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Der Israelit · 1885-08-20 · Heft 66 (20.8.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 66 (20.8.1885)
Date
1885-08-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1131 aber durch mehrere starke Stockschlage nicht unerheblich verwundet. — In seiner gestrigen Sitzung hat der Bürgermeister dem Stadtrath über die Ereignisse der jüngsten Tage Bericht erstattet. In Folge derselben, hat derselbe durch einen ausführlichen Bericht zu erkennen gegeben, daß er bei dem Präfecten die Aufhebung und Auflösung der 8axeur8xomxiers als einzige wirksame Lösung der gegenwärtigen Zustände beantragt habe. Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Feuilleton. Die Versuchung. Von Friedrich Rott. VI. Drei Tage hatte der Unglückliche in dieser qualvollen Stimmung verbracht. Er hatte die Kapsel von dem Thürpfosten entfernt, hatte das viereckige Gewand mit den Schaufäden und seine Gebetriemen in ein Schubfach geschlossen und sein Gebetbuch hinzugefügt. Was sollten ihm fernerhin diese Sachen? — Sein Antlitz ward bleicher und schmaler, seine Augen — schienen müde wie von vielem Nachtwachen, und doch funkelten sie häufig wie im heftigsten Fieber. Er hatte den Nath des Onkels befolgt, war am Sabbat wenig zu Hause gewesen und auch an den folgenden Tagen erschien er selten im Familienkreise; er müsse sich zu seinem neuen Posten vorberciten — und bevor er hinunterging in's Familienzimmer, trank er jedesmal ein Paar Glas feurigen Weines, daß die Mutter sein verstörtes Aussehen nicht gewahre. Dennoch konnte Frau Lewison das veränderte Wesen ihres Sohnes nicht übersehen. Dringend bat sie ihn, sich nicht allzusehr anzustrengen; sie hatte erst jüngst bei ihrem Manne die Erfahrung gemacht, wohin übermäßige Anstrengung führt. „Ist denn sein neuer Posten ein so überaus schwieriger?" fragte sie ängstlich besorgt ihren Bruder. „Hugo wird sich rasch hineinarbeiten," tröstete dieser, „es wird ihm leichter werden, als er selbst es glaubt." Es war ziemlich spät am Abend, Hugo reichte der Mutter die Hand und wünschte ihr gute Nacht. Zärtlich besorgt blickte sie zu ihm auf. „Gute Nacht, mein theures Kind, Du siehst bleich und müde aus. Erweise mir den Gefallen und arbeite heute nicht mehr." „Wenn Du es wünschest, Mama, werde ich niich sofort in's Bett legen, ich bin heute in der That ein wenig ermüdet." „Das ist nicht zum Verwundern," entgegnete sie, „ich habe heute Morgen Dein Bett unberührt gefunden, Du hast vermuthlich die Nacht durchgearbeitet." „Du denkst zu gut von mir, liebe Mama," erwiderte er mit mattem Lächeln, „ich bin beim Arbeiten eiugeschlafen und als ich erwachte, war es Heller Tag, so daß ich es nicht mehr der Mühe werth fand, zu Bette zu gehen. Aber das soll nicht wieder vorkonnnen, sicherlich nicht. Gute Nacht, liebe Mama!" Er drückte ihre Hand an seine Lippen und begab sich dann langsamen Schrittes hinauf in sein Zimmer. Er wollte sein Versprechen halten, wollte sofort sein Lager aufsuchen, aber er fühlte sich so überaus erschöpft, er mußte zuvor einige Minuten ausruhen. Er warf sich in einen Sessel, stemmte beide Ellenbogen auf den Tisch, und mit den Händen stützte er sein müdes Haupt. Er war so müde, o, so müde — und doch war es ihm, als werde der Schlaf ihn fliehen, unheimliche Gedanken jagten einander in seinem fiebernden Hirn. Er hatte die brennende Stearinkerze auf den Tisch gestellt, nur matt erhellte sie den Raum; denn der Nachtwind, der durch das offenstehende Fenster hereindrang, ließ die Flamme hin- und herflackern; aber des Vollmonds bleicher Schein ließ alle Gegenstände gespensterhast vor das Auge treten. Der junge Mann starrte vor sich hi», sein Haupt ruhte auf seinen Händen und seine Hände beschatteten die Augen. Er blickte nicht auf, und seltsam! — er sah es dennoch — dort au dem Thürpfosten, von wo er jüngst die gläserne Kapsel entfernt, jetzt sah er sie hell erglänzen im bleichen Mondesschein, jetzt erblickte er auch deutlich die drei Buchstaben des Gottesnamens — wie glühende Augen schienen sie ihn anzuschauen, schienen zu dringen bis in das Innerste seines Herzens — ihm war als stände es stille — kalter Schweiß perlte auf seiner Stirn. Da vernahm er plötzlich eine alte wohlbekannte Melodie, in der er so oft an heiliger Stätte de» Sabbat begrüßt. „Komme, Geliebter, entgegen der Braut! Laß' uns den Sabbat empfangen!" War denn Sabbat heute? er hatte es nicht gewußt, aber er vernahm den ganzen herrlichen Gesang bis zmn Schluß.

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