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Der Israelit · 1884-11-10 · Heft 89 (10.11.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 89 (10.11.1884)
Date
1884-11-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1465 „Scha1), Rebb Dr. Cervusleben!" — schrie Rebb Jauno aufgebracht, — „versündigt Euch nicht! Chleben%I) Ihr habt schon an die frühere Awcraus tauscht) gerade genug. Aber hakkodausch-boruch-hu^) hat Euch diese manche! gewesen^). Warum wollt Ihr die Gyaures') Soroh^)leben nicht manche! sein, as^> sie nebbich zu arm ist, eine schöne Dire") im ersten Stock zu beziehen. „Nur ruhiges Blut, mein lieber Nebb Jauno!" — sagte Dr. Cervus lächelnd. — „So war es doch nicht genieiut. Ich wollte ja durch meine Bemerkung blos meinem Schmerze Ausdruck geben, wie sehr ich es bedauere, daß die arme Martha gezwungen war, eine solche Wohnung zu beziehen; sonst nichts! Wollen Sie nicht die Güte haben anzuklopfen, denn ich denke, wir sind schon am Ziele unserer Himmelfahrt!" Oser") weiß ich es!" — schrie Nebb Jauno, bedenklich den Kopf schüttelnd — „wo wir klopfen müssen. Jomkippur klopfe ich auf meine Brust, an gewöhnlichen Tagen mit dem Schlüssel an die Schulthür. Wo soll ich jetzt klopfen, vielleicht auf JhreSchedre'-)?" „Für eine solche Liebcsbezengnng möchte ich doch höstichst danken!" — entgegnete der Doctor mit lautem Auflachen — „Aber ist denn gar keine Thür? oben vorhanden? Sehen Sie doch einmal nach, lieber Nebb Jauno!" „Eine Thüre ist schon hier oben da!" — sagte Nebb Jauno. — „Auch eine Mesuso ist da, aber-—!" „Aber V" — wiederholte Dr. Cervus erstaunt. — „Man hat Ihnen doch unten bestimmt gesagt, daß Marha Stein hier oben wohne. Ist cs nicht so?" — „Ich soll leben!" — versicherte Nebb Jauno, seine Hand auf die Brust legend — „So hat es mir die Baleboste") beemcs ") gesagt, aber-!" „Schoil wieder ein aber!" — sagte Dr. Cervus ärgerlich. — „So klopfen Sie doch an!" „Ich soll leben!" — bethcuerte Nebb Jauno. — „Ich will ja klopfen wie die Jungen den Homon klopfen, aber ich habe den Schnlschlnssel mit- I) Von Schooh, Zeit, oder schoho, säumen, wird im jüdisch-polnische» Dialect für .silentium gebraucht. 2) Co wahr ich lebe; jüdisch-polnisch. 3) Sünden. 4) Factisch, jüdisch-polnisch. 5) Ter Heilige, gelobt sei er. 6) Verziehen. 7) Proselytin. - 8) Rebb Jauno nannte Martha Sara, weil sie bei ihrem Nebcrtritt zum Judenthum diesen Namen angenommen halte. 9) Daß; jüdisch-polnisch auch in Deutschland gebräuchlich. 10) Wohnung. 11) Ein Schwur. 12) Rücken. 13) Hausherrin. 14) In der Thal. ' zunchmen vergessen. Womit soll ich denn klopfen, Nebb Doctor Cervusleben?" „Hä! hä, ha!" — lachte Dr. Cervus.'— '„Nun. so klopfen Sie doch mit der Hand an!" „Mit der Hand?" — frug Nebb Jauno ganz verblüfft. „Nun ja!" entgegircte Dr. Cervus ungeduldig. — „Ja mit der Hand. Nur zu, lieber Nebb Jauno, die Thüre hier ist ja keine Synagogen-Thüre!" „Ich soll leben!" — schrie Nebb Jaunound schlug sich vor die Stirn, „ich bin ein großer Chamaur bcli schmain roho Nebb Dr. Cervusleben hat Bewade recht!" Er trat zu der Thüre, klopfte zuerst leise, als aber kein Hereinruf erfolgte, klopfte er stärker und stärker, als er auch dann keine Antwort erhielt, sagte er zu Dr. Cervus gewendet: „Ich Hab' mauroh n), bcife die Gianres nicht im ChederIS) ist, denn ich soll leben, ich Hab' garstark geklopft!" Dr. Cervus, der mit steigender Beklemmung die Erfolglosigkeit des dröhnenden Klopfens Nebb Janno's vernommen, tastete an die Thüre und stieß sie heftig auf und siel seiner Lange nach in das Zimmer und schleifte den Nebb Jauno, der ihn vor einem Falle schützen wollte, mit sich, so daß sie beide in reizender Lage vor den Füßen der wie tobt dasitzenden Martha sich auf den Boden wälzten. ' „Guten. Tag, Gkaurcsteben!" — schrie Nebb Jauno, während er vom Boden aufsprang — „Ich hob Ihnen einen choschcwen Chosen mktgebracht, den Dr. Nebb Cervus soll leben, denn — — —!" „Daß Sie das Donnerwetter sammt dem Chosen hole!" brauste Dr. Cervus ärgerlich auf — „scheeren Sie sich zum Kukuk, Sie Esel!" „Liebe Martha!" — sprach er dann sanft und weich und berührte Martha's eiskalte Hand. — „Ich vermag Dein liebes Gesicht nicht zu sehen, denn das Licht meiner Augen ist erloschen. Aber Du, liebe Martha, kannst die Bewegung meines Innern von meinem Gesichte lesen. Sieh' liebe Martha, es steht vor Dir, Nndolph, Dein Jugendfreund, nicht der verschmähte Liebhaber. Rudolph, Dein Jugendgefährte, mit derselben Liebe und Treue wie damals, als wir wie toll in dem Garten herumsprangen. Es zag mich schon tauge unwiderstehlich, Dich anfznsuchcn und Deine liebe Stimme zu Horen, denn sehen können Dich ‘ meine Äugen, nicht. Als aber Dr. Stein, unser Rabbiner, von 15) Ohne Neid. 1«) Gewiß. 17) Furcht. 18) Zimmer.

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