Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 62 (6.8.1885)
- Date
- 1885-08-06
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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XXVI. Jahrgang. Zweite leilngs ju Nr. 62 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 3. August. Von kundiger Seite wird bei uns die in diesen Blättern schon oft und gründlich behandelte Vntterffrage wieder angeregt. Unser Korrespondent schreibt, in seiner Gegend und anderwärts entständen durch den Kauf von Butter, die mit Magarinbutter versetzt und daher billiger als Naturbutter sei, große daß dadurch gradezu ein NmiNT ■raw* begangen würde. Er bemerkt ferner: „Es müßten sonach Anordnungen getroffen werden, wie diesem Nebelstande abzuhelfen wäre. Es gibt viele jüdische Gutsbesitzer, welche einen großen Theil des Butterbedarfs liefern könnten, ferner würden sich „jüdische Käser" finden, die in größeren christlichen Milchwirtschaften die Milch zum Verarbeiten von Butter und Käse kaufen und den dd"v i>n -rdw streng beobachten könnten. Und wenn die ^-Butter auch etwas theurer sein würde als die v'u nxen, gewiß an haben den religiösen Sinn in der strengen Beobachttmg der Speisegcsctzc noch nicht derart verloren, um den mahnenden Ruf der religiösen Pflicht unbeachtet zu lassen." Diese Vorschläge unseres Korrespondenten sind gewiß mit Freude zu begrüßen und ihre Ausführung energisch zu unterstützen und in's Werk zu setzen. Es sind ja in der That von einzelnen Seiten schon Schritte getha»; so hat die unter Herrn Rabbiner Hirsch stehende Gemeinde in Frankfurt a. M. ihre eigenen Einrichtungen und das Haus Rosenbaum in Memmingen versorgt viele gcsetzestreue D'-nrv mit Koschcrbuttcr- und Käse; ebenso ist Herr Gutsbesitzer Dr. Philipp Werner in Neuvorwerk bei Obornik im Stande, wöchentlich ein Quantum Koscherbutter zu liefern. Colberg, 31. Juli. Am letzten Sonntage wurde im Betsaale des jüdischen Kürhospitals in Gegenwart einer zahlreichen Festgemeinde, an deren Spitze der Herr Bürgermeister Kümmert erschienen war, das elfte Stiftungsfest der Anstalt durch einen feierlichen Gottesdienst begangen. Nach den einleitenden liturgischen Gesängen und Gebeten bestieg der Rabbiner Dr. Goldschmidt die Kanzel und hielt die Festpredigt iur Anschluß an den Text Job 8,7: „War auch dein Anfang nur gering, deine Zukunft wird groß, sehr groß sein." Anknüpfend an diese Worte führte der Festredner zunächst ans, daß Israel, obwohl von Hause aus nur ein kleines und winziges Volk, durch" seine Lehre von der Gottes- und Menschenliebe, die cs durch die Welt getragen, groß und unsterblich geworden fei. Im zweiten Theil seiner Predigt machte der Festredner die Anwendung auf die Anstalt, die cbenfals eine Trägerin der Gottes- und Nächstenliebe sei und darum, aus kleinen Anfängen hcrvorgegangcn, sich immer herrlicher entwickle und einer großen Zukunft entgegen gehe. Der Redner schloß mit Worten der Trauer nm den verstorbenen Dr. Hirschfeld, den dirigirendcn Arzt der Anstalt, dessen hohe Verdienste er mit tiefempfundenen Worten feierte. Die Festgemeinde folgte mit lebhafter Theilnahme und sichtlich tiefer Rührung den begeisterten Worten des Redners und erhob sich unter dem Eindruck derselben zum Gebet für die Anstalt, für König und Vaterland, sowie zur Abhaltung der Todtcnfeier für die verstorbenen Wohlthäter der Anstalt. Mit einem erhebenden Gesang schloß die Feier. — Oeste r r. -Ungar. M o n a r ch i e. Wien, 25. Juli. Dr. Justus alias Brimanus hat gestern in seiner Gefängnißzclle einen Selbstmordversuch gemacht. Der Wärter schnitt den bereits Bewußtlosen, der sich an einem Hosenträger aufgeknüpft hatte, ab. Als Grund des Selbstmordes gab er die Undankbarkeit Rohlings an. In Czernowih wurde der Vicebürgermcistcr Dr. Atlas bei Gelegenheit seines 50. Geburtstages zum Ehrenbürger ernannt. Belgien. Antwerpen. Dem allbekannten Graveur Herrn Karl Wiener wurde dahier die Ausführung der auf der hiesigen Weltausstellung zu verteilenden Medaillen überttagen. A m e r i k a. Woodland (Kalifornien), 10. Juli. Am 4. d. M. starb hierorts Herr I. Jacobs (ein deutscher Israelit) im Alter von 74 Jahren. Er hatte, nachdem er während 40 Jahre mit 3 christlichen Frauen verhcirathet gewesen, von denen 2 christliche Söhne abstammen, am 10. August 1884 eine Hekrath mit