Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 46 (9.6.1884)
- Date
- 1884-06-09
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Verkehr in Palästina im Jahre 5642.*) Bericht des Herrn Sela Meril, amerikanischer Gonsul in Jerusalem, enthalten in den Jahrbüchern der amerikanischen Regierung. 3h diesem Lande hängt Alles vom Regen ab. Regnet es viel und rechtzeitig, so ist Alles billig und das Jahr ist ein gesegnetes; regnet es aber wenig oder nicht rechtzeitig, so nimmt Theuerung überhand und die Bewohner verarmen. Dieses Jahr kam der Regen rechtzeitig und in. genügender Menge, und die Ernte war gut. Dennoch waren die Lebensmittel um 25 Prozent gestiegen, weil wegen des Krieges in Egypten viel "Weizen aus Palästina geführt wurde. Aber auch der Arbeitslohn stieg in entsprechender Weise und ebenso der Werth der liegenden Güter. Vieh wurde dieses Jahr gar nicht ausgefuhrt, denn die Regierung hatte jeden Viehexport während des Krieges untersagt. Ohne dieses Verbot könnten jetzt viele Schafe aus dem östlichen, jenseits des Jordans liegenden Theile ausgefuhrt werden. Denn dieses Land, welches als öde und wüst gilt, hat Weideplätze für Tausende von Scliafheerden, die nach Egypten und den übrigen Grenzländem oder nach überseeischen Ländern verkauft werden. Die Einnahme fax Zoll in dem Palästinensischen Bezirke allein beträgt dieses Jahr 100,600 türkische Lira. (Die Lira beträgt 25 Frank). Von diesem Gelde wurde ein Theil nach Konstantinopel, ein Theil nach Damaskus geschickt und das Uebrige im Bezirke selbst ■ verwendet. . . Von den Fuhrwerken, die von Jerusalem nach Jaffa,gehen, hat die Regierung dieses Jahr an Strasseiigeld 1750 Lira eingenommen, welches zum geringen Theil auf die Verbesserung der Wege verwendet worden ist; dieselben sind übrigens trotzdem in sehr schlechtem Zustande. Was besondere Beachtung verdient, ist, dass sich die Verhältnisse der Bewohner Jerusalems täglich bessern. Es werden viel neue Häuser gebaut und viele alte reparirt. Wer ein neues Haus bauen oder ein . altes repariren will, muss die Erlaubniss der Obrigkeit einholen. Während 7 Monate (von Nissan bis Tischri) hat dieselbe folgende Bewilligungen ertheilt: 1. Innerhalb der Stadt: 13 Reparaturen, 15 Vergrößerungen vorhandener Gebäude, 14 Neubauten. — 2. Ausserhalb der Stadt: 2 Reparaturen, 13 Erweiterungen, 51 Neubauten. Oft verbinden sich Leute, um, wie sie das nennen, ein gemeinschaftliches Gebäude aufzuführen, d. h. eine Mauer verbindet die Häuser, deren Dächer ununterbrochen sind. In diesem Falle genügt eine einzige Erlaubniss für viele Häuser, und so sind in der That mehr als 65 Häuser in diesem Jahre gebaut worden: Zwei Drittel der Bewilligungen wurden von Juden eingeholt. Allerdings sind viele dieser Häuser von dem Gelde ausländischer Juden gebaut worden, die ihre armen Glaubensgenossen im heiligen Lande unterstützen, jedoch auch einige von hiesigen reichen handeltreibenden Juden. Ln Allgemeinen ist diese Stadt in den letzten zehn Jahren sehr. gewachsen. Ich sah Jerusalem zum ersten Male im Jahre 5629. Li den Jahren 5635—37, als ich die jenseits des Jordans liegenden Bezirke zu erforschen hatte, kam ich öfters nach Jerusalem. Vor fünf Jahren verlies« ich diese Stadt; aber wie erstaunt war ich, als ich bei meiner Rückkehr sie so vergrößert fand, nämlich ausserhalb der Stadtmauer, wo ich kleine nette Häuschen, aber auch grosse schöne Häuser antraf, sowie Obstbäume und Luxusbäume. Vor fünf Jahren waren diese Plätze noch kahle Felsen. Dies Wenige genügt um zu überzeugen, was sich Alles in diesem Lande bewerkstelligen liesse. — Dieses Jahr wurde in Folge des Krieges nicht viel Waare ausgeführt. Andererseits war auch die Einfuhr gering, da die Leute von Jerusalem und des ganzen Bezirks drei Monate lang fürchteten, der Krieg könne sich auch bis hierher fortpflanzen und ihr Eigenthum gefährden. Der Werth der Einfuhr aus Amerika betrug 30,000 Dollars. - amerikanischer Consul in Jerusalem. *>