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Der Israelit · 1885-08-06 · Heft 62 (6.8.1885) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 62 (6.8.1885)
Date
1885-08-06
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1071 Cll)an sagt nicht zu viel, wenn man behauptet, daß der im Berlage von I. H. beiger (Moritz Schauenburg) in Lahr erscheinende „Große Bolkskalcnder des Lahrer Hinkenden Boten" an Gediegenheit und Mannigfaltigkeit des Inhalts wie der Ausstattung allen andern Literatur-Erzeugnissen gleicher Art siegreich die Spitze bietet. Das beweist wiederum der soeben erschienene Jahrgang 1886. In praktischer Weise ist das übersichtlich zusommengestellte und mit Notizen und Sprüchen verseheneKalcndarium mit gutem Schreibpapier durchschossen, so das; neben jedem Monat etwaige Bemerkungen an passender Stelle verzeichnet werden können. Der unterhaltende und belehrende Thcil, reich an vortrefflichen Illustrationen nahmhaster Künstler, bietet eine fast überschwengliche Fülle des Guten und Schönen, und zwar alles Momente, die aus dem liefen und ursprünglichen Borne des Volkslebens geschöpft sind und nun in jener nur dem Wahrer Hinkenden" eigenen echt volksrhümlichen Weise dargestellt werden, deren Ton so sehr jiim Herzen dringt und das Gemüth ergreift uno sesielt. Da finden wir gleich anfangs eine prächtige, mit 7 Illustrationen verzierte Erzählung Balduin Moll Hause ns, die uns ein interessantes Stück aus dem uordamerikanischen Ansiedlcrleben vorführt. Ferner außer vielen humoristichen Skizzen eine allerliebste Novelle „Nach 22 Jahren", der eine ergötzliche Humoreske „ Der geheimnisvolle Besuch im Pfarrhause" von Albert Jaenich mit 8 Bildern von W. Elaudius folgt. Ganz vortrefflich ist auch die Dorfhumoreske aus dem Katzenellenbogner Lande „Ländliche Hagestolze" von E. Meruöll, die sammt ihren trefflichen Illustrationen voif W. Elaudius so recht als ein Griff in das volle Menschenleben bezeichnet werden kann und welche in launiger und dabei treuherziger Weise die Geschichte von den drei Brüdern erzählt, die nicht heirathen wollten und doch alle drei heirathen mußten. Sehr niedlich erzählt uns auch H. Willfried-Billinger eine lustige Hiftoria von einem kleinen Ziegen- und einem noch kleinern Gänsenhirten» „Kastor und Pollux" betitelt. Und doch steckt unter dem heilem Gewände ein emsler ticssittlicher Kem verborgen. Auch die folgenden Beiträge: „Am Schlachttage vonWcißenburg", (mit 5 Bildern von A. v. Rößler), „Eine geographische Verwechslung," (Humoreske von Victor Blüihgen, mit 2 Bildern von Erdmann Wagner), „Die Narren- Rosel", (von H. Villinger, mit 4 Bildem von Earl Becker), „Was Kathrin erlebte," (Geschichte einer Bäuerin von Mathias Warnatz, mit 4 Bildern von Georg Hahn), „Pagenliebe", (eine Ballade von Schulte von Brühl) je. jc. bieten durch ihre Lektüre in der That einen fesselnden und anregenden Genuß. Tie Quintessenz aber sind und bleiben die vom „Hinkenden" erzählten und mit 16 Bildern von Karl Becker illustrirtcn „Weltbegebenheiten." In solch eigenartig witziger, derber, gemüthlicher, humorsprudelnder Sprache vermag eben nur der „Hinkende" allein zu schreiben. Bemerkt sei noch, daß dem Kalender als Gratis-Beilage das vortreffliche, von Laschs kuustferti ger Hand entworfene ultd in Lichtdruck hergestellte Titelbild „Kinderlust" beigegeben ist. Eine interessante Schilderung der Einweihung des ersten deutschen Reichswaisenhauses bei Lahr, sowie ein Rechnungsnachweis des Reichswcisenhausfonds und der höchst drastische und originelle Redactionsbriefkasten bilden den Schluß des Buchs, zu dessen Empfehlung jedes weitere Wort überflüssig ist, da cs sich schon längst durch seine Gediegenheit zur Lieblingslekiüre in ganz Dcntschland und weit darüber hinaus zu machen verstanden hat direct aus Eorsica, Eorfn, Ealabrien u. s. w. bezogen, liefert in schönster Waare bei reellster Bedienung und billigsten Preisen J. Kanmnnnn, 3738) Buchhandlung, Frankfurt a.M. Der Volks-Kalender des für das Jahr 5646. Preis 35 Pf. A. I H o f m a n n, Frankfurt a. M., hebr. Buchhandlung. Abonnementsu. Inseraten-Annahmestelle für den „Israelit". ' J^jrnom©©. 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