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Der Israelit · 1884-01-17 · Heft 5 (17.1.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 5 (17.1.1884)
Date
1884-01-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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74 verkauften. Einer derselben. Rabbi Moses, wurde nach Eordova gebracht, und dort besuchte er eines Töges in Sklavenkleidern das Lehrhaus, an dessen Spitze Rabbi Nathan stand. Er betheiligte sich an einer Debatte, und durch die Bemerkungen, die er machte, erkannte -Rabbi Nathan in ihm sofort den Talmudkundigen und den Weisen, und er sprach deshalb zu der Versammlung: „Dieser Fremde ist mein Lehrer, und ich bin sein Schüler, nehmet ihn zu eurem Oberhaupte." Dieses geschah auch und bald erstanden durch sein Wirken große und bedeutende Talmudschulen. Die Stellung der Juden in Spanien wurde günstiger unter der Herrschaft der Araber, und infolge dessen nahmen sie auch an der reichen Eultur derselben lebhaften Antheil und pflegten all' die damaligen Wissenschaften, die Mathematik, die Arzneikunde, die Philosophie, aber vor allem die Poesie. In dem glänzenden Dreigestirn von Dichtern aus jener Blüthenzeit der jüdischen Dichtkunst, Salomon Gabirol, Moses Jbn Esra und Jehudah Halevi nimmt letzerer den ersten Rang ein und er wird mit Recht die Perle unter den Dichtern aller Zeiten genannt. Heinrich Heine singt bekanntlich von ihm: Rein und wahrhaft, sonder Makel War sein Lied, wie seine Seele. Als der Schöpfer sie erschaffen, diese Seele, Selbst zufrieden küßte er die schone Seele, Und des Kusses holder Nachklang Lebt in jedem Lied des Dichters, Das gervekht durch diese Gnade." Ueber seine Lebensschicksale besitzen wir nur spärliche Berichte. Wahrscheinlich wurde er in Eastilien um das Jahr 1085 geboren. Er besuchte das berühmte Lehrhaus des Rabbi Isaak Alfasi zu Lucena (Rif) und beschäftigte sich daneben mit den Wissenschaften, dichtete im Arabischen und Eastilischen; besonders aber oblag er dem Studium der Philosophie und den Naturwifferschaften. Zu seinem Lebensberufe hatte er die Arzneikunde gewählt. Er war von einer unbezwinglichen Sehnsucht nach dem heiligen Lande erfüllt, die sein ganzes Wesen verklärte, und deßhalb verließ er . in reiferem Alter seinen schönen Wirkungskreis in Toledo, trennte sich von seiner einzigen Tochter und seinem Enkel Jehudah, von seinen Talmudjüngern, die er wie Kinder liebte und die ihn wie einen Vater ehrten, und trat die Wanderung nach Palästina an. Seine Reise dnrch Spanien glich einm Triumphzuge, und ebenso wurde er in Egypten überall mit Jubel empfangen. Ueber seinen Aufenthalt in Egypten hinaus sind jedoch keine historischen Berichte zu uns gedrungen, und wir wissen deßhalb nicht, ob er wirklich das Ziel seiner Wünsche erreicht und seinen Einzug in Jerusalem gehalten hat, . oder nickt. Die Gedichte Jehudah Halevis, welcher Gattung sie auch angehören spiegeln alle, das warme und innige Empfinden, des Dichters wieder und lassen seine echte Dichternatur erkennen; so die Liebeslieder, die bald das sehnsüchtige Verlangen, bald das süße, schmeichelnde Kosen, bald das heitere Scherzen und Necken der Liebe ausdrücken, dabei aber immer den reinen und edlen Sinn des Dichters zeigen; ebenso die Seelieder und andere Schilderungen , die eine solch herrliche Naiurbetrachtung enthalten, ganz besonders aber die unvergleichlichen Zionsgesange, denen der Dichter seine ganze Seele eingehaucht hat, und von denen darum z. B. Schleiden sagt: „Die gesammte religiöse Poesie, Milton und Klopsrock nicht ausgeschlossen, hat nichts, autzuweisen, was man höher stellen könnte, als Jehudah Halevis Zionselegien." Redner trug das ergreifende Klagelied das unserer Liturgie für den 9. Ab einverleibt worden ist, nach einer trefflichen Uebersetzung des verstorbenen hiesigen Sprachgelehrten Lazarus Geiger vor. Den Kusari, das Werk in welchem Jehudah Halevi seinen philosophischen Standpunkt entwickelt hat, konnte Redner der vorgerückten Zeit wegen nicht mehr erörtern. Indem er zum Schluffe die Hoffnung aussprach, daß bald die Zeit kommen werde, wo Spanien, das unsere Vorfahren als Ketzer verbrannte, die Werke Jehudah Halevis den hervorragendsten Erzeugnissen seiner heimathlichen Muse gleichstellen wird, wies er auf einen Ausspruch Jean Pauls hin, der sagt: „Wenn man Ketzer Hunde nennt, so denkt man wohl daran, daß Hunde oft dazu dienen, die Blinden zu führen " Diese Blindenführung hat Israel im Laufe der Geschichte oft übernehmen müssen, und es ist dieser ihm von der Vorsehung überwiesenen Rolle treu geblieben, zu feiner eigenen Erstarkung und zum Nutzen und Frommen der Gesellschaft. 'Der interessante Vortrog wurde durch lebhaften Beifall ausgezeichnet. Frankfurt a. M., 10. Januar. Dieser Tage war ein junger Glaubensgenosse aus Jerusalem hier. Als man ihm die Illustration zu Nr. 1 des „Israelit" : - ..Betende Juden an der Westmauer des heiligen Tempels" zeigte, rief er sofort: „Koistel Maarowi! — Thränen entstürzten seinen Augen; er hatte das Bild seines Vaters unter den dort Betenden erkannt- . . ck. Wrefchen, 11. Januar. Am 3. d. M. fand die feierliche Einführung des Herrn Dr. Cohn aus Altona als Gemeinderabbiner Hierselbst statt. Zur Begrüßung fuhr der Gefammtvorstand dem Ankommenden bis Gnefen entgegen. Am Freitag, Nach-

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