Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1907)
- Date
- 1907-05-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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MWWWWWMR so. Mar 1907 Sette 8. m WWWWWWW WWWWWWW Der JLraeltt. WWWWWWWWUWWWWWWWM WWW sich damit, die weite Entfernung erschwere es, einen Religionslehrer dorthin zu senden. So ist es inbetreff des Religionsunterrichts in den kleinen jüdischen Gemeinden unserer Provinz bestellt. Grrgtarrd. kin Jahr fflien Bill. London, 24. Mai. Vor kurzem ist der erste amtliche Jahresbericht über die Wirkungen des am 1. Januar 1906 in Kraft getretenen Fremdengesetzes (Alien Act) erschienen. Der Bericht gibt im Gegensatz zu ähnlichen früheren amtlichen Statistiken nur ein sehr unklares Bild von den Einwanderungsverhältnissen in England, aber soviel läßt sich doch mit Sicherheit sagen, daß die Alien Act und ihre Handhabung im vergangenen Jahr ein großes Fiasko bedeuten. Sehen wir uns die Zahlen an. Nach Abzug der ausdrücklich als solche erkennbaren Durchwanderer, ferner der Kvjütenpassagiere und derjenigen Passagiere niederer Klasse, die Dank gewisser Ausnahmebestimmungen nicht den Einschränkungen der Alien Bill unterworfen sind, bleiben noch 38527 Personen, die sich der amtlichen Untersuchung bei ihrer Ankunft in England unterwerfen mußten und über deren Schicksal nach ihrer Zulaffung ins Land keine Feststellungen gemacht werden konnten. Der Bericht wagt aber nicht zu sagen, daß diese sämtlich in England geblieben seien, und es ist im Gegenteil mebr als wahrscheinlich, daß bei weitem der größte Teil derselben das Land wieder verlassen haben. Gerade in letzter Zeit hat die Auswanderung im Londoner Ostend einen bedeutenden Umfang angenommen, und so ist es möglich, daß die Fremdenbevölkerung in England während des Berichtsjahres überhaupt nicht gewachsen ist. Diese Sachlage läßt die Agitation, die seinerzeit durch den Hinweis auf eine Ueberflutung des Landes mit Fremden die Alien Bill zustande gebracht hat, in eigentümlichem Lichte erscheinen. Daß aber etwa dieses Gesetz erst die geringen Einwanderungsziffern verursacht hätte, ist aus dem Bericht in keiner Weise zu entnehmen, es wird vielmehr durch die über die Zurück- und Ausweisungen mitgeteilte Statistik klar widerlegt. 493 Personen ist im ganzen der Eintritt ins Land auf Grund der Alien Bill verweigert worden, und darunter ist gerade diejenige Kategorie von Fremden, gegen die sich das Gesetz allein richtete, nämlich die oer russischen und polnischen Juden, nur mit 262 Personen vertreten. Bon der Befugnis, die die Alien Bill gibt, bestrafte Fremden das Landes zu verweisen, konnte nur in 287 Fällen Gebrauch gemacht werden. Der Bericht behauptet, die Verminderung der Kriminalität unter den Ausländern, wie sie . durch die Fremden-Statistik des Berichtsjahres, verglichen mit der der vorhergehenden Jahre, sestgestellt wird, sei nur der Alien Bill zu verdanken. Man muß aber daran erinnern, daß die Kriminalität der Gesamtbevölkerung im letzten Jahre geringer war als in den vorhergehenden. Neberdies muß der Bericht selbst einräumen, daß bereits im Jahre 1905, also bevor noch das Fremdengesetz in Kraft getreten war, die Kriminalstatistik der Ausländer ein starkes Znrückgehen der Verfehlungen gegen das Gesetz darbietet. Der Berichterstatter hilft sich da mit der sehr bedenklichen Ausflucht, daß wohl das zu erwartende Gesetz seine Schatten schon vorausgeworfen habe. Aber wie dem auch sei, jedenfalls steht die gewaltige Agitation, die man seinerzeit für die Alien Bill in Szene setzte und der umfangreiche und überaus kostspielige Apparat, der zur Durchführung des Gesetzes geschaffen werden mußte, im lächerlichsten Mißverhältnis zu den kläglichen Resultaten der