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Der Israelit · 1908-10-01 · Heft 40 (1.10.1908) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 40 (1.10.1908)
Date
1908-10-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Feuilleton-Beilage zu Nr. 40 des „Fsraelit". euilleton. Samuel da NaW. Eine jüdische Erzählung aus der spanisch-maurischen Zeit. (Fortsetzung.) Viertes Kapitel. Lange, lange dauerte es bis Samuel all das Ungemach, das ihn getroffen, überwunden hatte, konnte er sich auch schließttch über den Verlust seiner Eltern und Schwiegereltern beruhigen, so hinterließ doch das Verschwinden seiner Verlobten eine so schmerzliche Lücke in seinem Herzen, daß er nie ganz heiter werden konnte. Immer wieder malte er sich ihre Schönheit und chre hohen geistigen Eigenschaften aus, und endlos waren die Poesien, in denen er die verlorene Geliebte besang. Er hatte, wie unser Vater Jakob in Bezug auf seinen verlorenen Sohn, tief im Innern das Gefühl, daß sie eines Tages wieder kommen werde, und deshalb ließ auch er sich nicht trösten, so sehr seine Freunde sich darob bemühten. - Wenn er nun auch keinen Trost fand, so fand er doch Beruhigung in seinen Studien, und der königliche Sänger, dessen herrliche Lieder schon so viele Herzen aufgerichtet, war auch ihm Stab und Labsal. Der neunte Vers des 94. Psalm war ihm stets gegenwärtig: „Heil dem Manne den Du züchtigst, Iah, damit er lerne aus deiner Lehre". Und immer eifriger widmete er sich den helligen Studien. Ja er versuchte selbst Psalmen und Sprüche zu dichten und nannte diese seine Dichtungen. Ben Tehillim und Ben Mischle. Man wußte es bereits in ganz Malaga, daß es dem jüdischen Gelehrten nicht besonders angenehm war, wenn man gut verzuckerten Wurmsamen oder andere Arzneien bei ihm kaufte, da er dann von seinem Tische seine Bücher und Schriften wegräumen mußte — waren doch seine Bedürfnisse so gering, daß er mit dem allerwenigsten auskam — dagegen war jeder bei ihm hochwillkommen, der in den Wissenschaften und in der Literatur von ihm irgend- Mchen Bescheid haben wollte und selbst den in Malaga geborenen Israeliten mußte ererzählen, wie schon zur Zeit der Römer hier die Söhne Jakobs wohnten, ja wie sie schon mit den Phöniziern, die die Stadt begründet, hierher kamen. Selbst jüdische Kausteute aus dem fernen Germanien die hierher kamen um die Produkte ihres Landes: Bärenfelle, geschmiedete Schilder und Lanzen, Kupferblöcke gegen Südfrüchte und Wein einzutauschen, besuchten ihn, um den Brüdern in her Heimath von dem ' gelehrten Rabbi zu berichten und im Verkehre mit ihnen erweiterte sich sein BAck und er lernte die Geschehnisse fremder Länder und Völker kettsten. Ihr Mieirenspiel und ihre Zeichensprache ließen ihn tiefe Einblicke in die menschliche Seele tun. Auch war es bekannt, daß er gegen geringes Entgeld Briefe schrieb, infolgedessen allerhand Leute, die des Schreibens unkundig waren, zu ihm kamen, uw sich von ihm chre Korrespondenz erledigen zu lassen, was er stets zur größten Zuftiedenheit seiner Klienten besorgte. Da das Land von den verschiedenartigsten Völkerschaften und Raffen bewohnt war, wurdest auch eine Reihe verschiedener Sprachen in Spanien gesprochen Da kam eines Tages ein jüdischer Kaufmann aus Egypten zu ihm, der eine gleichlautende Mitteilung an verschiedene Emire, Fürsten und Statthalter und Kaufleute zu machen hatte und Samuel schrieb chm diesen Brief auf Arabisch, Chaldäisch, Hebräisch, Lateinisch, Castilianisch und Berberisch, Der Kaufmann erzählte dann, nach Hause gekommen bewundernd seinen heimischen großen Meistern, dem letzten Gaon, R. Hai und R. Niffim von dem gelehrten malagensischen Juden und so kam er mit den bedeutendsten jüdischen Männern seiner Zeit in briefliche Verbindung. Aehnlich wie heute die Selterswasserhäuschen, die Zeitungskioske, die Obstbuden und dergl. mitten auf den freien Plätzen der Städte sich befinden, so pflegten zur Zeit unserer Erzählung die Gewürzkrämer und öffentlichen Schreiber ihre Berkaufsgewölbe mitten auf den Plätzen zu errichten und auch die Apotheke Samuels hatte einen derartigen Stand. Er war der Platz vor dem Schlosse, das Abu-l Kasim ibn-al Arif, dem Vezier des Königs Chabbus von Granada gehörte. Dieser Würdenträger war ein sehr sorgsamer Verwalter seines Vermögens und da mit dem Schlosse auch noch Weingärten und Orangenhaine verbunden waren,.