Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 63 (12.8.1901)
- Date
- 1901-08-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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42. Jahrgang. Meilage zu M 63 des Leitender Artikel. Tir 'l'iirfnlimi i)fr «rfiljfrrfn». MW). i5«7—isia. iun Tr. Aterandcr Tiet;. In den beiden letzten Heften der von Julius Rodender^ herausgegebenen „Deutschen Rundschau" hat Herr Professor Richard Ehrenberg zum ersten Mal eine 'Reihe nächtiger und zuverläffiger Aufklärungen über die bisher in ein sagenhaftes Dunkel gehüllte Entstehung und Entwickelung des Geschäftshauses „M. A. v o ii Rothschild u. Söhn e" gegeben. Wenn er hierbei bemerkt, dast die Familie selbst bisher allen Anregungen. über ihre Geschichte etivas mitzuthcilen, hartnäckig ividerstanden habe, so gilt dies auch hinsichtlich ihrer Herkunft. Offenbar hat sie sich um deren Aufklärung niemals ernstlicli bemüht und bei der von ihr erstrebten Jsolirung die Feststellung der Thatsache für genügend gehalten, dast der Begründer des Hauses Mayer Amschel Rothschild im Jahre 1748 zu Frankfurt als Sohn eines Frankfurter Handelsmannes geboren ivorden sei. Die Schwierigkeiten, ivelche sich weiteren Rachforschungen entgegengestellt haben, sind keine geringen geivesen, da fast alle Akten der israelitischen Gemeinde bei den verschiedenen großen Bränden zu Grunde gegangen sind, jedoch auch keine unüberwindbare, loic die Stammbäume der Familien Bing und Spever beioeisen. Eine große Hilfe bietet das soeben im Buchhandel erschienene, mit bewunderungswürdidem Fleiß ausgearbeitete Werk des Rabb. M. Horovitz, das ivir in voriger Nummer ausführlich besprochen, loelches sämmtliche Inschriften der Grabdenkmäler des alten israelitischen Friedhofes — leider ohne deutsche Uebersei'ung wiedergibt. Rur dadurch ist es. in Erinangelnng von Geburtsregistern, möglich gewesen, Resultate zu erzielen und die Wohnhäuser der Fawilst'nmitglieder, welche sie neben und nach ihrem Stamnrhaus zum rothen Schild besessen haben, festrustellen. Denn in den städtischen Steuerlisten werden die Juden regelmäßig nur mit den Namen ihrer Häuser und unter Weglassung ihrer Geschlechtsnamen bezeichnet. So loird der Großvater des Mayer Amschel Rothschild im Jahre 1600 als Moses zur Hinterpfann und dessen Briider im Jahre 1696 Mayer und Gumprccht zum rothen Schwert genannt, während aus jüdischen Urkunden zu ersehen ist, daß die Genannten Mitglieder der Familie Rothschild waren. Nach meinen bisherigen Ermittelungen läßt sich mit Bestimmtheit sagen, daß der Stammbaum der Familie Rothschild!vie so vieler anderer jüdischer Familien, bis in die 'zweite Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts, das ist die Zeit der Masseneinwanderung der Niederländer und Juden in Frankfurt, zurückreicht und daß die jetzigen Freiherren von Rothschild in dem Juden Jsak zum rothen Schild, welcher in den Jahren 1667 bis 1680 ein Bermögen von 2700 fl. versteuerte, ihren Stammvater erblicken können. Während der folgenden zwei Jahrhunderte sind seine Nachkommen nicht mit Glücksgütern gesegnet gewesen; als kleine Geschäftsleute haben sie ein bescheidenes Dasein gefiihrt und werden äußerst selten erivähnt. Die Familienangehörigen lassen sich in folgende Generationen zusammenfassen: I. Isaak I u d zum rothen Schild, versteuert 1667—1680 2700 fl. Bermögen. Seine Wittwe Ester wird von 1693 bis etwa 1610 erivähnt. I I. 1) M o s ch e (Moses) zum rothen S ch i ld , heirathet 1698, noch 1632, vermuthlich der Stammhalter. 2) H ä n ch e n z u m rothen Schild; erhält 1660 die Erlaubnis; zum Bau eines dritten Stockwerks auf seinem Haus. Seine Wittwe wird 1620 erwähnt. 3) Isaak zum rothen Schild 1610, ge st. 1662. Hl. I saat z u m rothen Schild, der Jüngere, heirathet 1627, gest. 1669, Nachkommen unbekannt. 2) R a f a e l zum rothen Schild, heirathct 1630, vermuthlich identisch mit Rafael zur Psann, 1660, noch 1670. Nachkommen unbekannt. 3) Moses (Mosche) zum r o t h e n S ch i l d , der Stammhalter, heirathet 1633, 1660 im Hinterhaus zur Psann, welches auf der Nordseite der Judengasse nahe bei der Bornheimer Pforte, also bei der Fahrgasse, lag und über 100 Jahre im Besitze dieses Zweiges der Familie geblieben ist. 4) Salonion zum rothen Schild, heirathet 1638, noch 1660, 1673 im Haus zur goldenen Gerste, welches dicht dabei lag. Am 12. August desselben Jahres erhielten seine beiden Söhne Joseph und Isaak zum rothen Schild die Vergünstigung, das Haus von Grund auf zu theilen. Während Isaak bald darauf im Haus zur Gerste erwähnt wird, blieb Joseph noch bis zur Zeit des großen Ghettobrandes im Jahre 1711 Besitzer des Stammhauses, welches er neu aufbauen ließ. Im Jahre 1689 wurde ihm vergünstigt, ein Hinterhaus gegenüber dem Predigerkloster zu bauen. Er scheint so ivenig wie sein Bruder Isaak zur Gerste Nachkommen gehabt zu haben. Als Eigenthümer des Hauses zum rothen Schild wird im Jahre 1716 ein Gumprecht Trier genannt.