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Der Israelit · 1884-03-20 · Heft 23 (20.3.1884) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 23 (20.3.1884)
Date
1884-03-20
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXV. Jahrgang. Zweite Beilage jn llr. 83 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. D e u t s ch l a n d. Frankfurt a. M. Betreffend die jüngst im „Israelit" mitgetheilte Erfindung eines Pfarrers in Wiesen, aus Heidelbeeren Wein herzustellen, kann ich Ihnen noch einiges Interessantes mittheilen. Wie Sie bereits berichteten, hat den kaufmännischen Betrieb des Weines Herr I. Fromm hier, Sohn des verehrten Herrn Rabbiner Fromm '"2 hier, übernommen. Diese letztere Thatsache kleidet, das hochulträmontane, Münchener Fremdenblatt, nachdem es den Wein außerordentlich gelobt, in folgende Worte: „Den kaufmännischen Theil hat die Firma I. Fromm in Frankfurt a. M. übernommen und wenn der Inhaber derselben ein gläubiger Israelit ist, so wird wohl ein vernünftiger und wahrhaft christlicher Mann an diesem Umstande keinen Anstoß nehmen." Wiedemm ein Beweis, daß wir uns viel eher durch Festhalten an unserer heiligen Religion, wie durch Verläugnen derselben die Achtung Andersgläubiger erringen. Was den Wein selbst betrifft, so findet er täglich größere Verbreitung und die „Perle des Spessart" wie man ihn mit Recht genannt hat, hat nicht nur im bayerischen Ständehaus schon Triumphe . gefeiert, sondern auch bedeutende ärztliche Capacitäten haben sich bereits sehr günstig über dies neue Getränke geäußert; ich nenne nur Dr. von Pattenkofer. Dr. von Kerschensteiner, Dr. B. 8 epsius, das hygienische Institut in München u. A. m. Nicht unerwähnt will ich lassen, daß auch der Großherzog von Hessen, bei seiner jüngsten Seereise von der Wirkung des Fromm'schen Heidelbeerweins so zufriedengestellt war, daß er für die Großherzogl. Haushaltung noch eine bedeutende Nachbestellung machte. R-n. Brarruschweig, 12. März. Gestern Abend erfolgte das Ableben des hiesigen Landrabbiners, . Professor Dr. H e rz f el d, eines jener alten Reformer, die das Judenthum umgestaiten zu können vermeinten und die sich nun seit langer Zeit überlebt haben. Der Verstorbene war im Jahre 1816 in Ellrich! am Harz geboren und wurde im Jahre 1836Adjunct , des berühmten, geistvollen Landrabbiners Rabbi; Sanwel Eg er y'p'W'i, Verfassers des gelehrten Werkes rs may; nach dessen Ableben, 1842, er die Stelle als Laudrabbiner erhielt. Herzfeld gehörte zu den Matadoren der sogenannten Reformbewcgung, und so tagte denn auch die erste berüchtigte sogenannte Rabbinerversammlung im Jahre 1844 in Braunschweig, an der sich Holdheim (damals in Schwerin i. M.) Kirckienrath Meyer (Stuttgart), Philippson (damals in Magdeburg) und noch einige und zwanzig Männer ähnlicher Gesinnung beiheiligten. Die Herren redeten und ließen ihre Reden drucken und kamen das kommende Jahr in Breslau und das darauffolgende Jahr in Frankfurt ä. M. zusammen, und es schien fast, wie wenn das Judenthum im.Sturm vernichtet werden sollte. Die heiligsten Gesetze und Vorschriften wie Mikwah, Chalizah zc. sollten abgeschafft oder modificirt werden. — Allein diese Herren Reformatoren fanden nicht den geringsten Anklang; wer sich über die Gesetze des Judenthums hiuwegsetzen wollte, fragte nicht erst, welche Vorschriften diese Herren Reformatoren abgeschafft wissen wollten und welche nicht; „die treuen Gläubigen in Israel" aber hörten nicht auf Jene, sondern auf die Stimmen der 119 Rabbinen, die sich. auf Aufforderung des Rabbi Jakob Ettling er y"i (Altona) zu einem Proteste gegen die sogenannten Rabbinerversammlungen bereinigten. Auch in zahlreichen Schriften, die jedoch wenig gelesen wurden, suchte Herzfeld seine gesetzesfeindlichen Ansichten zu verbreiten. Er verflieg sich darin zu den sonderbarsten Dingen; nach ihm sollte der Prophet Jecheskel ein Reformer gewesen sein, dessen reformatorische Bestrebungen jedoch die „reaktionären" Esra undNechemja später wieder vereitelt hätten!!! Von den „wissenschaftlichen" Werken des Verblichenen ist nicht viel Rühmliches zu sagen; namentlich hat sein jüngstes Werk: „Einblicke in das Sprachliche der semitischen Urzeit" von fachmännischer Seite eine sehr abfällige Kritik erfahren; so wurde ihm noch jüngst im „Literarischen Centralblatte" der Vorwurf gemacht, daß er über Dinge geschrieben, von denen er nicht das geringste Verständnis gehabt habe. . . - Von seiner rabbinischcn Wirsamkeit in. Stadt und Land ist wenig zu berichten. Während bei seinem Amtsantritte die jüdischen Bewohner des Herzogthums - fast sämmtlich gesetzestreue Juden waren, ist das

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