Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 68 (27.8.1885)
- Date
- 1885-08-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1171 Hinblicke auf den Antheit, den wir an der Erhebung Rumäniens zu einem unabhängigen Königreiche nahmen. Ich bedauere es sehr, daß wenn ich jetzt nach fünf Jahren in dieses Amt zurückkehre, ich die Erfahrung machen muß, daß die Voraussetzungen und Hoffnungen, welche wir zu jener Zeit hegten, durch die Thatsachen so wenig gerechtfertigt wurden. Ich bedauere es sehr, daß die großen Wohlthatcn, mit denen der Berliner Vertrag jenen Theil Europas unzweifelhaft bedachte, indem er Rumänien zum Range eines unabhängigen Staates erhob, nur ein tiefes Bedauern in uns erregen können darüber, daß ein Staat von so junger Herkunft solche Dinge gestattet, wie Sie sie soeben erwähnt haben. Ich gestehe auch, daß ich den Ernst, welchen die jüdischen Vereine unseres Landes in dieser Angelegenheit bekunden, nicht blos natürlich, sondern sehr ehrend für dieselben finde. Ihre Beweggründe fordern die höchste Achtung heraus, und Sie können versichert sein, daß wir Alles mit vollem Ernste und freudig thun werde», was in unserer Macht steht, um die Lage der Juden in Rumänien — jenem Lande, an dessen Schaffung wir so großen Autheil haben, — zu verbessern. Ich habe mit aufrichtigem Interesse von den entsetzlichen Thatsachen gehört, über welche mir berichtet wurde; aber was beweisen sie? Welcher Art ist der Widerstand und die Feindseligkeit, mit der wir es zu thun haben? Alan hat dieselbe mit der Behandlung verglichen, welche die bulgarischen Christen zu erleiden hatten; aber das Schicksal der Letzteren lag in der Hand eines despotischen Monarchen, _ der durch die diplomatische Aktion leicht bccinstußt werden konnte und der unter allen Umständen solchen Motiven zugänglich war/ die von Botschaftern geltend gemacht oder in Noten niedergclegt wurden. Aber die von Ihnen constatirten Uebelstände kommen nicht von einem despotischen Herrscher, sondern aus dem entgegengesetzten Lager; dem tiefeingewurzelten Vorurtheile des Volkes entstammen alle die Leiden der Juden in Rumänien, und dieses Vorurtheil des Volkes findet seinen lautesten Ausdruck in der Volksvertretung, die in jenem Lande die höchste Instanz ist. Ich spreche hier in Anwesenheit einiger Herren, welche Mitglieder der Volksvertretung unseres Landes sind oder waren. Ich ftage Sie, was wohl die Wirkung der Intervention eines fremden Staates in Bezug auf irgend eine innere Frage wäre. Ich glaube, daß Sie, bei allem Mitgefühl für die Leiden der rumänischen Juden, anerkennen werden, daß eine ganz besondere Vorsicht in der Behandlung dieser Frage geboten ist, angesichts der Thatsache, daß man es mit einer Volksvertretung zu thun hat, die sich ungemein eifersüchtig zeigt gegenüber der Einmischung einer auswärtigen Macht; und Alles, was in ihren Augen nur irgendwie als eine Drohung erscheinen könnte, würde weit eher ihre Vorurtheile bestätigen und bekräftigen, als Hilfe schaffen. Es ist in dem vorliegenden Falle größte Vorsicht geboten. Die Interessen der Juden müssen mit unablässiger Wachsamkeit gehütet werden, zugleich muß man aber auch stets der Empfindlichkeit der nationalen Gefühle und der großen Gefahr eingedenk bleiben, welche darin liegt, Diejenigen zu reizen, welche schließlich doch die Macht in Händen haben. Ich habe meine Gründe, wenn ich sage, daß eine Discussion allzu scharfen Charakters gleichfalls die nationale Empfindlichkeit reizen würde und augenblicklich nicht im Interesse der Juden Rumäniens liegt. Sie können beruhigt sein darüber, daß die Negierung Ihrer Majestät Alles thun wird, was in ihrer. Macht steht, und wenn ich Manches von dem zurückhalte, was sich mir auf die Lippen drängt, unb nicht in Einzelheiten cingehe, so werden Sie begreifen, daß der Grund nicht Gleichgültigkeit ist, sondern der von der Kenntniß der Sachlage geleitete Eifer für die unglückliche Race, um derentwillen Sie heute hierhcrgckomluen." Rußland. Petersburg. In dem neuen Schulgesetz heißt cs: Stipendien und Unterstützungen ans der Staatskasse werden nur an Christen gegeben! Odessa. Tie Zeitungen singen das Lied vom braven Manne. Ein jüd. Bankier hatte einem Russen ein Prämienloos auf Ratenzahlung verkauft. Der Käufer konnte aber nicht weiter zahlen und bat um Rückgabe des Eingczahltcn. Das wurde ihm bewilligt. Froh verließ er mit feinen 43 Rubel das Comptoir. Da stürzte ihm ein Commis nach, bittet ihn znrückznkommen und der Bankier eröffnete ihm, daß die Rückzahlung rückgängig gemacht werden müsse, denn das Loos habe 800» 9t. gewonnen, die zur Verfügung des Käufers ständen. (Hameliz.) Türkei. Konftautiuopel. Die türkische Regierung sendet mehrere junge Aerzte nach Westeuropa zur ihrer weiteren Ausbildung in einzelnen Zweigen der mcdicknischcn Wissenschaft. Unter diesen befindet sich auch unser Glaubensgenosse Dr. I. Mandil, welcher gegenwärtig eine Assistentenftelle an der kaiserl. medicinischen Schule einnimnit.