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Der Israelit · 1899-01-12 · Heft 4 (12.1.1899) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 4 (12.1.1899)
Date
1899-01-12
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Zweite Beilage ju M 4 tea „Tsrndit“. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Hamburg, 5. Jan. Im Verein ehemaliger Schüler der Talmud - Thora-Realschule hielt Herr Director Dr. Goldschmidt gestern Abend einen interessanten Vortrag über die beiden ersten Jahrzehnte der Schule, beginnend mit dem Gründungsjahr 1805. Damals wohnten in Hamburg etwa 6000 Juden, die sich aus drei Gemeinden irSc* vns r>rp, Hamburg, Altona, Wandsbeck vertheilten, von welchen die Altonaer Gemeinde die zahlreichste war und aus dieser heraus gründeten zwei wohlhabende Mitglieder: Michael Lehmann und Rüben Moses Rüben unter dem Namen pn rz bv rp*:r rrr tmen r'z die Schule, welche auch das Nothdürftigste der deutschen Elementarschule in ihren Lehrplan aufnahm. Nur Kinder bedürftiger Ellern fanden anfänglich Aufnahme und es waren ihrer ungefähr 60, da die besser situirten Gemeindemilglieder sich eigene Hauslehrer hielten, von welchen es über Bedarf gab; ob sie aber alle für ihren wichtigen Beruf wissenschaftlich wie pädagogisch befähigt waren, bleibe dahingestellt. In letzerer Beziehung ließen auch die neuengagirten T.-T. Lehrer manches zu wünschen übrig, wie der Redner an der Hand einiger Beispiele aus den allerdings nur dürftig vorhandenen Schulnachrichten aus der damaligen Zeet unter wiederholter Heiterkeit der Zuhörer darlegte. Die finanziellen Verhältnisse waren nicht die besten; zwar subventiouirte die Gemeinde das Unternehmen nach Kräften, jedoch nicht ausreichend. Man veranstaltete regelmäßige Büchsensammlungen auf Familienfesten und animirte die Gemeindemitglieder zu Jahresbeiträgen, Geschenken und Legaten. Zur Förderung des Fleißes wurden Prämien an die besten Schüler vertheilt, zu welchem Zwecke mancherlei nicht unbedeutende Legate aus alter Zeit noch heute für die xhm Schüler zur Anwendung gelangen. Die politischen Verhältnisse, die mit der französischen Invasion, insbesondere aber durch die Continentalsperre, sehr ungünstig Handel und Gewerbe beeinflußten, brachten auch die Entwickelung der Schule zum Stillstand. Erst nach der Schlacht bei Leipzig, als man in Deutschland, und somit auch in Hamburg, wieder Herr im Hause geworden, suchte man mit einer erhöhten Gemeindesubvention und Aufnahme zahlender Schüler die Schule zu heben. Damals entstand die sogenannte Tempelbewegung in Hamburg, und diese Partei, die im Gemeindevorstand stark vertreten gewesen, suchte auch ihren unjüdischen Einfluß auf die Talmud-Thoraschule auszudehnen, der aber bei der aus frommen Männern bestehenden Direction nicht durchzudringen vermochte und zur Errichtung der Israel. Stiftungsschule unter Leitung des Tempelpredigers Klei führte. Diese Schule hat jedoch längst, obgleich sie zumeist durch frühere jüdische Zuwendungen und bedeutende Legate erhalten wird, aufgehört eine jüdische zu sein. Inzwischen hatten die r>rp e^c* in Hamburg liguidirt und waren zu einer Gemeinde vereinigt worden, wodurch das dringende Bedürfnis zur Berufung eines eigenen „geistlichen Beamten" sich geltend machte. Im Jahre l821 berief man aus Mainz den hochgelehrten Rabbi Jsaac Bernays unter dem Titel an die Spitze der Gemeinde und übertrug demselben gleichzeitig mit Einwilligung des Schuleuratoriums die Leitung der Talmud-Thoraschule, die nun, wie der Redner darlegte, wenigstens nach heutiger Anschauung, pädagoisch zwar noch sehr mangelhaft ausgestattet, aber ersichtliche Fortschritte in ihren Leistungen zeigte. Neue Lehrkräfte wurden herangezogen und die alte Jargonsprache durch die hochdeutsche ersetzt. Mit Energie bekämpfte der die sich noch ünmer geltend machenden Einflüsse der Tempelpartei, was ihn zwar nicht abhielt einen christlichen Eandidaten als Lehrer an die Talmud-Thoraschule zu berufen, weil er einen solchen, wie sein späterer Nachfolger Oberrabbiner Stern, einem jüdischen „epikuräisch" angehauchten Lehrer den Vorzug gab. Mit Anerkennung für die Verdienste des crn um die Schule schloß der Redner seinen sehr beifällig aufgeuommenen Vortrag, dem sich wie gewöhnlich ein freundschaftliches Beisammensein bis nach Mitternacht anschloß. H. H. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. Wien. (Zur 200jährigen Jubelfeier des israelitischen SpitaleS.) Im Altersversorgungshause in der Seegasse wurde vor einigen Tagen die 200jährige Jubelfeier des israelitischen SpitaleS festlich begangen. Nach dem Abcndgottetzdienste versammelten sich die Pfleglinge des Hauses in den mit langen Tafeln gedeckten Corridoren, um eine vom Vorstande gespendete Festjause einzunehmen. Der Obmann des ComitSs des Altersversorgungshauses Herr Salo Cohn mit seiner Familie, der Referent Herr Oberingenieur v. Mises, Docent Dr. Grünfeld, der Arzt des Hauses Herr Dr. Löbel waren erschienen und begrüßten die Versammelten.

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