Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 100 (18.12.1884)
- Date
- 1884-12-18
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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— 46 — Alliance noch immer fern, obwohl der Jahresbeitrag —fünf Mark — ein so geringfügiger, dass selbst der wenig Begüterte, ohne sich ein besonderes Opfer damit anfzuerlegen^ihn zu leisten vermag. Vielleicht mag zu der bisherigen, relativ geringen Betheiligung so vieler wohlhabendem jüdischen Gemeinden der Umstand mit beigetragen haben, dass die Ziele und Zwecke der. Alliance noch * immer nicht hinlänglich .bekannt; es es sei darum hier, nebst den „Statuten", das Schriftstück zur weitesten Kenntnissnahme wiedergegeben, das gewissermassen als die Gründungs ^Urkunde der Alliance angesehen werden kann. Ich kenne keinen heisseren "Wunsch, als dass diese Veröffentlichung dazu beitragen möchte, der Alliance Tausende von Mitgliedern zuzuführen. Separatabdrücke des Aufrufs, wie der Statuten, stellt der. Unterzeichnete Jedermann in beliebiger Anzahl zur Verfügung, ebenso ist derselbe zur Ertheilung von Auskünften in allen die Alliance betreffenden Angelegenheiten jederzeit freudig bereit. Dr. Adolf Salvendi, Mitglied des Ceniral-Comitfö. Aufruf der Alliance vom Jahre 1860. Theuere Glaubensbrüder! "Wenn Ihr, obgleich über den ganzen Erdboden verbreitet und unter allen Nationen zerstreut, dennoch mit ganzem Herzen zugethan bleibet der alten Beligion Eurer Väter, wie schwach auch sonst das Band sei, das Manche von Euch zurückhält; — Wenn Ihr Euren Glauben, nicht verleugnet, Euren Gottesdienst nicht verheimlicht und bei dem Namen „Jude" nicht, wie schwache Seelen, erröthet; — Wenn Ihr verabscheuet die Vorurtheile, die wir noch zu ertragen haben, und die Vorwürfe, die erhoben werden, und die Lügen, die man immer wiederholt, und die Verleumdungen, die man ausstreut, und die Bechtsverweigerungen, die man rechtfertigt oder entschuldigt; — Wenn Ihr glaubet, dass die einfachste und älteste der spiritualistischen Beligionem berechtigt ist, ihre Stelle zu behaupten, ihre Mission zu »erfüllen, ihr Becht zu proclamiren und ihre Lebensfähigkeit an’s Licht zu bringen, inmitten der immer thätigeren grossen Bewegung der Ideen, inmitten des stets heftiger werdenden Kampfes der durch die moderne Gesellschaft geschaffenen Theorien; — Wenn Ihr glaubet, dass der erhabene Gedanke und der strenge Cultus des einzigen Gottes, deren älteste Bewahrer und standhafteste Veitheidiger wir sind, geschützt werden müssen gegen die eigennützige Berechnung sowohl, wie gegen die Angriffe des Zweifels und Indifferentismus; — Wenn Ihr behauptet, dass die Freiheit des Gewissens, dieses Lebenselement der Seele, nirgends besser für alle Menschen gewahrt ist, als in jenen Ländern, wo die Juden im vollstem Besitze derselben sind; — Wenn Ihr meinet, dass der Glaube seiner Ahnen ein für Jeden heiliges Erbe ist, dass eigener Herd und eigenes Gewissen unverletzbar seien, daher man Dinge, wie man sie jüngst erst erleben musste, nicht mehr mit ansehen dürfe; — Wenn Ihr fühlet, dass die Eintracht ein hohes Gut ist, und dass Ihr, wenn auch verschiedenen Nationen angehörend, Eure Gefühle, Eure Wünsche und Eure Hoffnungen als Israeliten dennoch vereinigen könnet; — Wenn Ihr der Ansicht seid, dass Ihr auf gesetzlichem Wege, durch die unüberwindliche Kraft des Bechts und der Billigkeit, ohne die geringste Unrahe zu veramachen, ohne irgend «ino