Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1901)
- Date
- 1901-11-21
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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2037 Regierungsbezirk! " § i l Regierungsbezirk 1 ü5.! Wiesbaden . . . . i 30 622 3T> 1 Köslin. 4 300 74 Potsdam (iucl. Berlin)! 112 986 296 Aachen. 4 325 71 Cassel.! 17 48.3 106 Düsseldorf .... 17 664 68 Bwmderq. 13 024 191 Arnsberg. 11 802 64 Posen. 22 303 186 Münster. 3 743 54 Cöln. 14 050 146 Hildcsheun .... 2 697 52 Marienwerder . . . 12 722 142 Gumbinnen .... 4 690 51 Breslau. 23 285 138 Osnabrück .... 1 438 45 Koblenz. 8 530 120 Erfurt. 1 978 43 Rurich. 2 740 115 irr an ki» rt. 4 086 42 Oppeln. 20 270 109 i’iraniti. 4 031 37 Hannover. 6 575 101 Mcmdebnro .... 3 01*9 34 Siqmorinqen.... 532 86 Schleswig. 3 486 25 Tanzia. 5 504 83 Stade. 936 25 Trier. 6 773 81 Lüneburq. 092 21 Minden. 5 005 81 M rsebura . , . . 2 070 18 Köniqsberq .... 0 408 77 Stralsund .... 288 13 Stettin . 6 292 76 Die Bewegung der Geburten stellte stch 1890 gegenüber 1880 in Prozenten: Evangelische : 1,4, Juden : 27,0, Katholiken -f- 1,6; diejenige der Todesfälle: Evangelische 1,0, Juden - 8,0, Katholiken -f 120. Der Minus bei den Todesfällen bei den Juden um 7 pCt. wiegt den Minus bei den Geburten um 26,6 pCt. (alles relativ der evangelischen Bevölkerung) nicht auf. Warum aber die jüdische Bevölkerung unfruchtbarer geworden ist — welches vom gesunden volkswirthschaftlichen Standpunkte aus als ein Symptom der Verschlimmerung der sozialen Lage betrachtet werden muß — das ist hier die Frage! Außer der Gesammtbewegung — als Begriff — die vom nationalen und Populations-Standpunkte aus von äußerster Wichtigkeit ist, gibt es eine sonstige Bewegung — im einfachen und vollen Sinne des Wortes — der Bevölkerung im Innern eines Landes und zwar: „der Zug nach der Großstadt." Geburten und Sterbefälle müssen auf natürliche Emigrationen, auf politische und materielle, und die innere Wanderung nach der Großstadt auf kulturelle Ursachen zurückgeführt werden. Die Großstädte sind Produkte der Kultur, ja noch mehr. Dieselben personifiziren für uns jenen Begriff, indem die Existenz vieler Großstädte ein Land als kultivirtes kennzeichnet. Je weiter und tiefer die Zivilisation und die Bildung in ein Land eindringt, desto mehr sprengen dieselben die alten Zustände, rütteln die Menschen aus dem geistigen Schlafe und erregen in ihnen ^das Bedürfniß, eine andere, lebhaftere Lebensweise zu führen. Die Folge davon ist, daß von diesen „Aufgeweckten" die Großstadt, „in der stch die Welt schneller um ihre Achse dreht," ausgesucht wird. Die winzigsten Geistesgaben, die Jemand in einem; weltvergessenen Dorfe besitzt, und die ihm dazu ver-! helfen, stch etwas über da§ Niveau des dortigen Alltäg-! lichen zu erheben, verursachen, daß er sich und seine Um- | gebung von einem ganz anderen Standpunkte aus als bisher betrachtet. Die starren konventionellen Fesseln feiner Umgebung fühlt er schwer auf sich lasten. Die Intelligenz, die in ihm erwacht, drückt ihm den Wanderstab in die Hand, um einen anderen, seiner jetzigen Geistesrichtung zusprechenderen Ort und seinem Streben günstigere Verhältnisse aufzusuchen. Der Zug nach der Stadt ist weniger auf die Aussicht, dort mehr zu verdienen, auch nicht darauf, dort angenehmer zu leben, zurückzuführen, sondern überwiegend ist wohl die Ursache, daß der Auswandernde überzeugt ist, daß er nicht mehr auf den Boden, dem er entsprossen ist, hingehört. Wir wollen nicht die intellektuellen Faktoren — — sowohl sozialer wie konfessioneller Natur — näher beleuchten, die den Juden mehr als alle sonstigen Bewohner veranlassen, die Großstadt aufzusuchen, sondern nur die Thatsachen registriren, wie sich diese Bewegung in Preußen im Jahrzehnt 1890 bis 1900 gestaltete: _ In den Großstädten mit mehr als 60,000 Einwohnern wohnten 1890 16,6 pEt. der Bevölkerung und 1900 19 pCt., von der jüdischen Bevölkerung hingegen waren es 1890 44 und 1900 69,2 pCt. Wenn wir, wie es seitens der Kulturstatistik geschieht, die Höhe des Prozentsatzes der Großstadtbewohner in einem Lande als Maßstab für die kulturelle Stufe, auf der sich die bezügliche Bevölkerung des Staates befindet, anlegen sollen, finden wir die „Israeliten in Preußen als das am weiteste n fortgeschrittene Volk der Erde." Nach einer gleichzeitigen Berechnung wohnten von der Gesammtbevölkerung nachstehender Staaten im Durchschnitt 162 von je 1000 Personen in Großstädten. Wie sich dieses Verhältniß bei den einzelnen Staaten stellt, ist aus Folgendem zu ersehen: Von je 1000 Personen der Bevölkerung wohnten in Großstädten: Israeliten in Preußen 441; Einwohner überhaupt: in England und Wales 344, in den Niederlanden 202, in Beligien 169, in den Vereinigten Staaten 168, in Dänemark 164, in Deutschland 146; Israeliten in Oesterreich 120; Einwohner überhaupt: in Frankreich 119, in Italien 101, in Schweden und Norwegen 76, in Oesterreich-Ungarn 66, in Rumänien 66, in Griechenland 49.