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Der Israelit · 1885-03-19 · Heft 22 (19.3.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 22 (19.3.1885)
Date
1885-03-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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flrofec Summe Geldes au, damit er sich von seiner Baude trenne und mit seinem Weibe in ein fernes Land wandere, um dort ein ruhiges, rechtschaffenes Leben zu beginnen. Fetzer hatte damals dies großmüthige Anerbieten abgclehnt, theils, weit er sich den Liebesdienst nicht bezahlen lassen wollte, theils weil die Mitglieder seiner Lande an ihn und er au sic durch einen furchtbaren Gib gefesselt waren. Sie hatten geschworen, nicht von einander zu lassen und für einander einzuftchen bis zum lebten Augenblicke, es sei denn, daß die äußerste Noth sie zwinge, sich von einander zu trennen. Die Regierungen machten die größten Anstrengungen, dem Räuberunwesen ein Ziel zu setzen. Schon war ihnen das mit der Lande des schrecklichen Schiuderhannes gelungen; mit Johann Feber ging das viel schwerer, weil die Lauern und kleinen Leute, die er niemals beraubt, denen er vielmehr stets Gutes erwiesen hatte, ihn nicht allein nicht verriethen, sondern ihn und seine Leute stets warnten, so daß er von allen drohenden Gefahren vorher unterrichtet war. Vergebens hatten die Regierungen einen Preis auf's Fctzer's Haupt gesetzt, vergebens hatten sie denselben im Laufe der Zeit verzehnfacht - cs fand sich kein Vcrräther. Immer aufs Rene machten kühne Ranbanfälle die ganze Gegend erzittern, rvaS natürlich die Wächter der öffentlichen Sicherheit zur äußersten Wuth reizte. Ganze Golonnen von Gensdarmen wurden anfgeboten und hinansgesandt; allein es gelang nicht, den Schlupfwinkel der Räuber zu entdecken, und so lange dieser unentdcckt blieb, war keine Aussicht vorhanden, denselben beizukommen. Und in der Thal, nicht menschliche Klugheit und Gewalt, sondern ein Naturereignis; war es, welches den Zufluchtsort der Räuber zerstörte und die Baude zwang, sich anfzulösen. Gs war an einem Sonntagnachmittage im heißesten Sommer. Lange Zeit hatte es nicht geregnet, die Waldbäche waren versiegt und Baum und Strauch waren ausgetrocknet. Gin halbtrunkener Knecht verli.ß das Wirthshans an der Landstraße und wankte seiner Heimath zu. Am Rande des Waldes legte er sich in den Schatten der Bäume, um ein wenig zu ruhen. Gr holte sein kurzes Pfeifchen hervor, schüttete die Asche und die Tabaksüberrestc aus dem Pfeifenkopfe und stopfte ihn aufs neue mit Tabak voll, den er in einer Fischblase bei sich trug. Daun nahm er Feuerstein, Stahl und Zunder. Gr schlug, daß die Funken stoben; aber der brennende Zunder entfiel seiner Hand, und der Halbtrunkene schlief ein, ohne die Pfeife angezündct zu haben. Der für den Tabak bestimmte brennende Zunder fiel unter die nniherliegenden, vertrockneten Blätter. Gin leichter Südwestwind blies die glimmenden Blätter bald zur Flamme an. Gs währte nicht lange, so schlängelten sich die feurigen Zungen durch den Wald; trockene Aeste, die in großer Menge nmherlagen, wurden vom Feuer ergriffen. Immer stärker wurde die Glnth und selbst die alten Baumriesen singen an zu brennen. Gin Waldbrand entstand. Immer weiter trieb der Wind das Feuer. Unter schrecklichem Geschrei entflohen die Thiere des Waldes, während die Vögel, von den Flammen angczogen, um diese herumflogen, bis ihre Flügel versengt wurden und sie selbst in die Glnth stürzten. Gine ungeheure Rauchsäule stieg empor. Von allen Seiten eilten die Bewohner der Gegend herbei, das schrecklich-schöne Schauspiel jammernd betrachtend, ohne helfen zu können. Tie Lande Johann Fetzers war im Lager versammelt; es wurde für die Nacht ein großer Gonp vorbereitet. Die Kundschafter hatten berichtet, daß die Kriegskasse eines französischen Regiments unter nicht allzugroßcr Bedeckung des Weges ziehen würde. Johann Fetzer wollte das Wagestück unternehmen und den Besiegern Guropas die Kriegskaffe rauben. Die Lande war bis zu hundert Mitgliedern herangcwachsen, wohl bewaffnet und gut einerercirt. Johann Fetzer stand in der Mitte seiner Leute und theilte Befehle ans. Ta drang ein brandiger, harziger Geruch zu ihm herüber. Johann Fetzer drehte sich um und erblickte die anfstcigende Rauchsäule. „Ter Wald brennt!" schrie er, „die Gensdarmen haben den Wald angezündet, um uns zu vertreiben!" Gin furchtbarer Schrecken ergriff die Mitglieder der Lande. „Der Wind treibt die Flammen direct hierher!" riefen sie fast einstimmig. „Wir sind verloren, verloren!" „Gegen Menschen können wir kämpfen", sagte Fetzer, „aber nicht gegen des Feuers Gewalt." „Hanptmann", sägte Jockel, „wir müssen uns trennen; es bleibt nutz nichts übrig. Löse den Gib! Für die Ginzelnen ist Gntkonlinen möglich, nicht aber für die Bande." „Gs ist so", sagte ein anderer Räuber. „Hauptmann, löse den Gid." „Ist das Guer Wille-" fragte Fetzer. „Ohne Lager," nahm Heinz das Wort, „sind wir verloren. Nicht einen Tag können wir uns halten. Bis wir einen andern Schlupfwinkel gefunden, sind die Meisten von uns gefangen, gehängt, geköpft, gerädert. Darum löse den Gid, damit wir uns zerstreuen und so zu entkommen suchen." „Freunde, Brüder", sagte Fetzer, „der Nothwendigke't nachgebend löse ich den Gid. Gnch über-

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