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Der Israelit · 1900-09-27 · Heft 78 (27.9.1900) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 78 (27.9.1900)
Date
1900-09-27
Page
– (sequence 25)
Language
German
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41 Jahrgang. Dritte Aeitage zu JXs 78 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 26. Sept. (A h l!v a r d t als — K uxPartiere r.) Mer Kuxe alipreist, der sagt leicht mehr, als er verantworten tarnt, namentlich bei Bergwerksantheilen an solchen Gruben, ivelche erst erschlossen werden sollen. Ein Genußschein auf ein Erdloch, das noch zu graben bleibt, ist an sich eine zweifelhafte Sache, um wie viel mehr ein Kux, der unter llmständen zu Nachschüssen verpflichten kann. Bei Kuxen auf Erdschätze, die noch nicht erbohrt und erprobt sind, fehlt natürlich jeder feste Anhalt für die Prüfung ihres inneren Werthes. Welche Art von Kuxen es ist, die für den Rudolfstädter Bergbau bei Pilsen ausgegeben werden, das mag dahingestellt bleiben. Bor dem 30jährigen Kriege soll der bergmännische Betrieb in jener Gegend Böhmens ein sehr blühender gewesen sein. An dem Vertrieb der Antbeilscheine für diesen Bergbau ist der antisemitische Reichtagsabgeordnete für Friedeberg-Arnswalde, Hermann Ählwardt, in eigenartiger Weise betheiligt. Er svielt irr diesem Falle — und zwar in der Dortmunder Gegend — die Rolle eines Kuxpartierers. Wie von einwandssreier Seite berichtet wird, soll es der Beredtfomfeit Ahlwardt's gelungen sein, so viel Kapitalisten, liamentlich aus den Kreisen der Großgrundbesitzer, zum Ankauf der fraglichen Antheilscheine zu veranlassen, daß ihrn als Lohn für feine Liebesmühe eine Vermittlergebühr in Kuxen zugewiesen worden ist, deren Werth er selbst aus 150,000 Mt. veranschlagen soll. Ob Ahlwardt die .Kuxe, welche er zu je 500 Mk. an den Mann zu bringen sucht, ohne jeden Gegenwerth oder für ein geringes Entgelt erhalten hat, das thut nichts zur Sache. Beachtenswerth ist vielmehr, daß Ählwardt sich durch ein ähnliches Bermittlergechäst zu bereichern versucht, wie er es bei Andern, und insbesondere bei den Juden, auf das Schwerste verdammt. Nichts haben ja die Antisemiten den Börsen und Banken so arg verübelt, als daß sie angeblich ein Geschäft daraus machen, zur Anlegung von Geldern in zweifelhaften Wertsten anzureizen. Wenn nun derselbe Ählwardt, der fast ein Jahrzehnt lang gegen solche Art von „Ausbeutung" geeifert und gegeifert hat, seinen Erwerb darin sucht, daß er Käufer wirbt für Kuxe von mindestens zweifelhaftem Werth, so läßt das nicht gerade auf Folgerichtigkeit schließen; es sei denn, daß sein Haß gegen die Börse iinmer nur der Börse anderer Leute gegolten habe. Memel, 21. Sept. Heute fand in der hiesigen Synagoge die Einweihung einer Gesetzsrolle (Sefer- Thora) statt, welche der Vorsitzende hiesiger Gemeinde,? Herr Bankier Leopold Alexander, auf seine Kosten hat ansertigen lassen, zum Angedenken an seine verewigten Eltern. Herr Rabbiner Dr. Emanuel Carlebach hielt eine sehr gehaltvolle und eindringliche Ansprache. Mit dem darauffolgenden Minchagebet schloß diese seltene Feier, die in der Erinnerung aller Anwesenden gewiß fortdauern wird. Palästina. (Galiläa. Die jüdischen Taglöhner in der Colonie Sichron-Jacob, welche jetzt zu Hunderten arbeitslos werden, haben zur Förderung ihrer Angelegenheit aus ihrer eigenen Mitte einen „Waad", d. i. ein Central- Komitee eingesetzt. Der „Waad" hat seinen Sitz in der Colonie Waad-el-Chanin bei Jaffa und hat zur Aufgabe, die Interessen der Taglöhner zu vertreten, für sie bei Vereinen und Corporationen einzutreten und nichts unversucht zu lassen, was zur Erleichterung des Schicksals dieser armen „Arbeitswilligen" beitragen könnte. Da das Komitee keine Mittel besitzt, um für die über 300 Familien zählenden jüdischen Landarbeiter Land zu kaufen, so sucht es solches für sie zu pachten. Als geeignetes Pachtland ist das dem Sultan gehörige am Jordan gelegene Land, das Hul, in der Umgebung von Jericho, soivie das zwischen Jordan und dem Dshaludfluß sich hinstreckende Beisan. Der Boden ist da vorzüglich und Fellachen wie Beduinen sind stets gern bereit, gegen Entrichtung des schon zur Zeit Josephs bekannt gewesenen Fünftheil das Land in Bearbeitung zu nehmen. Da die neuerdings wieder fleißig in Angriff genommene Eisenbahn Chaifa-Damaskus auf persönlichen Wunsch des Sultans durch Beisan gehen soll, so wäre eine Ansiedelung aus diesem Gebiete sehr wünschenswertst. Leider wird dieses Land als sogenanntes Driflik*) nur auf wenige Jahre verpachtet. Das Komitee für die jüdischen Taglöhner hat sich nun an die I. K. A. gewendet, welche ihnen die nöthigen Mittel versprach, falls es gelingen sollte, in Beisan Land aus zehn Jahre in Pacht zu bekommen. Die Verwaltung der Driflik-Ländereien, welche ihren Sitz in Damaskus hat, steht unter Leitung eines Glaubensgenossen, des Herrn Jakub Adath Effendi, und so ist es nicht unwahrscheinlich, daß die Pachtung des Driflik, auf welche die armen Taglöhner ihre letzte Hoffnung setzen, gelingen wird. T. *) Ard-Driflik, Land das dem Sultan gehörst im Gegensatz zum Ard Mulk, das alle Rechte des Privateigenthums hat. Daneben giebt es Ard-Miri, dessen Besitzer dasselbe in Erbpacht hat und Ard-Warkuf, zum dem aller in Besitz von gemeinnützigen Corporationen befindliche Boden gehört. Die letzten beiden Eategorien von Besitzern dürfen ohne spezielle Erlanbriiß aus Constantinopel auf ihren Grundstücken keine neue Bauten ausführen.

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