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Der Israelit · 1884-10-20 · Heft 83 (20.10.1884) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 83 (20.10.1884)
Date
1884-10-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXV. Jahrgang. er Israelit. M 83. Genirak - Organ für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegebeu von I)r. Lehmaun in Mainz. t outag, de« L«. Oktober SS4S (1884). £ Bezugsbedingungen und ZnhattSverzeichuiß befinden fich am Schluffe des Hauptblattes. ^8 L e i t eudeArtikel. Me Berliner Kntifemitenfüssrer. Berlin, 15. October. Die deutschen Reichtagswahlen stehen nahe bevor. Hier, in der Metropole des deutschen Reiches und des Judenhasses, wird der Ausfall der Wahle» resp. das Zahleuverhältniß der Stimmen die Entscheidung darüber bringen, in wie weit die sog. antisemitische Bewegung erstattt oder geschwächt ist. Es ist Ln diesem Blatte bereits mehrfach hervorgehoben worden, daß die vornehmeren couservativen Organe Herrn Stöcker und seine Gesellschaft von ihren Rockschößen abschütteln und den Antisemitismus als eine ziellose und gefährliche Agitation verdammen. Recht interessant dürste es daher sein, jetzt, seitdem der Antisemitismus sechs Jahre hindurch seine wüsten Orgien gefeiert, einmal rückwärts zu schauen und die antisemitischen Führer wie ihre Erfolge Revue passiren zu lassen. — Als Herr Stöcker im Jahre 1878 seine erste Brandrede hielt, angeblich, weil der Stadtverordnetenvorsteher Straßmann kirchliche Einrichtungen der christlichen Religion verhöhnt hatte, secundirte ihm damals als lauter „Rufer im Streite" der Schneidermeister Grün eb erg. Doch nicht lange währte die Herrlichkeit des ehrsamen Schneiders. Er vertauschte bald die dunstgeschwängerten Bierlokale, Ln denen er seine Tiraden hielt, mit der Wen Zelle in Plötzensee, und heute, nach sechs Jahren, veröffentlicht derselbe „Mitarbeiter" Stöckers in den „Demokratischen Blättern" Memoiren, die recht interessante Schlaglichter auf den Herrn Oberhofprediger werfen und z. B. die Verbindung der Königsmörder Hödel und Robiting mit der von Stöcker ins Leben gerufenen christlich-socialer Partei bemessen. Nachfolger des Herrn Grüneberg wurde Rnpp el, der in seiner nunmehr verflossenen „Ostendzeitnng" die deutsche Sprache um einige hundert der graziösesten Schimpfwörter bereicherte. Auch er wurde bald „zu den Tobten geworfen." Bon seinen antisemitischen Freunden allsgepfändet, wanderte er wegen Beleidigung aller möglichen Personen oder Behörden hinter die stillllmfrkedeten ' Mauern von Plötzensee. Nach Absolvirnng der halben Gcfängnißstrafe wurde er auf ein Gnadengesuch feiner des Ernährers beraubten Gattin vom Kaiser begnadigt.. Herr Nuppel ist jetzt eine politische NM und befindet sich überdies in persönlichen Verhältnissen, wie er sie wahrlichnicht verdient, denn — er handelte im Drenste eitles Höheren. Herr Dr. Förster, Oberlehrer a. D., gesellte sich als Dritter zum Bunde. Er hielt lnehrere Reden, und versuchte, doch vergebens, die schönen germanischen Zustande aus Karls des Großell Zeiten, wo bekanntlich jeder erste Synagogenvorsteher sich an den Pforten der Kirche ohrfeigen lassen mußte, wieder herzustellen. Verzweifelnd an der Rettung seines Vaterlandes, kehrte er den undankbaren Brüdern den Rücken, um in Amerika „Neu-Germanien," ein neues antisemitisches Weltreich zu gründet!. Herr Liebermann von Sonnenberg erstand nunmehr als Rächer seiner Freunde. . Ihm war einmal die Ehre beschieden, in Berlin als Reichstagskandidat durchzufallen; seit sdieser Zeit schweigt er unermüdlich und nur dann hört man etwas von ihm, wenn er wegen beleidigender Artikel in seiner unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erschek- I nenden „Neuen Deutschen Volkszeitung" zu einer gewissen Geldsumme resp. Haft verurlheitt wird. Biele, andere anissemitische Blätter, die gegründet wurden, j fr

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