ganzen Aktion. Auf die Dauer wird daher eine gründliche Umgestaltung der Alien Bill zum Befferen kaum hintangehalten werden können. Uttlästina. Jerusalem, 14. Mai. Mehr als 20,000 Pilger haben das orthodox-griechische Oster-Fest, das nach dem alten Styl dieses Jahr auf den 5. Mai gefallen ist, in Jerusalem gefeiert. Darunter waren auch 8000 Russen. Dank der strengen Maßregeln, die der Gouverneur von Jerusalem zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung in der Stadt getroffen hatte, ist das Oster-Fest mit Gottes Hilfe ohne Zwischenfälle vorübergegangen, und die Furcht der jüdischen Bevölkerung Jerusalems vor Ausschreitungen der russischen Pilger, wovon in diesem Blatte seiner Zeit berichtet wurde, hat sich als unbegründet erwiesen. Die jüdische Anglo Palestine Company, die Filialen in Jaffa, Jerusalem und Beirut besitzt, hat vorige Woche auch in Hebron eine Agentur eröffnet. Binnen Kurzem werden ferner in Gazza (nry), Haifa und den übrigen Städten Palästinas Filialen gegründet werden. Im Allgemeinen macht die Anglo Palestine Company Fortschritte und trägt nicht wenig zur Hebung von Handel und Industrie im heiligen Lande bei. Rabbiner Dr. M. Gaster aus London ist heute hier angelangt, nachdem er einige Wochen in Galilea gereist hat. - Zu my'iatP werden hier jüdische Gäste aus Egypten erwartet, darunter auch Rabbiner Eliahu Hazzan, Chacham Baschi von Alexandrien. Amerika Reformjitöifdie kkecklglSublgkell. (Bon unfernt Korrespondenten.) N e w - o r k, 9. Mai. Seit einiger Zeit sind die Neuigkeiten aus dem Reformlager hierzulande viel interessanter, um nicht zu sagen sensationeller, als diejenigen aus dem Kreis der Gesetzestreuen. Ja, man würde sich keiner Uebertreibnng schuldig machen, wenn man sagen würde, daß es seit Kurzem im Lager der sogenannten progressiven Juden wie im Hexenkessel brodelt und kocht, so groß ist die Aufregung, und zwar mit Grund, denn die Ursachen hierzu sind wirklich außerordentlicher Art. Im Vordergründe des öffentlichen Interesses steht die Verketzerung des Zionismus seitens des Herrn Dr. K. Köhler, Leiter des Hebrew Union College, des Reform-Jüdischen Seminars in Cincinnati, und die Ausschließung dreier zionistisch gesinnten Dozenten der erwähnten Anstalt. Herr Dr. Köhler, einer der radikalsten aller radikalen Reform-Rabbiner in Amerika, ist gleichzeitig ein erbitterter Gegner des Zionismus, ben er als engherzigen Nationalismus und als schroffen Widerspruch gegen die universellen Prinzipien des Reform - Judentums perhorresziert. Die drei zionistisch gesinnten Docenten haben sich daher, wie es heißt, wohlweislich gehütet ein Sterbenswörtchen von ihren diesbezüglichen Ansichten bei ihren Vorlesungen verlautbaren zu lassen. Der Herr Doktor ist aber ein so guter Ketzerriecher, daß er die Unechtheit der reformistischen Dogmatik der drei Herren entdeckte und sie vor die Alternative stellte, entweder den Zionismus abzuschwören oder auf ihre Stellen zu verzichten. Unter diesen Umständen zogen es die Dozenten vor zu resignieren. In der Sitzung des Kuratoriums soll es, als über die Resignationen verhandelt wurde, äußerst stürmisch zugegangen sein. Die Resignationen wurden schließlich angenommen aber auch einer der Direktoren legte sein Amt nieder, indem, wie es heißt, er sich dahin aussprach, daß er solche Intoleranz im Schoß des Liberalismus nicht billigen könne. Die Affäre hat in ganz Amerika gewaltigen Staub aufgewirbelt. Dr. I. L. Magnes, Prediger am Emanu-El-Tempel in New-Hork, hat in einer Gedächtnisrede zum Andenken des Dr. I. M. Wise, des ersten Präsidenten des Kollege, Dr. Köhler heftig angegriffen und sein Benehmen als rückschrittlich gebrandmarkt. Die Art und Weise, in welcher Dr. Köhler sein Vorgehen rechtfertigt, erscheint