Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 38 (10.5.1900)
- Date
- 1900-05-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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41. Jahrgang. M SS. Der Israelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orthodoXe Iudenthum. Begründet von Br. f^munn in fttaitif. Dann er ft ag, den 10. Wlai 5660 (1000). Leitender Artikel. Sie Mn-emlH-M drr ortQoQofcn I«dritl>imr diitz He» MIM» Vvm«I>> net IstutlU«. M anheim, 9. Mai. Daß eine israelitische, von dem Staate aus den edelsten Intentionen inaugurirte Behörde einen fortgesetzten Kreuzzug gegen alles spezifisch Jüdische führt, ist und bleibt eine so unerhörte Ungeheuerlichkeit, daß es unabweisbare Pflicht der jüdischen Publizistik ist, auf diesen Jammer wieder und wieder hinzuweisen. Wir haben ja kein anderes Forum, vor dem dieser Nothschrei Gehör und Berständniß erhoffen darf, als die jüdische öffentliche Meinung. So lebhaft ihre Indignation sich auch gegen die Unbegreiflichkeiten dieser Behörde wiederholt geäußert bat, zu einer gemeinsamen That hat dieselbe noch nirgends geführt. Man sieht den Oberrath als eine Art fünftes Wagenrad an und nimmt ihn daher nicht so ernst, als er es immerhin verdiente. Wohl ist der Oberrath eine Behörde, die mehr zu wünschen, als zu befehlen hat. Wohl ist dafür gesorgt, daß die oberräthlichen Bäume nicht in den Himmel wachsen, daß ihre radikalen, neologen und reformatorischen Veilletäten nur diejenigen Gemeinden u. Einzelne unmittelbar beeinflussen können, die sich auf Grund ihrer Wahlverwandschaft davon beeinflussen lassen wollen. Aber dieser moralische mittelbare Einfluß ist doch leider immer noch groß genug. Es kann den jüdischen Gemeinden und Einzelnen des badischen Landes, welche auf dem Boden des von den Vätern überlieferten historischen Judenthums stehen, auch wenn sie den neologen oberräthlichen Tendenzen keinerlei direkten Einfluß gestatten, doch nicht gleichgiltig sein, sich dem Staate und der Öffentlichkeit gegenüber von einer Behörde vertreten zu wissen, wie es der badische Oberrath der Israeliten nun einmal ist. Dieser Behörde und ihren treibenden Elementen ist das, was den Bekennern des alten, wahren, einzigen Judenthums als höchstes Ziel ihres Lebens gilt, ein überwundener, abgethaner Anachronismus. Was ihr erstrebenswerther Fortschritt dünkt, ist den Juden sansplii-nse,die man gewöhnlich die Orthodoxen nennt, ein beklagenswerther Abfall und Rückschritt. Ja, es fehlt nicht an Insinuationen und Verdächtigungen, welche die primitivsten Satzungen des historischen Judenthums als Ausgeburten einer lichtscheuen Vergangenheit darstellen, die in unserer erleuchteten, fortgeschrittenen Gegenwart keine Existenz-Berechtigung mehr hätten. Wie diese Behörde die öffentliche Ausübung der Tefillinpflicht zu unterdrücken sucht, wie sie Handlangerdienste zu einem Verbot des Schulchan Aruch-Unterrichtes leistete, wie sie die präcise Ausübung des Milagebots unmöglich zu machen bemüht ist, diese und eine Reihe kleinerer und größerer Maßnahmen haben dem letzten Juden im dunkelsten Schwarzwalde längst die Augen über die religiöse oder richtiger irreligiöse Richtung geöffnet, welcher diese Behörde zusteuert. Man sollte meinen, es wäre denn doch an der Zeit, daß wirkliche Juden, welchen dieser Jammer zu Herzen geht, zusammentreten, um über Mittel und Wege zu berathschlagen. wie dieser kränkenden Mißachtung und Verkümmerung des Judenthums mit Erfolg entgegen zutreten sei. Der Organisation derjenigen, welche das Judenthum der Väter aus den Geistern und Gemüthern der Zeitgenossen mit Stumpf und Stiel ausrotten möchten, ihren Behörden, Synoden und Conferenzen müßte zunächst eine Organisation derjenigen r h entgegenstellen, die sich von solchen Vormündern i >t länger gängeln lassen möchten. Wenn eine solche rganisation auch in der ersten Zeit nicht durch ihre immerische Bedeutsamkeit imponiren würde, ihr blr! Vorhandensein würde genügen, um der öffentlich« Meinung, dem Staate, den höchsten Behörden die An über die thatsächliche Lage der Dinge zu öffnen und so der