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Der Israelit · 1901-05-09 · Heft 36 (9.5.1901) · page 32

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 36 (9.5.1901)
Date
1901-05-09
Page
– (sequence 32)
Language
German
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Schulen und Lehrlingswerke der Alliance Israelite Universelle. (IV. Fortsetzung.*) Man darf jedoch nicht nach einigen Unglücklichen, die in Paris, London, Berlin oder Amsterdam gestrandet sind, die Resultate des Werkes beurtheilen. Man frage nur Diejenigen, welche Marokko und die T ü r k e i vor 40 Jahren und dann wiederum in den letzten Jahren gesehen haben; sie werden von den glücklichen Veränderungen durch den Einfluss der Allianceschulen erzählen können. Dass unter den 5000 bis 6000 Kindern, die jedes Jahr aus den Alliance-Schulen entlassen werden, sich eine ziemliche Anzahl befindet, deren Unterricht ganz obeiflächlich, deren Kenntnisse zu unsicher und schwankend sind, ist in einer so wenig aufgeklärten Umgebung, wo die Thätigkeit des Lehrers nicht immer, ja nur selten eine wirksame Unterstützung in der Familie findet, nicht zu verwundern. Nur in den zurückgebliebenen Gegenden kommen derartige Misserfolge zum Vorschein; man sah dieses im voraus, sie können das Ganze der gewonnenen Resultate nicht abschwächen. Wenn diese Anstalten den Kindern eine gute und wirksame Erziehung geben konnten, wenn durch die Kinder auf die Eltern selbst eingewiikt zu werden vermochte, so konnte sie die wirtschaftlichen Landesverhältnisse nicht verändern, auch nicht den Mangel an Verkehrswegen, der Industrie und des Handels ersetzen; ferner nicht die Sitten der nichtjüdischen Bevölkerung verbessern, auch nicht die Missbrauche und die Gewalttaten der Beamten zerstören. Diesen letzten Ursachen ist es im Allgemeinen zuzuschreiben, dass grosses Elend auf den Israeliten des Orients und Afrikas lastet; auch verschulden diese Ursachen selbst die Mängel, die man den Israeliten vorwirft. Es ist unmöglich, hier Statistiken zu geben. Sie haben den Fehler, absolut zu sein; zudem lässt sich eine moralische Wirkung, wie sie von Schulen ausgeübt wird, nicht in Zahlen umsetzen. Weiter folgen keine Zahlen, sondern Thatsachen. Es bestehen gegenwärtig in Südamerika, in der Republik Argentinien, in Brasilien und besonders in Venezuela ganze Gruppen, sogar organisii te Gemeinden aus marokkanischen Israeliten. Es sind dies frühere Allianceschüler aus Marok ko, welche, nachdem sie die Schulen verlassen, in ihrem Lande keine Gelegenheit fanden, ihre Thätigkeit zu üben, zusammen nach Südamerika auswanderten, wo sie sich, dank der Erkenntniss der spanischen Sprache, passende Stellungen schaffen konnten. Diese Auswanderung setzte sich regelmässig fort, und die später Angekommenen sind glücklicher als die ersten Auswanderer, da sie in der neuen Welt Landsleute antreffen, die bereit sind, sie zu empfangen und ihnen ihr Fortkommen zu erleichtern. Diese Emigration, welche eine wahre Wohltbat für die marokkanischen Gemeinden ist, ist den Allianceschulen zu verdanken und datirt von der Zeit an, da sie ihre ersten Schüler ausgebildet hatten. Folgendes liest man in dem von der Vereinigung ehemaliger Alliance-Schüler zu Pan ger veröffentlichten Berichte über die Bewegung im Jahre 1899. Auswanderung. Dieser Theil unseres Werkes hat sich in diesem Jahre so ausgedehnt, wie noch nie. Unsere Mittel hätten dazu nicht ausgereicht, wenn uns nicht durch die israelitische Alliance von unseren Vorgängern eine Subvention von 2000 Francs gewährt worden wäre. Dank dieser Unterstützung konnten wir mehr Einwanderer aufnehmen, als in früheren Jahren. Wir haben fünf junge Leute nach Buenos- Ayres (Republik Argentinien), zwei nach Caracas (Venezuela), einen nach Maracaybo (Venezuela), einen nach Valparaiso (Chile), einen nach Iquitos (Peru), und zwei nach Para (Brasilien) geschickt. Die grössere Ausdehnung unseres Werkes hat uns jedoch nicht veranlasst, unserem Programm in etwas untreu zu werden. Auf die Zeugnisse der guten Führung, des Fleisses und der guten Gesundheit versuchen wir, unter Berücksichtigung aller Faktoren des Unvorgesehenen und des Zufalls, was sich aus den natürlichen Eigenschaften unserer jungen Schutzbefohlenen in der freien Bewegung eines neuen Landes machen lässt. Wir wiederholen hier, was wir früher erwähnt haben, die Auswanderung scheint uns einen doppelten Werth zu haben, einen materiellen und einen erzieherischen. Sie scheint uns eine Quelle des wachsenden Vermögens für unsere armen Gemeinden zu sein. Sie ist der Ausgang zu dem Zuge der Emanzipation, wo der gebundene Geist sich ausdehnt, wo die verkümmerten Fähigkeiten neuen Lebenssaft in sich fühlen. Die zwei verschiedenen Resultate sind uns gleich *) 8. Nr. 768.

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