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Der Israelit · 1885-03-30 · Heft 25-26 (30.3.1885) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 25-26 (30.3.1885)
Date
1885-03-30
Page
– (sequence 18)
Language
German
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; I XXVI. Jahrgang. ZeiLttugsnachrichtc» stufe (Vorrcsponfeettzen. C c fr c r r. - U n g a r. Nk o u a r ch i c. Wien, 27. März. Der liier crfdiciiteiiöCH ..Ccftcrretd)ti ei)eü iibdiciiidiritt" wird an» ft r a f a u ucidmcbci»: „Wir vernehmen au» sicherer Quelle, .aß in dem Prozesse de» Moses Ritter, in welchem der oberste Gerichtshof eine neue Untersuchung ungeordnet hat, der r. k. Staatsanwalt von der Anklage zu ruckt ritt." — (5s ist also zu r.oücn, das; diese beklagcnswerthen Märtyrer, welche sick) ''eir drei Jahren in Hast befinden, endlich in Freiheit gesetzt werden. (Wir werden in nächster Nummer einerl ausführlichen Bericht über die ftüttgcbabten Verhandlungen des höchsten Gerichtshofes dringen. — Red.) Pcfth, 21. März. (Abgeordnetenhaus), 's r c!i n i motivirt den von ihn? eingebrachten Geievennvurf, betreffend die Niederlassung von fremden in Ungarn. Redner verweist ans den dem Entwürfe beigeschlossenen Alorivenbericht und dcliält fid) vor, aus etwaige Einwendungen seine s>',cgcnbcmerknngen zu machen, verwahrt sich jedock) ''chon jetzt gegen die in einigen Blättern ausgedrückte Ansicht, als ob sein Entwurf antisemitische'Tendenzen verfolge. Derselbe werde vielmehr ein Gegengewicht der antisemitischen Bestrebungen bilden, da die Beschränkung der Einwanderung solcher Israeliten, welche sich nicht aus eigener Kraft erhalten könnten, sondern nur durch die Ausbeutung der Unwissenheit oder der bedrängten Lage Anderer ihr Dasein fristen, and) im eminenten Interesse der heimischen Iudenschafr liegt. Durch den Entwurf werde die Niederlassung ehrlicher und tüchtiger Ausländer nick)t behindert. Er beantragt, den Entwurf der Iuftiz- Eonunission zuzuweisen. Minister-Präsident Tisza billigt vollkommen die Intention, welche Iranyi bei der Untcrbreitnng seine» Entwurfes leitete. Derselbe betreffe eine Angelegenheit, deren Regelung unbedingt nothwcndig sei, und Redner hegt selbst die Absicht, dieselbe im Nahmen de» Gemciudegcsctze» der Lösung eutgcgenzuführen. Der Gesetzentwurf über die Modisication einiger Bestimmungen de» Gemeindegesctzes wird bereits vorbereitet und wird zu Beginn der Session dem Hanse vorgelegt werden. Der Minister-Präsident ersucht daher den Vorredner, seinen Entwurf vorläufig in Schwebe zn lassen, da ihm die Verhandlung der erwähnten Vorlage Gelegenheit bieten wird, entweder dem Entwürfe der Regierung sick) anzuschließen, zu demselben eventuell Amendements zu beantragen oder aber seinen eigenen Entwurf aufrecht zu erhalten. (Allgemeiner Beifall.) — Iranyi erklärt sich von den Äeußerungcn de» Minister-Präsidenten befriedigt. Der Entwurf wird in Folge dessen in Schwebe belassen. Budapest. Wie wir im .Orosliazi Küzir.ny" lesen, ist der Inspector der dortigen evangelischen Kirche, Dr. Alexius Lützl«, von seiner Stelle znrückgetreten und motivirt er diesen Entschluß hauptsächlich damit, das; im Gemeindeleben und auch auf kird)lichem Gebiete eine Richtung sick) geltend macht (der Antisemitismus), die mit seinen Principicn und seinen Ansichten hinsichtlich der Kirche, sowohl aus allgemein menschlichem, wie an» dem Gesichtspunkte de» Protestantismus in Widerspruch steht. In einem länger», an die Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde gerichteten Schreiben, worin er seinen Rücktritt begründet, heißt es: „Wer ist berechtigt, Jemanden wegen seiner Geburt zu verurtheilen, wer ragt so hoch über alle Menschen empor, das; er berufen wäre, da» Volk anfzuhetzen? Hat er bedacht, das; jeder Tropfen Blute», der auf diese Weise vergossen wird, zum Schmutzfleck der Menschheit wird, der Jahrzehnte lang auf den Seelen haften wird?.... Preßt es un» liidit das .Herz zusammen, wenn wir der Zeit gedenken, da mau unsere Vorfahren aus ihrem friedlichen .Heim in Qroshaza wegen ihrer Religion vertrieb, da man sie heimathslos machte in ihrem Vaterlande und da sie um den Verfolgungen zn entgehen, den Wandcrstab ergriffen und mitleidsvolle Seelen suchten, die ihnen Schutz gewähren sollten? Wenn diese Ahnen auferstünden, diese ehrwürdigen Gestalten, würden sie nickst blutenden Herzens ihre Leiden berichten, würden sie nid)t die Enkel warnen, Achnliches zu begehen?...

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