Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 17 (2.3.1885)
- Date
- 1885-03-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Zoi-auu Seher. (Gine wahre Legeben hc i t.) Mitgerheilt von Nathan .»kellkr. III. Nachdem Perl dem jungen Uffenheim in so unzweideutiger Weise ihre Meinung zu erkennen gegeben hatte, begab sie sich!« den hinter dem Dause gelegenen (Karten, um in frischer Luft und unter freiem Himmel ihre Aufregung zu bemeisteru. Gerade kam Moses von einem Geschäftsgänge zurück und nahm seinen Weg durch den Garten, um durch die Hinterthüre tu das Haus zu gelangen. Als Perl ihn erblickte, lies sie ihm entgegen. „Moses," sagte sie, „soeben hat Herr Uffenhcinl um meine Hand angehatrcn." „Ich habe das erwartet." eutaegnere Moses kleinlaut. „„Und das sagst Du so ruhig?„" „Was soll ich dagegen thuu?* „„Du sollst mit demLaler reden und bei ihm um mich werben."" „Wie ich den Later kenne, wird er in übermäßigen Horn gerathe» und »ns für immer von einander trennen. Ter Later ist der beste Mensch der Well, mein Wohlthätcr, dem ich Alles verdanke; allein, er ist stolz auf seinen Neichthum, und ich bin ein armer Junge, der nichts besitzt, als das, ivas ich seiner Güte verdanke. Gr wird nie seine Einwilligung zu unserer Verbindung geben. Und ich, ich möchte ihn nicht kränke»." „„Auch ich möchte meinen Later nicht kränken. Tn weißt, ich bin eine gehorsame Tochter, iinb mein heißestes Bemühen ist es, meinen Eltern Freude zu mache». Allein hier, da cs sich um das Glück meines ganzen zukünftigen Lebens handelt, würde ich ein Unrecht begehen, weil» ich mich, meilie« eigenen Gefühle» entgegen, dem Wunsche meines Vaters fügen ivürde."" Moses konnte llichts entgegnen; das Dienstmädchen kam herbei und berichtete, daß Herr Scholem seine Tochter zu sprechen wünsche. „Da Du Dich zu reden fürchtest," sagte Perl zu Moses, „so werde ich mit dem Later sprechen und ans meinen Gesinnungen kein Hehl machen." Bei diesen Worten entfernte sie sich, um ins Hans zu gehen. Moses sah ihr bekümmert nach. „Möge Gott alles znnt Guten wenden," sprach er vor sich hin. „Herr Uffenheim ist soeben abgereist!" Mit diesen Wor.ten empfing Herr Scholem seine Tochter „„Ah das ist schönrief Perl erleichtert aus. „Du Haft ihm ein Korb gegeben'? Warum hast Du das gethan?" „„Weil ich ihn nicht lieben kann, Later."" „Und warum kannst Dn ihn nicht lieben? Was hast Dn an ihm ausznsetzen? Gr ist jung, reich, schön, gebildet, von guter Familie. Du solltest Dich glücklich schätzen, daß ein solcher Mann um Dich wirbt." „Ich habe an Herrn Uffenheim gar nichts ansznseseu, allein, ich liebe ihn nicht." „Das sind romantische Ideen, welche Dir die verwünschten Bücher in den Kopf gesetzt haben. Mein Onkel Salme hat seine einzige' Tochter, sie heißt auch Perl, nicht schreiben und nicht lesen lernen lassen. Gr sagte immer, wenn die Mädchen nicht schreiben können, so schreiben sie auch keine Liebesbriefe. Ich habe oft darüber gelacht; jetzt möchte ich beinahe wünschen, seinen Grundsatz zn dem mehlige» gemacht zu haben; deine romantischen Ideen würden dann nicht meine schönsten Pläne durchkreuzen. Siehe, mein liebes Kind, ich will ja nur Dein Glück, und deßhalb rathe ich Dir, daß Dn dem jungen Uffenheim Deine Hand reichst. Ich würde dann meine Liegenschaften hier verkaufen und mit der Mutter ebenfalls nach B. ziehen. Man hat ja hier ans dem Lande kein rechtes Leben und gar nicht die Gelegenheit, sein Bischen Wohlstand zn genießen. In einer großen Stadt findet man gebildeten Umgang und tausend andere Annehmlichkeiten." ,„/Ich weiß, geliebter Later, daß Du nur daran denkst, dafür Sorge zu tragen, daß ich recht glücklich werde; allein, was wollen alle Annehmlichkeiten des Lebens bedeuten, wenn man sie an der Seite eines ungeliebten Mannes genießen soll?"" „Warum willst Dn aber den Mann nicht lieben, den ich Dir ausgesucht habe? Hast Dn vielleicht schon eine andere Wahl getroffen?" „„Ja, Later, das habe ich."" „Da bin ich doch begierig, zn erführen, Werdas sein könnte. Hier in der Stadt ist Niemand, der es wagen dürfte." „„Ich liebe meinen Pffegebrnder Moses.""