Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1899)
- Date
- 1899-01-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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*W«Pgg^ f 172 Schweiz. Basel. Dem Jahresbericht des Schomre-Thora- VereinS Basel für das Jahr 1898 entnehmen wir: Das Ziel des Vereins, die israelitische Jugend zu belehren und zur Gottesfurcht und zu religiösem Lebenswandel anzueifern, haben wir auch im verflossenen Jahre unverrückbar fest im Auge behalten. Nach wie vor bildet das Bethamidrasch den Mittelpunkt unseres Vereins. An jedem Abend wird „gelernt." Am Samstag Nachmittag und am Donnerstag Abend sind es vornehmlich „Baaleh Battim", erwachsene Männer, die das Betbamidrasch besuchen und hier für die jüdische That Belehrung und Anleitung finden. Am Samstag Vormittag und am Sonntag Abend ist der Besuch der Vorträge für unsere Aktiv-Mitglieder obligatorisch. Die Psalmen, mit deren Vortrag Herr Dr. Cohn seiner Zeit den Schomre-Thora-Verein eröffnete, iverden wir, s. G. w., bald zu Ende lernen und Herr Dr. Cohn wird alsdann das Buch Kohelet erläutern und zugleich seine interessanten Geschichis - Vorträge wieder aufnehmen. Am Samstag Nachmittag haben wir die Einrichtung getroffen, daß der Schulchan Aruch abwechselnd von jungen Leuten vorgetragen wird, während der Herr Rabbiner nur die Erklärungen hinzufügt. Wir hoffen, daß hierdurch die Fähigkeit unserer Mitglieder, selbstständig sich über ein religiöses Gesetz zu informiren, stetig zunehmen wird. Wie viel Anregung, wie viel gute Saat geht alljährlich von unserem Bethamidrasch aus! Möge sie auf empfänglichen Boden fallen und Früchte tragen zum Heil des Judenthums. Ein wahrer Segen ist unsir Bethamidrasch für die auf der Durchreise kürzere oder längere Zeit sich hier aufhaltenden Glaubensgenossen aus dem Osten, die sonst ein Wirthshaus hätten aufsuchen müssen und die nun in unserm Bethamidrasch zu jeder Zeit ein warmes gut beleuchtetes Zimmer finden, in welchem sie nach Belieben lesen oder in einem der zahlreichen heiligen Bücher forschen können. Ein Mitglied trat zu den Passiven über. Zur Zeit gehören 37 Passiv-Mitglieder dem Verein an, im Hinblick auf die Größe unserer Gemeinde immer noch eine geringe Zahl! Daß der finanzielle Stand unserer Kaffe ein günstiger ist, vermag uns nicht darüber hinwegzutäuschen, daß wir noch sehr auf die Güte von Freunden und Wohlthätern unseres Vereins angewiesen sind. Unsere Ersparniffe kornmen im wesentlichen daher, weil alle Vorträge im Verein unentgeltlich abgehalten wurden. Auch werden unsere Ausgaben sich wesentlich erhöhen, wenn wir einmal, — was doch nur eine Frage der Zeit — ein größeres und würdigeres Lokal zu erlangen suchen. Jedoch wir vertrauen auf die Güte des Allmächtigen, der-uns bis hierher-geholfen Hut und der uns auch weiterhin beistehen wird! Letzte Nachrichten. Berlin, 27. onmiflv. Gestern wurde in den Feensäten eine große antisemitische Radaupersammlung abgehalten. An Stelle des nicht erschienenen Hof Predigers Stöcker hatte Herr Dr. Nordau die Rede über nommen. Er hat Eindruck gemacht. Es muß zugestanden werden, daß es Herrn Dr. illordall in geradezu glänzender Weise in 2' »stündiger Rede gelang, den sicheren Beweis zu fuhren, daß er ein altersschwacher, morscher Greis ist. Es stimmte mich traurig, die Ruine von dem zu sehen, was früher einmal ein geistreicher Plan derer war. Andere stimmte er sehr heiter. Nordau brachte Reminiszensen ans seinen Paradoxen, sowie einige längst überwundene tilgen. Er donnerte gegen daS jüdische Kapital, das er verknöchert, herzlos, dekadent und dergleichen nannte und dem er jedes andere Ideal absprach, als das Geld. Diese Phrasen sind in den Berichten auS anderen antisemitischen Versammlungen zu oft wiederholt worden, als daß ich darauf eingehen sollte. Einer pfiff. Die Zionisten bewiesen ihm die Rechtsgültigkeit ihrer Theo rien, indem sie ihn hinauswarfen. Nordau sprach auch vorr den Protestrabbinern. Er nannte sie Gemeindebedienstete, die kein Ideal haben, als ihren Gehalt einznstreichen, sie sind charakterlos, überhaupt sind Rabbiner für ihn nur ein Spott. Schließlich verstieg er sich zu dem Paradoxon, daß die orthodoxen Rabbiner ihre Kinder taufen lassen. Einige andere hübsche Krajtstellen gingen leider im Tumult unter. Herr Norddau stand in des Raumes Mitte, wendete sich hin und her und redete bald von vornen und bald von hinten. Mir schien es, daß er meisten theils von hinten redete. Trotzdem ist mir aus seiner Rede nicht klar geworden, ob Herrn N. von Kopfweh oder von Bauchweh geplagt wurde; Mauldiarröh war sicher dabei. Aber Herr Dr.! Es kann ja jedem Menschen so was pas siren. Briefkasten der Redaetion. H. B. W.: Ist auch für Pefach verwendbar. Mehrere Iirrteressenter». Die Hagadah von Rabbi Tewele Bondi ist durch Herrn L. Mainz sen., Frankfurt a. M., Uhlnndstraße, zu beziehen. Briefkasten der Expedition. L. B. in H.: Betrag von st. 4.— dankend empfangen. M. D.: Betrag von Mk. 3.20 dankend empfangen. L. W. aus Hamburg r Mk. 4.— erhalten. »Wer bleibt Sieger?", so betitelt sich ein neues, soeben erschienenem Pmimspiel. Wer bleibt Sieger, in höchst gelungener und urdrolliger Weise hat es der Verfasser ver standen, diese Frage zu lösen. Personen, die uns wohlbekannt sind, die wir aber noch nie in einer solchen Beleuchtung sahen, werden uns auf die originellste 'Art vorgeführt. Kurz, wir haben hier ein Stück, dessen Frische und Eigen art sich nicht nur auf die Idee, sondern auch ganz und gar ans die Behandlung der einzelnen Personen und die Ausarbeitung im Allgemeinen erstreckt. Als ein ganz besonderer Vorzug muß hervorgehoben werden die leichte ungezwungene Sprache, so daß das Stück sich nicht nur für. Erwachsene vorzüglich zur Aafführnttg'eignet, sondern änch von rmserer Jugend sehr leicht gespielt und erlernt werden kann.