Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 25-26 (30.3.1885)
- Date
- 1885-03-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XXVI. Jahrgang. J\§ S5 & SS. Genirak - Grgan für das ortkiodoXe Indentkium. Heransgegeben von Dp. Lehmann iu Mainz. Montag, den 30. Mnrz 5045 (1885). *=» Da mit dem 1. April 1885 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, das; namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. Mir geben heute eine Doppel-Dummer, da wegen des heil. Peßach-Festcs die nächste Nummer erst Donnerstag den 9. April erscheint. Leitende Artikel. An die Kiifirer der jüd. Ärtliodorie in Ungarn. Mainz, 11. Nissan. Theure Klaubens- und Gesinnungsgenossen! Wann diese Zeilen zu Euch gelangen, dann hat schon das schöne Fest der Befreiung und Erlösung begonnen, das Fest, das alle Kinder Israels stets aufs Neue verbrüdern sollte, das Fest der Erwählung, das uns stets aufs Nene vorbereiten soll zu unserem hohen Berufe, zu sein ein Reich von Priestern, ein heiliges Volk. Die jüngsten Vorgänge in Eurer Mitte sind wohl dazu geeignet, die reine Festesfreude zu trüben und uns an die traurigen Zeiten zu erinnern, die der Zerstörung des heiligen Tempels vorausgingen, an die traurigen Zeiten des grundlosen Bruderzwistes, des unbegründeten Bruderhasses c;n reo». Geliebte Brüder! Wenn Ihr in der Anschauung übereine halachischeStreitfrage, ob 121 n:riE panru -inx (man vergleiche Schulchau Arnch, Orach Ehaiim C. 466 und die einschlägige Literatur) pn p hat oder nicht, verschiedener Meinung sind, so bekämpfet Euch auf wissenschaftlichem Wege wie es unsre Voreltern gethan, warum aber wollt Ihr Einer den Andern beschimpfen, von der Kanzel herab und in Flugblättern? In der Hauptstadt Ungarns wurden von einem der Führer seine Eollegen und Gesinnungsgenossen von der Kanzel herab in nicht zu entschuldigender Weise verklagt und beschimpft: in einem Flugblatte zieht einer der Führer ans der Provinz in unqualificiröarer Weise gegen einen benachbarten Eollegen los; ihm antworten die Anhänger des Angegriffenen mit Schimpfredeu und Verhöhnungen. In den Zeitungen finden alle diese Beschimpfungen ihren Widerhall. Theure Freunde! Fühlt und merkt Ihr denn nicht, daß solches Verfahren sich gegen die heilige Thora richtet, deren Vertreter Ihr seid? Fühlt und nierkt Ihr denn nicht, daß rux-n nscx bei ny psn auf das Schrecklichste leiden müssen, wenn die TalmideEhachamim einander die schrecklichsten Schimpfworte ins Gesicht schlendern? Die traurigen Zustände unsres Jahrhunderts sind in Deutschland, und in ihren Nachwirkungen in der ganzen Welt, durch den schrecklichen Zwist zwischen Eibeschütz und Emden zum größten Theile verschuldet worden. — Mit freudigem Stolze sind wir seit Jahrzehnten daran gewöhnt, nach Ungarn zu blicken, wo das Thorastudium in so hoher Blüthe steht, und jetzt macht die Befürchtung uns erzittern, daß durch derartige Vorgänge gegenseitiger persönlicher Herabwürdigung der vornehmsten die Jüngeren vom Thorastudium abgeschreckt werden, daß unsre Feinde triumphireu und diese traurigen Zustände dazu benütze», um die Axt au den Lebensbaum Israels zu legen. Darum, beherziget unsere Bitte und verbannet Streit lind Hader. Die Zeitungen, die bis jetzt der Streitigkeiten erwähnten, wollen nur schüren und den entstehenden Brand zu einem verzehrenden, vernichtende» Feuer anfachen. O, höret nicht mij sie! Verwendet zum Kampfe nur Waffen der Willenschaft und vermeidet die persönlichen Angriffe. Seit dem Tode unseres großen Lehrers Moscheh gibt es im Jndenthnme