Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 64 (13.8.1885)
- Date
- 1885-08-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1095 Hugo erwiderte nichts, ein Seufzer, fast ein Stöhnen entrang sich seiner Brust. Der Onkel beachtete es nicht. „Am ersten nlußt Du eintreten. Heute haben wir den sechsundzwanzigsten, morgen den siebenundzwanzigsten, Sonntag achtundzwanzig, Montag neuuundzwanzig, Dienstag dreißig. Also Mittwoch trittst Du ein. Noch eins Hugo, was ich Dir rathen möchte. Du Lhust am besten, vorläufig Deiner Mutter gar nichts davon zu sagen, daß Du von nun an auch am Sabbat ins Geschäft gehen mußt. Was sollte es nützen? — unangenehm wird es ihr sein und ändern läßt es sich doch nicht. Du thust sogar am besten, morgen nach der Synagoge nicht wie gewöhnlich nach Hause zu gehen. Bleibe bis gegen Mittag bei uns oder mache Besuche und bald nach Tisch gehe abermals fort. Es wird dann nächste Woche welliger auffallend sein. Schließlich wird sie es freilich erfahren, aber ein fait aecompli, namentlich wenn es schon eine Zeit lang gewährt hat, erträgt man leichter, und bis dahin hast Du Dich auch bereits daran gewöhnt, das ist dann etwas ganz anderes." Hugo erwiderte abermals nichts, neigte jedoch zustimmend das Haupt. Der Onkel hatte ihn bis in die Nähe seiner Wohnung begleitet. „Jetzt muß ich aber eilen, daß ich nach Hause komme, es ist schon spät. Grüße Deille Mutter von mir, Hugo; wenn es mir möglich ist, komme ich heute Abend noch hinaus. Adieu, mein Junge! Und mache keine solche Armesündermiene, hörst Du? Du hast wie ein braver Sohn gehandelt. Adieu!" Er wandte sich und eilte hastigen Schrittes der inneren Stadt zu, während Hugo langsam wie ein Träulnender dem Elternhause zuschritt. Es lag ihm wie Blei auf der Brust, wie Blei auf der Stirn. Die Mutter hatte schon seit längerer Zeit nach ihm ausgeschaut, und als die jüngern Kinder ihn vom Hügel aus hatten kommen sehen, hatten sie Erlaubniß erhalten, ihm entgegen zu gehen. Aber sie gingen nicht. „Wer zuerst bei Hugo ist!" rief Richard und im Wettlauf rannten beide dahin. Doch die leichtfüßige Bertha hatte rascher das Ziel erreicht. „Ich hab's gewonnen!" rief sie athemlos, indem sie sich Hugo's rechter Hand bemächtigte. Aber Richard war auch schon da und ergriff des Bruders Linke. „Du bist lange fort geblieben, Hugo," sagte er, „wir waren schon Alle so ungeduldig." „Von Papa ist Brief gekonnnen," berichtete Bertha. „Was schreibt Papa?" fragte Hugo. „Papa schreibt, daß es ihm gut geht," berichtete Bertha." „Aber Mama ist doch besorgt," fügte Richard hinzu, „die Buchstaben sind alle so dünn, als ob Papa zu matt gewesen wäre, die Feder fest über das Papier zu führen." Hugo athmete schwer auf, und dennoch empfand er diese Mittheilung nahezu wie eine Erleichterung; schien es ihm doch, als wolle eine höhere Macht ihm hiedurch ihre Zustimmung verleihen zu dem Entschluß, der ihm so unsäglich schwer geworden. Er fand die Mutter in der Küche, mit den Vorbereitungen zu dem nahenden Sabbat beschäftigt; denn seit der Krankheit ihres Mannes hatte sie ihre beiden Dienstboten entlassen, obgleich gerade damals die Arbeit sich gehäuft. Doch es galt, ihre Bedürfnisse so viel als möglich zu beschränken und die zarte Frau mußte arbeiten, trotz der kräftigsten Magd. „Wo bist Du denn so lange gewesen?" rief sie dem Kommenden entgegen, „es ist bereits drei Uhr vorüber." „Drei Uhr?" wiederholte Hugo, „ich war bet Gebrüder Köhler und beim Onkel." Der Seufzer, der, ihm selber unbewußt, seine Antwort begleitete, ließ sie vermuthen, daß die Unterhandlungen um den bereits erwähnten Posten sich abermals zerschlagen. „Du hast Dir ja von Anfang an keine Hoffnung darauf gemacht," sprach sie tröstend, „der liebe Gott wird Dir hoffentlich recht bald in anderer Weise helfen, Du darfst nur nicht kleinmüthkg werden." „Ich bin engagirt," entgegnete Hugo leise. „Du bist engagirt!" rief sie staunend, und der Sttäubchen vergessend, die in der Pfanne schmorten, eilte sie auf den Sohn zu und schlang ihre Arme um ihn. „Gott segne Dich, mein liebes, theures Kind! Siehst Du, wer auf Ihn vertraut, der hat nicht auf Sand gebaut! Mag Dein Gehalt vorläufig auch noch so gering sein, es ist doch immer beffer als nichts und Du weißt es, ich verstehe mit Wenigem auszukommen." „Und das ist es ja, was mir diese ganze Zeit hindurch so unendlich wehe gethan, daß Du unablässig arbeiten mußtest und Dir nicht die geringste Erholung gönnen konsttest, doch das muß wenigstens jetzt ein Ende nehmen. Gebrüder Köhler haben mir zwölfhundert Gulden Gehalt zugesagt!" „Zwölfhundert Gulden!" jubelte Frau Lewison. „Gott sei Lob und Dank! Da hat all unsere /