Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 18 (5.3.1885)
- Date
- 1885-03-05
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. Zweite Beilage zu Nr. 18 des Israelit. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. O. Frankfurt a. M., 2. März. Da» heute ftattgefundcue Bcgräbuiß des Rabbi Benjamin Ricdcrhoshcim >T'T gestaltete sich zu einer der imposantesten Lcichcufcierlichkeiteu, welche Frankfurt je gesehen. Tic ganze Stadt harte schon am frühen Morgen ein anderes Gepräge wie sonst. Während sonst die Gqnipageu in den Straßen hin und her zu fahren pflegen, sah man sie heute nur nach einem Punkte "sich hinbewegcn, ebenso wie die dichte Menge der aus allen Stadthcilcn zusammcnströmenden Leidtragenden. Als man in der Rechncigrabenstraßc, in welcher sich das Sterbchaus befindet, anlangte, war cs kaum mehr möglich, sich durch das dichte Gedränge hindurchzuwindcn nnd nur mit größter Mühe gelang cs dem Schreiber dieser Zeilen das Lterbcziniiner, in welchem der anfgcbahrt war, zu erreichen. Hier richtete Herr Rabbiner Hirsch v:, tiefgerührt, eine kurze "Ansprache au die daselbst Versammelten, worin er mittheilre, daß sich der edle Dahingeschiedenc zwar in seiner großen Bescheidenheit jedwede Leichenrede verbeten habe, daß es Redner aber doch nicht nntcrlassen könne, der Drancrvcrsammlung zuzurnsen, daß sie das Andenken des thenren Frommen, welcher für unsre Gemeinde j'o beispielgebend gewesen, stets bewahren möchte. Zugleich erlheilte er ihm, im Einverständniß mit dem Vorstände unserer Gesellschaft, den Titel Morönu. Nunmehr setzte sich der gewaltige Traucrzug in Bewegung, viele Straßen nnd Plätze füllend. Männer von allen Richtungen waren hier vertreten; die strengste Orthodoxie, sowie die äußerste Reologie schickten ihre Abgesandten, um diesem vielleicht populärsten Manne Frankfurts die letzte Ghrc zu erweisen. Aber es konnte auch Niemand Wunder nehmen, daß die Betheiligung eine so große, waren doch vielleicht Fünfzig Prozent der die Leiche Begleitenden durch den edlen Mann in den Bund Abrahams ausgenommen worden. Seinem letzten Willen gemäß erwarteten seine Söhne seine Leiche am Portale des Friedhofs. Neber seine letzten Augenblicke erfahre ich, daß er noch am Sabbatausgang das Vorlesen der Megilah mit angchort und alsdann die Thorarollen für die kommenden Monate „gestellt" habe. Auch drückte er noch kurz vor seinem Tode seine Freude über das herannahcndc Purimfcst aus, wie er sich ja mit jeder Mizwah besonders freute. Leider war es ihm nicht mehr vergönnt dieses Purimfcst zu feiern-, ein Herzschlag machte am Samstag Abend um 10 Uhr seinem segensreichen Leben ein Ende. O c st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Pefth. Die letzte Auszeichnung, welche in der Frcitagssitznng des Abgeordnetenhauses unserem Glaubensgenossen dem (5hcf und Schöpfer des Stcnographcnbüreau's, Herrn Gmanucl Kony zu Theil wurde, ist eine um so erfreulichere, da sie eine einstimmige war. Als der außerordentliche schmeichelhafte Bericht des WirthschaftsausschusseS des Reichstags, an dessen Spitze der Reichstags- Präsident selbst steht, verlesen wurde, erscholl die lcbhaftigc Zustimmung von alten Seiten des Hauses. Der Reichstag sprach sein tiefstes Bedauern aus, den allgemein beliebten nnd hochverdienten Chef des Stenographenbürcau's vom Amte scheiden zu sehen. Als Zeichen der Anerkennung gewährte aber der Reichstag dem Scheidenden die lebenslängliche Pension von 3000 Gulden jährlich. Der Bericht wurde einstinunig nnd mit lebhaften Gljenrufen - angenommen. Jetzt ergriff Desider Silati das Wort, um die Verdienste Kony's mit noch schmeichelhaftcreu Worten zu würdigen nnd ihm den Dank des Reichtags ansznsprechen, was vom ganzen Hanse mit lebhafter Zustimmung anfgenommcn wurde. Das ist gewiß eine seltene Auszeichnung, die einem jüdischen Beamten je widerfahren ist. An die Stelle Kony's tritt Herr Adolf Veniseschi, ebenfalls Jude, ein würdiger Mitkämpfer Kony's, der im Verein mit diesem das Steuographcnbüreau begründet hat. Pefth. Unter dem Vorsitze Moritz Wahrmann's fand jüngst die diesjährige Generalversammlung der Pesther isr. Religionsgcmcindc statt. Dem Berichte des Vorstandes über die Geschehnisse des verflossenen Jahres entnehmen wir folgende Daten: Es wurden geboren 1093 Knaben und 1040 Mädchen, zusammen 2139, gestorben sind 793 Männer nnd