wollten, wurde sie von einer großen Anzahl Araber, die mit Stöcken bewaffnet waren, ccrnirt und nicdergerissen. Wenn der Sultan sich nichr zu Gewaltmaßrcgeln gegen den Gouverneur entschließt, ist das Leben der armen Juden zu Demuat gefährdet. Zur Stunde läßt der Gouverneilr Declarationen anfertkgen, die beweisen sollten, daß ' die Juden die Angreifer waren. Jedoch haben sick) die Dinge so zugetragen, wie ich es Ihnen erzähle, und die Sachkundigen werden darüber Urtheilen können." Von anderer Seite sind neue Mordthaten begangen worden, an maroccanischen Israeliten, und jetzt wie früher bleiben die Mörder unbestraft. Anbei einige Einzelheiten, wie sie diesbezüglich dem Central-Comitö übermittelt wurden: