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Der Israelit · 1901-01-17 · Heft 5 (17.1.1901) · page 34

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 5 (17.1.1901)
Date
1901-01-17
Page
– (sequence 34)
Language
German
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Schulen und Lehrlingswerke der Alliance Israelit© Universelle. I. Schulen. Am Ende des Jahres 1899 unterhielt oder unterstützte die Alliance ausser den zwei Vorbereitungsschulen für Knaben und Mädchen, den gewerblichen Lehrwerken, den zwei Ackerbauschalen und einer rabbinischen Schule, 95 Elementarschulen, worunter 59 Knaben- und 36 Mädchenschulen. Die Zahl der Schüler betrug 24000. Das Werk der Schulen hat sich besonders mit Ablauf des Jahres 1874 entwickelt. Die erste von der Alliance gegründete Schule datirt vom Jahre 1862, zwei Jahre nach der Gründung der Vereinigung selbst; von 1862 bis 1874, als die Hilfsquellen noch sehr,schwach waren, wurden 17 Schulen eröffnet; im Jahre 1884 stieg ihre Zahl auf 49 mit 8 9 00 Schülern; im Jahre 1894 waren es 59 mit 12 000 Schülern; von 1894 bis 1900 vermehrten sie sich um 36 So ist das Schul werk gewachsen. Im Laufe des Jahres 189 9 wurde eine Mädchenschule in Fez, der Hauptstadt Marokkos, eine Mädchenschule zu Teheran in Persien gegründet, und eine Handelsschule wurde der Knabenschule zu Tunis angefügt. In Marokko, wie in anderen Gegenden, wo das arabische Element vorherrscht, hatten die Jsraeliten die Gewohnheit, ihre Töchter zu zwölf, manchmal sogar zu zehn Jahren zu verheirathen. Dieses Verfahren zog traurige Folgen nach sich. Man hat festgesetzt, dass eine schreckliche Sterblichkeit die jungen Frauen bei ihrer ersten Niederkunft dezimirte, und dass mehr als die Hälfte der Neugeborenen im ersten Jahre starb. Solche, auch in anderer Hinsicht traurige Sitten musste die Alliance aus Israels Mitte zu entfernen suchen. Es ist ihr überall da gelungen, wo sie Schulen gegründet hat. Die Erfahrung hat dieses vollständig zunächst in Tanger 1879, dann in Tetuan 1882 und endlich in Bagdad 1895 bewiesen. Es muss gesagt werden, dass es dringend nothwendig war, in Fez so vorzugehen, wo schon eine Knabenschule vorhanden war; man hat Hoffnung, in anderen marokkanischen Städten ähnliche Einrichtungen treffen zu können. In Bagdad hatte die Alliance noch besonders saure Arbeit. Es lebt dort eine Bevölkerung von 25 000 bis 30 000 Juden in einer Hinsicht durch die geographische Lage der Stadt, entfernt von der civilisirten Welt, und wo mittelalterliche Sitten noch in den Familien herrschen. Die Frau lebt dort in einer vollständigen Abhängigkeit und Unwissenheit. Sehr jung verheirathet, ohne Einfluss auf den Mann und selbst auf die Kinder, wird sie mehr als zuverlässige Dienerin denn als Familienmutter betrachtet, welche man achtet und zu Käthe zieht. Sie nimmt sogar nicht ihre Mahlzeiten mit Mann und Söhnen zusammen ein; Mutter und Töchter sind gewöhnlich in der Küche, und essen, was übrig bleibt. Die Eltern kümmern sich kaum darum, ihren Töchtern eine Erziehung zu geben; man dachte kaum, dass sie das nöthig hätten. Nur die Armen allein lernen einige Haus- und Näharbeit, die Anderen bringen ihr Leben in Müssiggang, in unglaublicher Geistes- und körperlicher Trägheit hin. Eine Mädchenschule der Alliance war deshalb nothwendig; der Versuch war schwer. 1895 ei öffnet, scheiterte die neue Institution an den Vorurtheilen der Einen, an dem Aberglauben der Anderen, aber die Direktorin, Frau Danon, wusste diese Hindernisse zu überwinden; allmählich mehrte sich der Schulbesuch, und heute steht die Schule in hohem Ansehen. Frau Danon bat jüngst einen Bericht der Alliance eingesandt, aus dem einige Stellen zu zitiren von Interesse sein wird: „Im Januar eröflueten wir die Schule. Die Anfänge waren sehr bescheiden. Wir hatten nur 25 Schülerinnen. Man hatte uns gesagt, dass das Gros der Bevölkerung ans misstraute, dem war aber nicht so, nein, sie wartete nur unser Weik ab. Sie berechnete nicht die Vortheile, welche der Besuch der Schule einem jungen Mädchen verschaffen konnte. Für sie hiess, eine Schule besuchen, Französisch oder Englisch lernen, um dann auszu wandern und sein Glück zu machen. Was hat also ein Mädchen nöthig, eine fremde Sprache zu lernen? Was aber anlangt, sich Kenntnisse im Nähen, Sticken und anderen Arbeiten zu verschaffen, die für eine Frau einen Broderwerb und nützlichen Zeitvertreib bilden, so war das Alles bis dahin für die Bagdaderin Den ein niedriges, entehrendes Geschäft. Die Schule sollte durch ihre schnellen Erfolge alle diese Irrthümer verifiziren und sich allgemeine Sympathie erwerben. (Fortsetzung folgt )

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