auch wirklich höchst sonderbar von Seiten eines ausgesprochenen Liberalen (?) und wird allgemein scharf kritisiert. In einer theologischen Anstalt, sagte er, könne man Lehrfteiheit nicht gestatten. Die Dozenten müssen alle aus dem Standpunkt der Anstalt stehen und da das Reform-Judentum den Zionismus verwirft, so ist für zionistische Lehrer an einem Reform-Seminar kein Platz. Hiermit wird eine Reform-Rechtgläubigkeit höchst sonderbarer Art, die die Ketzer mit dem Bannstrahl belegt, geschaffen, und die anderen Vertreter der bisher als „liberal" geltenden Richtung wiffen nicht, was sie mit dieser neuesten Entwicklung des Reform-Judentums machen sollen. Man sieht überall der weiteren Entwickelung dieser Angelegenheit mit großer Neugierde entgegen. Die allgemeine Ansicht ist, daß der Standpunkt des Herrn Dr. Köhler, wenn auch von Seiten eines begrifflich bestimmbaren positiven Glaubens sehr wohl zu rechtfertigen, von Seiten des Radikal-Reform-Judentums absolut falsch und unhaltbar und mit den früheren Aeußerungen des Herrn Doktor in vollkommenem Widerspruch sei. — Vor kurzem ist die sogenannte freie Synagoge des Herrn Rev. Stephen Wise eröffnet worden. Der Begriff des „Jüdischen", der sich in dieser „Synagoge" offenbart, ist mehr als sonderbar. Der „Gottesdienst" in derselben wird in englischer Sprache und nur air Sonntagen abgehalten werden, von traditioneller Gesetzlichkeit ist keine Rede und Nicht-Juden werden ohne Anstand als Mitglieder angenommen. Dabei behauptet Herr Wise auf echt jüdischem Boden zu stehon. Diese merkwürdige „Synagoge" hat hier nur bei den extremsten Elementen der Judenheit Beifall gefunden und der Erfolg derselben ist sehr problematisch. Allgemein fällt aber auf, daß einige hervorragende Philanthropen, die sich stets, wenn nicht orthodox doch konservativ geführt haben, auch dieses Unternehmen mit ihren Gaben bedachten. Man glaubt, es liege ein Mißverständnis vor und die Herren sähen durch den Namen „freie Synagoge^ irregeführt, in dem Unternehmen ein nützliches, volkstümlich-jüdisches Werk. — Aus dem orthodoxen Lager kann ich über stetes eifriges Bemühen um die Sache des überlieferten heiligen Gutes berichten. Sonntag den 28. April fand die öffentliche Prüfung der Talmud Tor ah Ohel Tor ah statt. Diese Anstalt wird von dem ungarischen Element unterhalten, von etwa zweihundert Schülern besucht und leistet Vorzügliches. Bei der mit der Prüfung verknüpften Feier hielten die Rabbiner Dr. Klein, Drachman und Ascher Ansprachen. Auch für die Zentral-Gegend der Stadt, den sogenannten Jakville Distrikt, wird eine neue Talmud Torah geplant. Ein Verein zu diesem Zweck ist bereits organisiert, mehrere tausend Dollars sind auch schon kollektiert worden und der Plan wird aller Wahrscheinlichkeit nach vom besten Erfolg gekrönt werden. Die Sabbath-Association arbeitet rüstig weiter. Ihre jüngste Leistung war die Gründung eines Damen - Zweig - Vereins. Dieser Verein, dem bereits mehrere hundert Damen beietreten sind, hat sich als Hauptaufgabe gestellt, as jüdische weibliche Pubukum dazu zu veranlassen, am Sabbath keine Einkäufe zu machen und überhaupt so weit wie möglich nur solche Geschäfte zu patronisieren, die am Sabbat geschloffen sind. Da die jüdischen Kunden in der ganzen Stadt einen wichtigen Teil und in den jüdischen Gegenden fast das Ganze der Kundschaft ausmachen, so läßt sich für das Heiliahalten des Sabbath, so weit der öffentliche Geschäftsbetrieb in Betracht kommt, von der Tätiakeit dieses Vereins das Beste erhoffen. Zur Präsidentin des Vereins wurde Dr. Caroline Lande, eine bekannte Aerztin unserer Stadt, die auch ihrer hebräischen Kenntnisse und ihrer strengreligiösen Gesinnung .halber rühmlichst bekannt ist, gewählt. , . . - ±. _ ' kttÜHÜi