Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-08-23 · Heft 68 (23.8.1900) · page 32

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 68 (23.8.1900)
Date
1900-08-23
Page
– (sequence 32)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449113--51425-2501934
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

56 Litterarisches. Dr. J. Hirsch, Rabbiner in Karoliueuthal. Fragment einer arabischen Pentateucli-U eher Setzung. Otto Harrassowitz, Leipzig, 1900. Das Bestreben, (las Gotteswort dem Volke verständlich und zugänglich zu machen, hat zu allen Zeiten in Israel die hervorragendsten Geister beschäftigt. Geherall, w<> die Nachkommen Jakobs eine gastliche Heimstätte gefunden hatten, erwachte das Verlangen, die heilige Schrift in das landesübliche Idiom zu übertragen; namentlich die arabisch sprechenden Juden entwickelten eine eifrige literarische Thätigkeit, die zum grossen Teil der Erläuterung der heiligen Schrift zu Gute kam. Auch mancherlei Gebersetzungsversuchs wurden gemacht, von denen jedoch nur der berühmte des Gaon R. Saadja einen dauernden Einfluss übte und alle ihre Rivalen verdrängte. Für die Sprachwissenschaft , für die Geschichte der Exegese und nicht zuletzt für die Kulturgeschichte unseres Volkes sind auch jene Gehersetzungen, die keinen dauernden Einfluss gewinnen konnten, von hohem Werte, und es war daher ein dankenswertes Unternehmen, die vorliegende, gänzlich verschollene Gehersetzung, dem Staube der Bibliotheken zu eutreissen und in echt wissenschaftlicher Weise, mit all dem Rüstzeug modern-kritischer Behandlung, au’a Tageslicht zu fördern. Wir haben es hier mit einer fleissigen und gehaltvollen Gelehrtenarbeit zu tliun, das ergibt sich aus der mit einem grossen Aufwand von Kenntnissen und Belesenheit gearbeiteten, XXXVIII Seiten langen Einleitung, deren wesentlichste Ergebnisse wir hier in Kürze wiedergehen wollen. Nach Ansicht des gelehrten Herausgebers ist der Codex, den er edirt und der leider nur in fragmentarischer Gestalt — Lev. 5,11 — Deut. 28,68 — vorhanden ist, das Werk eines Anonymus, der im 11. oder 12. Jahrh. im Orient gelebt hat. Anhaltspunkte darüber bietet der Schriftcharakter und die zahlreichen Glossen und Einschaltungen , denn wir haben es hier nicht mit einer Abschrift, sondern mit der Originalarbeit des Gebersetzers zu tlmn. Die Gehersetzung Saadja’s hat dem Autor Vorgelegen und er hat reichliche Anleihen bei derselben gemacht. Dennoch hat er sich seine Eigenart in solchem Hasse gewahrt, namentlich durch die sklavische Anlehnung an den Wortlaut der heiligen Schrift, dass die Frage entstehen konnte, oh der Gehersetzer ßabbanite oder Karäer war. Der Herausgeber widmet dieser wichtigen Frage eine eingehende und tief eindringende Untersuchung, die alle in Betracht kommenden Differenzen zwischen rabbauitischer und karäischer Auffassung des heiligen Schriftwortes heranzieht — 8. V bis X der Einleitung — und zu dem Ergebnis gelaugt „dass das Fehlen und die mangelnde Verdeutlichung der traditionellen Exegese in der Gehersetzung unseres Codex durchaus nicht zu Gunsten ihres etwaigen karäischen Charakters spricht, sondern auf Rechnung ihrer Tendenz der strengsten Wörtlichkeit, zu setzen ist. . . Die karäisch scheinenden Stellen sind Gehersetzungssünden, entstanden durch die obwaltende „Tendenz, in der Gehersetzung ein getreues Bild des hebräischen Originals zu schaffen." Wenn der Herausgeber bei der Erörterung der Differenzen zwischen traditioneller und karäischer Exegese auf Deut. 19,21 hinweist, 8. IX, und daselbst als Beispiel B'D.D t&D2 zitirt, so meint er natürlich die darauf folgenden Worte 'D i’jn l’y. Er hätte dafür auch Lev. 24, 20 anführen können, wo der Codex dieselbe Gehersetzung hat. — Für *n HDD hat der Codex auch TU Num. 20,6, nicht nur dtd, wie im Glossar S. XXXIII angegeben ist. Der Herausgeber hat mit seiner sorgfältigen und gewissenhaften Arbeit der Wissenschaft einen Dienst erwiesen; der aufrichtigste Dank und die Anerkennung aller Fachgel ehr len werden ihm sicherlich zu Teil werden. Inhalt* Die Juden im Eisass vor und während der Schreckensherrschaft. — Don Josef Nasi Herzog von Naxos. — Biographische Skizzen. — Mitteilung, — Litterarisches. Verantwortliche Redaction: Rabbiner Dr. Löwen stein in Mosbach (Baden). — Druck und Verlag der Joh. Wirth’achen Hofbucbdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.