Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 73 (11.9.1884)
- Date
- 1884-09-11
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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' XXV. Jahrgang. Zweite Beilage zu Nr. 73 des Israelit. Zertrrngsnachrichteu und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, Anfang Scptenibcr. Zu der viel besprochenen Frage der Ausweisung russischer Unterthanen aus Berlin weiß der Korrespondent der „Moskowskija Wedomosti" über folgenden Fall zu berichten: „Ein russischer Unterthan, mosaischer Konfession, Bäckergesell, erschien in der russischen Botschaft und theilte mitz man habe ihn aufgefordert, Berlin zu verlassen. Sein Paß war in Ordnung. Da die Botschaft in dieser Hinsicht keine Instruktionen hatte, so ftagte sie bei der Polizei um die Ursache der Ausweisung an und erhielt zur Antwort, „well der betreffende Bäckergesell keine Mittel zmn Lebensunterhalt habe." Der Meister des Bäckergesellen wurde gerufen und dcponirte, daß sein aus Rußland stammender Geselle sich hinreichend viel bei ihm erwerbe, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Der Ausweisungsbefehl wurde in Folge' dessen 'zurückgezogen. . Das ist der einzige Fall, in welchem sich ein russischer Unterthan, der ausgewiefen werden sollte, an die russische Botschaft gewendet hat: und die russische Botschaft hat bewiesen, daß sie auf Wahrung der Interessen russischer Unterthanen bedacht ist, ganz abgesehen davon, welche gesellschaftliche Stellung die betreffende Persönlichkeit einnimmt. Einige Personen erschienen im russischen Konsulat, wiesen die von ihnen erhaltenen Ausweisungsbefehle vor und ftagten, was sie zu thun hätten. Das Konsulat hatte keine Instruktionen und wandte sich daher um Aufilärung an die Polizei, die prüfte die Ausweisungsbefehle und nahm in Bezug auf drei Personen die Aus-. Weisungen zurück. Der Fall in Bezug auf eine dieser Personen hat besonders großes Aufsehen erregt. Es handelte sich um einen Dr.F., der einen Auftrag von einem russischen Reffort hatte. Das war den deutschen Behörden unbekannt." Greifswald, 22. August. Prof. Dr. Ludwig Behrend, dessen Wahl zum Rektor der hiesigen Universität vor Jahresftist sehr viel von sich reden machte, hat einen Ruf an die Breslauer Universität erhalten und angenommen.^ r v- Erfurt, 6. September. Verflossenen Freitag wurde die hiesige, neuerbaute Orgel-Synagoge eingeweiht. Die Rabbinen Dr. Krön er und Dr. Karo vollzogen den Weiheakt. — Zehn Familien haben sich zu einer Separat-Gemeinde vereinigt und einen besondern Gottesdienst eingerichtet, weil sie die Reformsynagoge nicht besuchen werden. Möge diese junge, gesetzestreue Gemeinschaft erstarken und zu hoher Blüthe gelangen! : , Hamburg, 4. Sept. Zum isr. Altershause, welches an der Louisenstraße erbaut werden soll, wurde vorgestern Nachmittag in feierlicher Weise in Gegenwart des Gemeindevorstandes und der Berwaltungsmitglieder der Grundstein gelegt. Die erste Anregung zur Errichtung eines solchen Heims, das zunächst zur Aufnahme von 28 Greisen eingerichtet werden soll, wurde vor Jahren durch Jsaac Hartwig v. Essen durch Aussetzung eines Legats von Rubel 25000 gegeben. Nachdem dann später noch. ein anderes- Legat von M. 15000 hinzugekommen, hat jetzt E. Edwards durch Zuwendung einer Stiftung von über M. .200,000 es ermöglicht, daß der humane Gedanke endlich zur Ausführung gelmigen kann.. - Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 31. August. Die Söhne Anton Ascher's richteten vor einiger Zeit an den Rabbiner der israeliüschen Kultusgemeinde Herrn Dr. Güdemann eine Eingabe, in welcher sie um die Erlaubniß ansuchten, auf dem Grabdenkmal Anton Ascher's daS Porttättncdaillon des Künstlers anbringen zu lassen. Das Gesuch wurde abschlägig beschieden , da die Verzierung der Grabdenkmäler durch bildliche Darstellung nach dem jüdischen Ritus unstatthaft sei. Der abweisliche Bescheid veranlaßte die Söhne Ascher's, an das Plenum der jüdischen Kultusgemeiude zu appelliren, welches in den nächsten Tagen fein Votum in dieser Angelegenheit abgeben dürste. Rußlan d. Es ist eine bezeichnende Thatsache, daß in Rußland die Errichtung von wohlthätigen Anstalten