Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 14 (19.2.1885)
- Date
- 1885-02-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Gehilfen anszunehmen. Ans Davids Zureden machte sein Vater von dem in jener Zeit sehr kostbaren Privilegium der Freizügigkeit in Böhmen Gebrauch und übersiedelte nach der seinem Heimathsortc nahegelcgeneu Badestadt. Wie wir wissen, hatte der umsichtige, für die Zukunft seines Sohnes besorgte Beit Blochner, jenen von früher Jugend an die Handlung regelrecht in Prag erlernen lassen und David war im Besitze eines vom^ Prager Handelsprämium ansgestellten Lebrzeugnißes, und eines Ältestes, daß er bei einem prvtokollirtem Kaufmann als „Subjekt, servirt" hatte. Gr konnte daher um das „Handelsrecht" eiuschreiten und in der neuen .Heimath ein schon größer angelegtes Geschäft unter der handclsgcrichtlich protokollirten Firma „Beit Blochner u. Sohn" eröffnen. Trotz ihres Domicilwechsels hatten die Blochners, noch einen großen Thcil ihrer Landkundschaften erhalten. Die reichen Bäuerinnen, und ganz besonders die Bcamtcnfranen aus der Umgebung blieben ihnen treue Kunden und waren froh einen willtommcueu Borwand zu finden „des billigen Kaufes wegen" nach der schönen Badestadt zu fahren, wobei (es soll dieS im Interesse der Wahrheit um so weniger verschwiegen werden, alS der geehrte Leser das auch wohl errathen hätte) die höchst passende Gelegenheit reichlich benützt wurde, sich von Freundinnen zu einem guten Kaffee laden zu lassen, Theater, Goncertc, Sehenswürdigkeiten, Gesellschaften zu besuchen, "mit einem Worte sich nach besten Kräften höflichst zu amüsiren, - und die alten Landkunden führten den BlochnerS, durch ihre Empfehlungen auch noch treue zu. Ta die Blochner rationelle Geschäftsleute waren, gute und geschmackvolle Waaren führten, der jüngere Ebef ein schöner Mann, als gewesener Soldat, der viele Schlachten mitgemacht, interessant zu erzählen wußte und allgemein beliebt war, hatten sie bald auch unter der städtischen Bevölkerung und unter den Kurgästen einen weiten Kundenkreis gewonnen, betrieben nun ihr Geschäft auch eii gros, und als endlich die lang ersehnte Ghcbewillignng für David Blochner und Lea Morin herabgelangt rvar, und man daran gehen tonnte, die gesetzlich vorgeschriebenen Aufbietungen au drei aufeinanderfolgenden Samstagen vorznnehmen und den Hochzeitstag zu bestimmen, war David Blochner ein wohlhabender Mann geworden. David Blochners Hochzeit sollte mit großer Feierlichkeit begangen werden, und es waren zu dieser schon viel früher Ginladungen an alle Freunde, Bekannte und Gönner ergangen. Der edle, tolerante, menschensrenndliche Pfarrer Glisander, erschien trotz seiner achtzig Jahre nicht nur bei der Trauung, sondern auch bei der Hochzeitstafel. Bei diesem wurde die Tischgesellschaft und namentlich der Bräutigam in angenehmster Weise durch 'einen unerwarteten Ankömmling und und dessen Botschaft überrascht. Oberstlieutenant Monhanpt, ein zweinndsiebenzigjähriger Herr, der seines Gichtleidens wegen sein Ruhegehalt in der Badestadt verzehrte, und den die Familie bisher nur dem Namen nach gekannt hatte,, erschien, und erklärte: im Namen und Austrage seines BetterS des pcnsionirtcn General Snck, des ehemaligen Negimentskommandantcn des Bräutigams zu kommen. Jener — General Snck — habe mit Vergnügen die GinladungSkarte znr Hochzeit erhalten, und sende dem Manne, der ihm vor drei Jahren znm zweitenmal das Leben gerettet, nebst seinen besten Wünschen ein Hochzeiksgeschenk, einen großen, schönen, silbernen Pokal. Ans der Vorderseite desselben war ein Dragonerhelm, darunter zwei gekreuzte Säbel und die Worte: „Seinem Lebensretter dem ehemaligen k. k. Wachtmeister David Blochner zmn Hochzeitsseste, sein dankbarer ehemaliger Regimentskommandant Genera! Snck", — eingravirt aus der Rückseite „2u. August 1813 und 22. Mai 1809", die Jahrestage der Schlachten bei Kulm und Aspern. Das lang entbehrte Glück war nun bei der schwer geprüften Familie Blochner dauernd eingekchrt. Davids Ehe war eine glückliche, gottgesegnete. Seine Frau beschenkte ihn mit schönen und wohlgerathenen Kindern und seine Gltcrn erlebten an ihrem Sohne und an ihren Enkeln Glück und Freude, und da jene ein hohes Alters erreichten, ward es ihnen auch vergönnt, ihr ältester Enkel, Davids Tochter, die sich einem wacker» Arzte vermählte, unter den Tranhimmel führen zu sehen. Nach dem Ableben seiner Gltcrn, fand es David Blochner für zweckmäßig, sein constant wachsendes HaudlnngSgeschäft, welches im Lause der Zeiten große Dimensionen angenommen hatte, nach der Residenz zu verlegen, und nahm, da die Leitung desselben einer Kraftverstärkung bedurfte, seineil zweiten Schwiegersohn, einen intelligenten gebildeten Mann zum Affocis. David Blochner war stets ein kluger Mensch gewesen, der sich unter den schwierigsten Lebensverhältnissen einen gewissen Grad allgemeiner Bildung angckgnet hatte, und war ein lebenserfahrener Mann geworden. Er erzog seine begabten und gntgearteten Kinder zu tüchtigen und vortrefflichen Menschen, und da er ein hohes Alter erreichte nnd mittlerweile in Oesterreich eine neue Aera anbrach, ward ihm auch das Glück zu Thcil, einen Schwiegersohn