Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1901)
- Date
- 1901-11-21
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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42. Jahrgang. Dritte Meitage zu M «2 des „Israelit". At isrliMlhk 'ßtMoifcrung Pttchtlls.') ‘Darflcftcfft von Fab. Landau—H amburg. Aus dem seitens des Kgl. Preuß. Statistischen Bureau eben ücröffentlicrjten endgültigen Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 in Preußen, ist die Anzahl der Ortsanwesenden nach deren Religionsbelenntniffen zu ersehen. Die Frage, wie sich der Bestand der Israeliten im preußischen Staate — überhaupt in der Epoche des „Unkulturkampfes" — verändert hat, läßt sich somit an der Hand jener Daten beantworten. Um aber die Daten aus ihren wirklichen Werth prüfen zu können, müssen wir etwas weiter ausgreifen, indem die Zubczw. Abnahme einer Volkszahl in einer bestimmten Zeitperiode allein gar keinen Maßstab bietet und nur im Verhältnisse zu anderen ähnlichen Faktoren gekennzeichnet werden kann. Die vergleichende Statistik ist ähnlich der Frucht des Baumes, der „mitten im Garten stand;" wenn wir von dieser Frucht genießen, werden uns die Augen offen, um zu wissen, was gut und böse ist. Die Zahlen, die eine Erhebung zu Tage fördert, sind nämlich nur dann von Werth, wenn man dieselben mit ähnlichen Ergebnissen über denselben Gegenstand, aber aus anderen Zeiten oder Staaten vergleichen kann. Dann werden wir erst zur „Ertenntniß" gelangen, um das gegenseitige Verhältniß als ein gutes oder schlechtes bezeichnen zu können. — Folgendes möchten wir nicht unerwähnt lassen: Bei einer gründlichen Prüfung der Bewegung einer Voltszahl sind außer den Zählungen drei Faktoren, und zwar Geburten, Sterbefälle und Wanderungen in Betracht zu ziehen, lieber Letztere gibt es keine offizielle! Daten, doch kann wohl vorausgesetzt werden, daß Preußen an Einwanderungen aus Oesterreich, Rußland, Ruinänien etc. gegenüber den Auswanderungen gewinnt. Der besseren iteberstcht halber, haben tvir bei folgender Ausführung anstatt die Zahlen und die Bewegungen der ganzen Bevölkerung deiaillirt anzuführen, die Juden als den bezüglichten zehntausendsten Theil der jeweiligen Einwohnerzahl berechnet und dargestellt. *) 'JfacbDTUif nur mit Erlaubnis des Peruaners gestattet. , Eine Verschiebung dieses Zehntausendsatzes in zwei verschiedenen Zahlungsterminen drückt somit am besten die Veränderungen aus, die in der Anzahl der Israeliten gegenüber derjenigen der Gesammtbevölkerung vorgegangen ist. Als Beispiel diene Folgendes: I 1880 waren unter je 10,000 Bewohnern in Preußen j .133 Israeliten; 1900 aber nur 114; würden die Juden I in dieser Zeitperiode in demselben Maßstabe zugenommen haben, als die Gesammtbevölkerung, so müßte auch der Satz per 10,000 derselben geblieben sein; und ist somit aus dem Minus von 19 Israeliten per 10,000 der Bevölkerung zu ersehen, daß, obwohl die Juden an j und für sich selbst in den letzten 20 Jahren um 7,84 pCt. j zugenommen haben, dieselben doch mit dieser Zunahme j gegenüber derjenigen der ganzen Bevölkerung zurückgej blieben sind. Jene 19 per 10,000 repräsentiren aber — j bei den 3447 mal 10,000 in Preußen — einen Werth von 65,493 Inden, die bei einer gleichmäßigen Entwicke-! hing mit den sonstigen Bewohnern, 1900 mehr als in! der Wirtlichkeit batten sein müsten. Die erste verläßliche Zählung in Preußen, welche die Gesammtbevöllernng nach Konfessionen unterschied, i hat im Jahre 1816 stattgefunden. Die Bewegung der jüdischen Bevölkerung in j Preußen seit damals kann in zwei Hauptperioden, und ,uuar in der Zeh von 1.810 bis 1801 und von ISN'1 bis 1900 getheilt werden. Als Ergebnisse der Zählungen von 1816 bis 1861 finden wir: 1816 1858 1861 Israeliten in Preußen 123,938 242,416 254,786 Zunahme in pCt. 100 196,95 205,68 Per 10,000 Bevölkerung 119,7 136,6 137,4 Bei den Israeliten war somit die Zunahme mehr als bei der sonstigen Bevölkerung, indem es doch sonst immer 119,7 hätte bleiben müssen, -st 16,9 -s- 17,7. In den Jahren 1816—58 war die Gesammtzunahme im preußischen Staate 71,26 pCt. Die Betheiligung der Angehörigen folgender vier Religionen stellte sich aber: für Israeliten 95,95, für Protestanten 73,18, für Katholiken 67,75 und für Mennoniten 6,42 pCt. Daß dieses außerordentliche Anwachsen der jüdischen Bevölkerung nicht auf Zuzug von Auswärts zurückzuführen ist, sondern aus einer äußerst günstigen natür-