über deren Erträgnisse der Vezier stets unterrichtet sein wollte, so gab er den Sklaven, die an seiner Stelle Schloß und Güter warteten, den strengen Auftrag ihm so oft wie möglich über den Zustand in dem sich diese seine Bermögensstücke befinden, briestlich zu berichten. Da war aber gut Rat teuer, denn die Sklaven hatte alle nicht schreiben gelernt, aber der Vezier frug nicht danach, bekam er von ihnen nicht regelmäßig Briefe, da wurden sie aufs strengste bestraft. In ihrer Bedrängnis gingen sie, von einer Sklavin dazu ermutigt, hinüber auf den Platz vor dem Schlosse, in das Gewürz- »n des Samuel und dieser schrieb ihnen riefe. Diese Briefe erregten die Bewunderung des Veziers, denn sie waren mit der größten El^anz geschrieben und kunstvoll mit den schönsten Blumen der arabischen Rhetorik geschmückt. Auch waren darin Ratschläge erteilt, wie Schloß und Gärten auf höhere Erträgnisse zu bringen seien, Ratschläge, von denen der Vezier nicht glauben konnte, oaß sie den Köpfen seiner Sklaven entsprungen waren. Daher beeilte sich der Vezier, als er gelegentlich nach Malaga kam, Erkundigungen über den Verfasser einzuziehen. Als nun der Jude vor ihm erschien, sagte er zu ihm: „Es ist Deiner nicht würdig, länger in einem Kaufläden zu bleiben. Du verdienst am Hofe zu glänzen, und wenn Du einwilligst sollst du mein Schreiber werden." Samuel willigte gerne ein, begleitete den Vezier auf seiner Rückkehr nach Granada, und die Achtung, welche Jbn-al-Arif gleich anfangs für ihn gefaßt hatte, wuchs immer mehr, als er im Gespräch über Staatsangelegenheiten ein seltenes Verständnis für Menschen und Dinge und einen wahrhaft staunenswerten und sicheren Scharfblick bei ihm entdeckte. Sehr bald sollte er dem Vezier einen großen Dienst erweisen. Dem Khalifen war von afrikanischen Kaufleuten eine wunderbar schöne Sklavin angeboren worden, sie verlangten aber dafür den enormen Preis von 10 000 Doublonen. Da nun die Staatskassen gerade leer waren, so forderte der Khalif nichts geringeres von seinem Vezier, als daß er von den zehn reichsten Männern von Granada diese Summe erhebe/ wie er es mache, sei ihm, dem Khalifen gleichgültig, wenn nötig, brauche er auch vor keinem Morde zurückzuschrecken. Der Vezier, der ohnedies beim Volk nicht sehr beliebt war, sah ein, daß er auf alle Fälle verloren war, denn die einflußreichen Männer von Granada würden ihn diese Schröpfung mit dem Leben büßen lassen und auch der Khalif würde, wenn er ihm nicht das Geld verschaffte, ihn um einen Kopf kürzer machen. In seiner Not beriet er sich mit Samuel. Wieviel Vermögen besitzest Du? fragte Samuel. An barem Gelve, antwortete der Vezier dürften es wohl gerade 10000 Doublonen machen. „Gib dem Khalifen Dein eigenes Geld und lasse die Kaufleute von Granada in Ruhe. Denn Geld kannst Du wieder erwerben, aber Deinen Kopf niemals." Jbn al-Arif folgte dem Rate des Juden und bald wurde das Verfahren des Groß-Veziers in der Stadt bekannt. Die Folge davon war, daß. im Volke sich ein Umschwung in der Stimmung zu seinen Gunsten vollzog und daß der Khalif gerührt von der Treue seines Beamten ihn so großmüttg beschenkte, daß sein Opfer überreichlich gedeckt war. Da wurde der Groß-Vezier gefährlich krank, die bedeutendsten Aerzte der Stadt hatten ihn bereits aufgegeben und wieder stand Samuel vor der schlimmen Aussicht, seinen einträglichen Posten zu verlieren und dem Mangel preisgegeben zu sein. (Fortsetzung des Romans siehe nächste Seite.) Tamilittmacbrkbtee. Geburten: Einen Sohn: Lehrer Julius GanS (Meyer) hier, Ostendstr. — Abraham Löwenthal (Kellermann) hier, Theobaldstr. Sabbat-Anfang u. Ausgang. irtan nnw nav ORT: Anfang Dntnrn «ttggmg UkiMln. IDOS 5660 Ubr (ML Wille ».Oktbr. 8.Tischri Sraukfurt *. M 5 30 6 45 Berli« .... — - 0 33 lümfini . . 5 30 6 28 Stratzburg . 5 30 - 6 45 Stuttgart. . . 5 45 6 40 Pose» . . . — — 6 25 Nürnberg . . — — 6 80 Hamburg. . — 0 40 Prag. — — 6 25 Sonntag, 4. Oktober "NSI OT 2^ Montag, 5. „ T1DD DT Fest- und Fastenausgang in Frankfurt a. M. _6 Uhr 35 Min. 8»t de» Reklamentetl ist die Sfetetttat reicht vernntwörtlich; insbesondere ist es ausschließlich «»che der Leser, die tat 9teflai»eteu enthaltene» «rnpfehi ritueller Ware» oder fmtfttge lllngaden rettet liche» Lharakters ans ihre Lnderttsstgkeit §» 4 Landeshuter; Leinen- und Gebild-Weberei F. V. örünfeld KtinigL, Grossherzogi. o. Fürstlicher Hoflieferant Berlin W., IK Grösste Äiswiljl alter Wilscheartikel für dn JaasMarL mm lauer ttttmu. Preisliste mit Abbildungen sowie Kostenansehlig» zu Diensten.; crase) den Wiater ist mir inner baeje. Meine Kinder jittb Io zart und empfindlich! Im Sommer geht's.ja, aber sowie einmal der Oktober kommt, dann husten sie und alle paar Tage muß eins zu Hause blerben, weil es erkältet ist. — Aber Liebste, warum geben Sie denn den Kindern nicht Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen? Seyen Sie ineine Trabanten an — kerngesund, nicht wahr.? 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